Börse am Morgen: Gea, Hannover Rück, Hochtief, Konjunkturdaten - Nord/LB
Die Beherbergungsbetriebe in Deutschland verzeichneten im März 2026 nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes 33,6 Mio. Übernachtungen (y/y +3,1%). Getrieben wurde der Anstieg vor allem durch inländische Gäste (+3,8% auf 28,3 Mio.), während die Übernachtungen ausländischer Gäste leicht um 0,4% auf 5,2 Mio. zurückgingen. In Q1 summierten sich die Übernachtungen auf 86,7 Mio. (y/y +2,5%), lagen damit aber noch 2,3% unter dem Rekordniveau von 2024. Die Inlandsnachfrage stieg um 2,9% auf 72,0 Mio., die ausländische Nachfrage um 0,8% auf 14,6 Mio.
Rund jedes zwölfte Unternehmen in Deutschland sieht laut IfoUmfrage (April) seinen Fortbestand gefährdet. Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt, die Insolvenzen dürften angesichts geopolitischer Unsicherheiten hoch bleiben. Besonders kritisch ist der Einzelhandel mit einem Rekordwert von 17,4% existenziell bedrohten Unternehmen. Hauptbelastungen sind Konsumzurückhaltung, wachsender Online-Handel und internationale Billiganbieter. Über alle Branchen hinweg drücken vor allem schwache Nachfrage, steigende Kosten und zunehmende Bürokratie. Im Dienstleistungssektor sehen sich 7,6% bedroht, im Gastgewerbe knapp 20%, in Werbung und Marktforschung 14,3%, in der Industrie 7,5% und im Baugewerbe 7,3%.
Tagesausblick
Der Datenkranz vom ZEW wird heute eine relevante Pulsmessung für die deutsche Wirtschaft und jener der Eurozone sein. Die aus dem Konflikt im Iran erwachsenden Lieferkettenengpässe dürften weiterhin die hiesige Konjunktur belasten. Außerdem wird die Verbraucherpreisinflation aus den USA eine hohe geldpolitische Relevanz haben. Wir gehen dabei von einer Preissteigerungsrate von 0,7% m/m aus, was zwar vergleichsweise kräftig ist – schlimmer geht aber immer.
Renten- und Aktienmärkte
Anleihen sowohl in Europa als auch in den USA reagierten gestern mit Kursverlusten auf steigende Inflationserwartungen.
Wieder anziehende Ölpreise hielten gestern nämlich die Inflationssorgen am Lodern und damit auch die europäischen Aktienbörsen im Zaum. Zuvor hatte US-Präsident Trump einen iranischen Vorschlag zur Konfliktbeilegung zurückgewiesen. Die deutschen Standardwerte schafften zum Handelsschluss – nach zuvor schwächerer Entwicklung – trotzdem eine schwarze Null. DAX +0,05%; MDAX +0,86%; TecDAX -0,35%.
Auch an der Wall Street hielten sich die Anleger zurück. Allerdings sorgten insbesondere Halbleiterwerte dafür, dass die wichtigsten US-Indizes leicht im Plus lagen. Dow Jones +0,20%; S&P 500 +0,19%; Nasdaq Comp. +0,10%.
Unternehmen
Hannover Rück spürt sinkende Preise in der Schaden-Rückversicherung: In den Verhandlungen zum 1. April gingen die risikobereinigten Prämien um 3,6% zurück. Dennoch steigerten die Hannoveraner ihr Prämienvolumen um knapp 19% und sehen den Markt weiter als profitabel an. In Q1 sank der Versicherungsumsatz währungsbedingt auf EUR 6,5 Mrd. (Vj.: EUR 7,0 Mrd.) und blieb unter den Analystenschätzungen. Wechselkursbereinigt lag das Plus bei lediglich 0,6%. Für das Gesamtjahr hält der Konzern dennoch ein Umsatzwachstum von rund 5% für erreichbar. Der Nettogewinn stieg um 48% auf EUR 710,6 Mio., gestützt durch eine Normalisierung nach hohen Schäden im Vorjahr. Das Jahresziel von mindestens EUR 2,7 Mrd. wurde bestätigt.
Gea hat in Q1 dank starker Nachfrage Umsatz und Ergebnis gesteigert. Das EBITDA erhöhte sich um 3,9% auf EUR 205,9 Mio., die Marge verbesserte sich auf 16,2% (Vj.: 15,8%). Der Umsatz legte um 1,2% auf EUR 1,27 Mrd. zu. Allerdings fiel der freie Cashflow mit EUR -190 Mio. (Vj.: EUR -48.8 Mio.) schwach aus. Die Jahresprognose wurde bestätigt (organisches Umsatzwachstum von 5-7%, EBITDA-Marge von 16,6-17,2%). Spürbare Auswirkungen des Iran-Konflikts seien bislang nicht erkennbar.
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Hochtief ist mit deutlichen Zuwächsen in das Jahr gestartet. Umsatz, Gewinn und Auftragseingang legten vor allem dank starker Nachfrage nach Rechenzentren und Infrastruktur deutlich zu. Der währungsbereinigte Umsatz stieg in Q1 um 14% auf EUR 9,4 Mrd., der operative Gewinn um 30% auf EUR 217 Mio. Euro. Der Auftragseingang lag bei EUR 15,2 Mrd., der Auftragsbestand erreichte mit EUR 79,3 Mrd. ein Rekordniveau.
Devisen und Rohstoffe
Nachdem die Ölpreise nach der Trump’schen Zurückweisung des „dämlichen Vorschlags“ aus dem Iran zulegte, gab es gestern in der Währungsrelation EUR/USD kaum Bewegung. Der EUR blieb fest.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!

