Börse am Morgen: BASF, DAX, Iran-Krieg, Ölpreis, Baumwolle - Nord/LB
Die Erholung im dt. Wohnungsbau gewinnt an Dynamik. Im Februar stieg die Zahl der Baugenehmigungen um 24,1% zum Vorjahr auf 22.200 Wohnungen. In den ersten beiden Monaten 2026 wurden Genehmigungen für 41.700 Wohnungen erteilt, ein Plus von 16,2% ggü. dem Vorjahreszeitraum. Damit bestätigt sich die Trendwende, nachdem der Wohnungsbau nach drei Rückgangsjahren bereits 2025 wieder Zuwächse verzeichnete. Baugenehmigungen gelten als zentraler Frühindikator für die künftige Bauaktivität. Allerdings könnten der Iran-Krieg mit steigenden Energie- und Rohstoffpreisen sowie mögliche Zinsanstiege die Baukosten erneut erhöhen und das Geschäftsklima belasten.
Wochenausblick
Während die letzte Woche eher von Terminen „Offizieller“ geprägt war, dürfen wir uns nun wieder auf diverse Indikatoren zur Stimmung und weitere Konjunkturdaten freuen. Die Sentimentindikatoren sind derzeit stark in Bewegung und ändern sich fast täglich. Aus diesem Grund können wir einen bunten Blumenstrauß an Perspektiven für die Zukunft erwarten. Die Einzelhandelsumsätze aus den USA werden außerdem Hinweise darauf geben, welche Folgen oder gar Chancen aus dem Iran-Konflikt für den Binnenkonsum erwuchsen.
Aktien- und Rentenmärkte
Die Meldung über eine temporäre Öffnung der Straße von Hormus am Freitag Nachmittag haben den Börsen das Wochenende leider nur kurz versüßt. Die Öffnung hielt keine 24h. Der DAX nahm zwar nach der Meldung die 25.000er-Marke wieder klar ins Visier (allein am Freitag kamen rd. 550 Punkte (auf rd. 24.702) hinzu), die Börsen in Asien spiegeln heute morgen aber vorsichtige Zurückhaltung. Ob sich an den Rentenmärkten die Feierlaune vom Freitag heute zurück in Molltöne übersetzt, erscheint durchaus wahrscheinlich, denn das energieinduzierte Inflationsgespenst ist wohl immer noch nicht vertrieben (jedenfalls solange das Nadelör Hormus blockiert bleibt). Alles steht und fällt mit einer neuen Kennzahl: die Anzahl der tägl. Schiffpassagen in Hormus.
Unternehmen
BASF investiert EUR 40?Mio.? in die Modernisierung und Erweiterung seiner Saatgutaufbereitung im niederl. Nunhem, Damit reagiert der Ludwigshafener Konzern auf die weltweit steigende Nachfrage nach Gemüsesaatgut. In der holländ. Anlage werden rund 1.200 Saatgutsorten für 20 Kulturen verarbeitet, die gezielt auf Trockenheit, Hitze, Krankheitsdruck und Arbeitskräftemangel ausgelegt sind. Der Baubeginn ist für Q2/2026 vorgesehen, die Fertigstellung bis Ende 2028, wobei die Fläche um rund 6.000 qm wächst (von derzeit 20.000 qm). Künftig sollen die Anlagen energieeffizienter und vollständig mit erneuerbarem Strom betrieben werden, wodurch die Emissionen deutlich sinken werden.
Die Nahrungsmittelsparte von Dr. Oetker kann im Jahr 2025 ihren Umsatz (erneut) auf EUR 4,3?Mrd. steigern. Währungsbereinigt entspricht dies einem Plus von 3% ggü. dem Vorjahr, wobei rd. zwei Drittel im Ausland erzielt wurden. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen spricht das Familienunternehmen von einem „stabilen Ergebnis, ohne konkrete Gewinnzahlen zu nennen. Treiber waren ein abgeschlossenes Wachstums- und Effizienzprogramm sowie ein neues Strategieprogramm zur Erschließung langfristiger globaler Wachstumspotenziale. Die Sparte investierte rd. EUR 174?Mio., vor allem in internationale Pizzakapazitäten sowie bei Coppenrath &?Wiese in nachhaltige Energie, Modernisierung und Automatisierung. Die Zahl der Beschäftigten wuchs leicht auf knapp 16.800, während sich das Unternehmen aus Bielefeld mit Blick auf 2026 angesichts geopolitischer Unsicherheiten und eines herausfordernden Umfelds zurückhaltend zeigt und den Fokus auf stabile Lieferketten legt.
Rohstoffe
Freie Fahrt voraus, denkste! Mit der Ankündigung des Irans die Straße von Hormus für die kommerzielle Schifffahrt wieder zu öffnen, sackte der Ölpreis zum Ende der letzten Woche zweistellig. Für Brent übersetzte sich dies in einem Rutsch auf USD 86,63 pro Fass. Heute morgen die Retourkutsche. Es geht wieder in Richtung USD 100 pro Barrel.
Der Preis für Baumwolle stieg in den letzten Wochen aufgrund hoher Rohölpreise und Dürresorgen in den USA auf den höchsten Stand seit Mai 2024. Der Juli-Terminkontrakt verteuerte sich bspw. auf 78,04 US-Cent je Pfund. Was ist die Ursache? Teureres Öl macht Polyester als Baumwollalternative kostspieliger, während in wichtigen US-Anbaugebieten erhebliche Ernteausfälle drohen. Trotz stabiler bis leicht höherer Anbauflächen könnten aufgrund extremer Trockenheit von Texas bis North Carolina Flächen in relevantem Umfang aufgegeben werden.
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