Börse am Morgen: Easyjet, Walmart, Ölpreis, Konjunkturdaten - Nord/LB
Deutschlands langjähriger Exportüberschuss im Handel mit den USA hat sich infolge erhöhter US-Zölle deutlich verringert. In Q1 2026 lag der Überschuss bei EUR 12,4 Mrd. und damit rund 30% unter dem Vorjahr. Die Exporte sanken um 12,1%, während die Importe leicht zunahmen (+1,9%). Hauptursache war der deutliche Rückgang bei Kraftfahrzeugen und -teilen. Diese Warengruppe bleibt zwar mit einem Saldo von EUR 5,0 Mrd. der wichtigste Überschusstreiber, verzeichnete jedoch ein Minus von 35,5%. Die Exporte gingen deutlich zurück (-28,4%), während die Importe stiegen. Besonders stark sanken die Ausfuhren von Elektroautos. Auch bei Maschinen sowie pharmazeutischen Erzeugnissen und Elektroausrüstungen verringerte sich der Exportüberschuss. Demgegenüber weist Deutschland bei Energieimporten – insbesondere Erdöl und Erdgas – weiterhin ein deutliches Defizit gegenüber den USA auf.
Die durch den Nahost-Konflikt gestiegenen Energiepreise belasten die deutsche Wirtschaft. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft stieg zwar um 0,2 auf 48,6 Punkte, blieb damit aber unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Besonders schwach blieb der Teilindex für die Dienstleister, der aber immerhin einen Anstieg von 46,9 auf 47,8 Punkte auswies. Das Barometer für die Industrie gab von 51,4 auf 49,9 Zähler nach, im Vormonat profitierte die Industrie noch stärker von vorgezogenen Aufträgen zum Lageraufbau.
In den USA sind die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche um 3.000 auf 209.000 zurückgegangen. Der Wert für die Vorwoche liegt revidiert bei 212.000. Das Niveau bleibt damit vergleichsweise niedrig.
Tagesausblick
Zum Ende der Handelswoche wird dem Markt ein bunter Blumenstrauß an Daten präsentiert, angefangen bei der ersten Revision deutscher BIP-Zahlen. Die Stimmungsumfragen und Experteneinschätzungen des ifo-Instituts dürften allerdings das Highlight darstellen. Beim Geschäftsklimaindex und den -erwartungen gehen wir von einer marginalen Verbesserung aus, wobei die derzeitige Geschäftslage aus unserer Sicht sogar noch etwas verhaltener antizipiert werden dürfte. Aufgrund der anhaltenden Verwerfungen in den Lieferketten, sollte dies aber auch nicht überraschen.
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Aktienmärkte
Die europäischen Aktienmärkte drehten gestern im Handelsverlauf in den roten Bereich, nachdem sich die Nachricht verbreitete, Irans oberster Führer Chamenei hätte die Verbringung hochangereicherten Urans ins Auslands untersagt, eine zentrale Forderung der USA. DAX -0,53%; MDAX -0,16%; TecDAX -0,05%.
An der Wall Street setzten sich später aber wieder Hoffnungen auf ein Friedensabkommen mit dem Iran durch, nachdem Außenminister Rubio von guten Anzeichen sprach. Dow Jones +0,55%; S&P500 +0,17%; Nasdaq Comp. +0,09%.
Unternehmen
Steigende Treibstoffkosten und schwächere Buchungen infolge des Iran-Konflikts haben Easyjet in H1 2026 tiefer in die Verlustzone gedrückt. Der Vorsteuerverlust stieg auf GBP 552 Mio. (Vj.: GBP -401 Mio.).Trotz der Unsicherheiten sieht sich das Unternehmen dank solider Liquidität gut aufgestellt und hält am Sommerflugplan fest. Einer schwächeren Nachfrage im östlichen Mittelmeer begegnet Easyjet durch eine teilweise Verlagerung auf Inlands- und Städterouten. Die Auslastung für H2 liegt aktuell bei 58%, wobei kurzfristige Buchungen im lfd. Monat für eine im Jahresvergleich positive Entwicklung sorgen.
Walmart hat trotz solider Quartalszahlen einen schwächeren Ausblick gegeben und damit Zweifel an der Stärke des US-Konsums geweckt. Für das Gesamtjahr prognostiziert der Konzern ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von USD 2,75 bis 2,85 und bleibt damit unter den Erwartungen. Auch der Ausblick für das laufende Quartal verfehlt die Marktschätzungen leicht. In Q1 stieg der Umsatz zwar um 7% auf USD 177,8 Mrd., die Profitabilität blieb jedoch unter den Erwartungen. Belastend wirken vor allem hohe Treibstoffpreise, die zunehmend auf die Konsumbudgets drücken. Während Steuererstattungen den Konsum zuletzt stützten, wird im weiteren Jahresverlauf eine spürbare Abschwächung erwartet.
Rohstoffe
Die Rohölpreise bildeten gestern den Verlauf der Stimmung zwischen Hoffen und Bangen im Iran-Krieg ab. Im europäischen Nachmittagshandel ging es parallel zu den Befürchtungen mit den Preisen nach oben, im späteren US-Handel mit hoffnungsvollerer Stimmung spürbar nach unten.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
