Indus: Mit viel Zuversicht ins neue Geschäftsjahr
Mehr als 43 Prozent des Grundkapital von Indus sind bei der diesjährigen Hauptversammlung in der Köln Messe anwesend. Zunächst ruft Aufsichtsratschef Jürgen Abromeit in seiner Begrüßungsanspracche dazu auf, die „German Angst“ abzulegen. In seiner Eröffnungsworten fordert er dazu auf, mutiger zu werden, Neues auszuprobieren und offensiv zu investieren. Unternehmer, Gründer und Forscher sollen sich an einen Tisch setzen, um die Dynamik zu steigern und um für eine bessere Stimmung zu sorgen.
Abromeit glaubt an Deutschland und Europa und verweist auf einen starken Mittelstand, der viel bewirken kann. Das Land hat in den vergangenen Jahrzehnten viele Krisen gemeistert, man könne Veränderung, man könne Aufschwung. Um dies zu schaffen, müsse Deutschland aber wieder effizienter werden, es muss schlanker und weniger bürokratisch werden, Regeln müssten teils abgeschafft werden. Dies seien ehrgeizige Ziele, aber der ehemalige Vorstandschef von Indus zeigt sich zuversichtlich.
Das gilt auch für die Zukunft von Indus. Seit März 2025 gibt es die neue Strategie „Empowering Mittelstand“, die für weiteres Wachstum sorgen soll. Dabei seien Zukäufe der starke Treiber. 2025 hat Indus sieben Zukäufe getätigt, davon vier im Ausland. In diesem Jahr wurde bisher ein Unternehmen in Italien erworben. Somit befinden sich aktuell 43 Unternehmen im Portfolio der Gesellschaft.
Vorstandschef Johannes Schmidt macht deutlich, dass der italienische Erwerb bei weitem nicht der einzige Zukauf im laufenden Jahr sein dürfte. Dabei sollten auch neue Länder erschlossen werden. Man schaut sich bei neuen Zukäufen sowohl in Europa als auch in Nord- und Südamerika um.
Schmidt macht in seiner Ansprache an die Aktionäre deutlich, dass die Welt im Umbruch ist, das Umfeld verändert sich mit hoher Geschwindigkeit. Entsprechend schnell muss Indus oft reagieren. CFO Rudolf Weichert hebt in diesem Zusammenhang die hohe Agilität bei Indus hervor. Vorständin Gudrun Degenhart erklärt, dass man sich flexibel auf neue Dinge einstellen muss. Veränderungen gelingen dank der mittelständischen Kultur von Indus sehr gut, so Schmidt. Indus habe dabei seine Hausaufgaben gemacht und sich auf wichtige Aspekte fokussiert.
Infrastrukturpaket zeigt noch keine Wirkung
Für 2026 hat man große Erwartungen an das Infrastrukturpaket der Bundesregierung. Bis von dort aber erste deutliche Effekte kommen, dürfte es noch etwas dauern. Erst im zweiten Halbjahr und dann vor allem in den Folgejahren sollte dies wirklich spürbar sein.
Im ersten Quartal ist der Bereich Engineering eher schwach gelaufen. Der Auftragseingang wird von Schmidt jedoch als gut bezeichnet. Das sollte für eine positive Entwicklung im weiteren Jahresverlauf sorgen. Die Sparte Infrastruktur ist trotz des kalten Winters gut gestartet. Hier läuft alles bisher planmäßig.
Bei Material Solutions muss man eine Sonderentwicklung bei einer Beteiligung berücksichtigen. Wolframcarbid ist seit Jahresbeginn deutlich im Preis gestiegen, blickt man zwölf Monate zurück, hat sich der Preis verneunfacht. Das sorgt für höhere Einkaufskosten, steigert aber auch den Umsatz und das Ergebnis. Entsprechend liegt der Bereich deutlich über Plan.
Prognose wird bestätigt
Daher hat Indus die Jahresprognose Ende April angepasst. Erwartet wird nun ein Jahresumsatz von 1,85 Milliarden Euro bis 2,05 Milliarden Euro (alt: 1,8 Milliarden Euro bis 1,95 Milliarden Euro). Das bereinigte EBITA sieht Schmidt bei 160 Millionen Euro bis 190 Millionen Euro (alt: 150 Millionen Euro bis 170 Millionen Euro). Die Marge wird bei 8 Prozent bis 10 Prozent erwartet. Der freie Cashflow soll mindestens ausgeglichen sein. Das mag ambitioniert klingen, da der Wert im ersten Quartal bei -74 Millionen Euro (Vorjahr: -23 Millionen Euro) lag. Hier spielt die Entwicklung bei Wolframcarbid jedoch eine wichtige Rolle.
Die vielfältigen Herausforderungen, von den US-Zöllen über den Iran-Konflikt bis hin zur Preisentwicklung bei Wolframcarbid, sorgen für die große Spanne bei der Prognose. Schmidt ist dennoch auf der Hauptversammlung zuversichtlich, den Ausblick zu schaffen. Indus sei gut aufgestellt, zudem liegen die Auftragseingänge über dem Vorjahresniveau. Auch spürt Schmidt eine Belebung am Markt. Man will aber auch die Entwicklung im Bereich KI nicht verpassen und erkennt darin Chancen, hier sieht Schmidt Indus mit allen Beteiligungen auf einem guten Weg.
Internationalisierung als Impulsgeber
Für die kommenden Jahr sieht Indus drei Wachstumstreiber: Zukäufe, Internationalisierung und Technik-Kompetenz. Für Schmidt kommt dabei vor allem der Internationalisierung eine besondere Bedeutung zu. Bis 2030 will Indus einen Umsatz von rund 3 Milliarden Euro erwirtschaften. Die Marge soll bei 11 Prozent auskommen.
Die Hälfte des Wachstums soll dabei organisch erfolgen, die andere Hälfte soll durch Zukäufe generiert werden. Dafür stehen etwa 500 Millionen Euro zur Verfügung. Schmidt nennt die Ziele ambitioniert, zeigt sich aber sehr zuversichtlich. Man komme stabil durch schwierige Zeiten, sei strategisch klar ausgerichtet und kann sich schnell an veränderte Rahmenbedingungen anpassen.
Dividende steigt an
Für 2025 zahlt Indus eine Dividende von 1,30 Euro je Stückaktie (Vorjahr: 1,20 Euro). Das hat die Hauptversammlung mit 99,99 Prozent beschlossen. Die Rendite liegt bei 4,6 Prozent, wenn man den Schlusskurs 2025 als Referenzpunkt nimmt. Der Gewinn je Aktie lag 2025 bei 2,77 Euro, die Ausschüttungsquote steht somit bei rund 47 Prozent.
Der Vorstand wird von der Hauptversammlung mit mehr als 92 Prozent entlastet. Für die Entlastung des Aufsichtsrates stimmen mehr als 88 Prozent der anwesenden Aktionäre. Ein Aufsichtsrat steht bei der Hauptversammlung zur Wiederwahl. Carl Martin Welcker wird mit 71,25 Prozent für weitere zwei Jahre in das Gremium berufen. Kritik gibt es daran, dass Welcker seit 15 Jahren bereits dem Aufsichtsrat angehört. Das hat manchen Aktionär in seinem Votum beeinflusst. Auch die Schaffung von neuem Kapital wird vom Aktionärstreffen mit 93,35% klar durchgewunken.
Die Aktie von Indus verliert 2,5 Prozent auf 28,95 Euro. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Aktie 38 Prozent gewonnen.
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