Börse am Morgen: KWS, Salzgitter, Inflation, Konjunkturdaten - Nord/LB
Jetzt ist es amtlich. Die Inflation ist im April auf den höchsten Stand seit zwei Jahren gestiegen. Gestern bestätigte das Stat. Bundesamt eine frühere Schätzung. Dienstleistungen und Waren kosteten im April damit 2,9% mehr als ein Jahr zuvor (März: 2,7%; Februar: 1,9%). Hauptreiber der Teuerung ist die Preisentwicklung am Energiemarkt. Die Kosten des Nahost-Kriegs spürt der dt. Verbraucher immer deutlicher im Portemonnaie. Einer Ifo-Umfrage zufolge planen immer mehr Unternehmen eine Preisanhebung. Die hohen Energiekosten fließen sprichwörtlich aus der Zapfsäule über das Konto des Konsumenten in die Kassen der Ölkonzerne. Aber auch für einzelne Staaten laufen die Profite wie geschmiert. Norwegen erwartet für 2026 bspw. 30% höhere Einnahmen aus dem Gas- und Ölgeschäft (rd. EUR 70 Mrd.).
Die inflationären Auswirkungen des Ölpreisschocks bleiben in diesem Umfeld weiter das spannendste Thema in der Berichterstattung der europ. Notenbänker. Laut Martin Kocher (öster. Notenbankchef) kommt die europ. Zentralbank gar nicht um eine Zinserhöhung herum, sollte sich die Lage nicht wesentlich entspannen. Auch Bundesbankchef Joachim Nagel betonte, dass sich die langfristigen Inflationserwartungen in der Euro-Zone aus der Verankerung zu lösen drohen. In vier Wochen wissen wir mehr. Am 11.06 steht die nächste Entscheidung über den Leitzins an.
In der Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende haben sich die ZEW-Konjunkturerwartungen für die dt. Wirtschaft nach drei Rückgängen in Folge im Mai überraschend aufgehellt (verharren aber immer noch im negativen Terrain). Das Barometer für die Konjunkturerwartungen der kommenden sechs Monate steigt um 7,0 Zähler auf -10,2 Punkte. Zwar liegt der Waffenstillstand zwischen dem Iran und den USA weiter sprichwörtlich auf der Intensivstation, beerdigt ist er aber noch nicht. Die befragten Finanzmarktexperten des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (Investoren und Analysten) gehen offensichtlich von einer reservierten Erholung der dt. Wirtschaft im 2. Halbjahr aus.
Tagesausblick
Am heutigen Tag haben die Daten zur europ. Industrieproduktion das Potenzial, die Märkte zu bewegen. Wir gehen im März jedenfalls von einem relativ kräftigen Rückgang aus, es ist also schon einiges an Pessimismus eingepreist. Außerdem folgen heute Nachmittag die Produzentenpreise aus den USA, welche die Inflation von der Unternehmensseite her darstellen. Diese dürfte zwar ähnlich wie die gestrigen CPIs erhöht sein, aber wohl weniger drastisch ausfallen als noch im März.
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Aktienmärkte
Alles steht und fällt mit der Inflation resp. den Inflationserwartungen. Am Dienstag belastete die weltweiten Börsen nicht nur der weiter steigende Ölpreis, auch der US-Inflationsbericht wog schwer im Magen. Aktienmärkte links- und rechtsseitig des Atlantiks schlossen im Minus.
Am Rentenmarkt ein ähnliches Bild. Auch hier trübe Stimmung, i.e. fallende Kurse bei steigenden Renditen. Die Regierungskrise im Vereinigten Königreich lastet schwer auf britischen Staatsanleihen. Renditen britischer Gilts mit 30-jähriger Laufzeit notieren auf dem höchsten Stand seit 1998.
Unternehmen
KWS (Saatguthersteller aus dem niedersächsischen Einbeck) hat trotz eines schwierigen Marktumfeldes in den ersten neun Monaten 2025/26 mehr verdient. Das EBITDA stieg um gut 7% auf EUR 386,8 Mio. Der Umsatz legte leicht auf EUR 1,35 Mrd. zu (währungs- und portfoliobereinigt um 2,6%). KWS bestätigt seinen Ausblick und erwartet weiter einen bereinigten Umsatz auf Vorjahresniveau sowie eine EBITDA-Marge von 19-21%. Belastend wirken aber ein gedämpftes Agrarumfeld, sinkende Zuckerrübenanbauflächen und ein schwächeres Russland-Geschäft (obwohl die Zuckerrübensparte zuletzt zulegen konnte).
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Der Stahlkonzern Salzgitter ist in Q1 dank hoher Ergebnisbeiträge aus seiner Aurubis-Beteiligung (Kupferproduzent) wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Nach Steuern ergeben sich erfreuliche EUR 81,9?Mio.?(im Vorjahreszeitraum schlug noch ein Verlust von EUR 34,6?Mio.?zu Buche). Maßgeblich für die guten Zahlen waren gestiegene Metallpreise. Dabei repräsentiert der Aurubis-Anteil allein EUR 147?Mio. des Q1-Ergebnisbeitrags. Für das Gesamtjahr 2026 hebt der Vorstand entsprechend seine Prognosen an und rechnet nun mit einem bereinigten EBITDA von EUR 625 bis 725?Mio.?Der Vorsteuergewinn wird nun bei EUR 200 bis 300?Mio.?Euro antizipiert (zuvor EUR 75 bis 175 Mio.).
Devisen und Rohstoffe
Das brit. Pfund stand gestern nicht in der Gunst der Devisenhändler. Investoren präferierten US-Dollar ggü. Sterling.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
