LEEF: Ein völlig unterschätzter Wachstumsmarkt
LEEF liefert nachhaltige Einwegprodukte für die Gastronomie aber auch für den Endverbraucher. Was einmal mit Palmblättern anfing, umfasst heute ein Sortiment von 800 Produkten. Im ausführlichen Exklusivinterview mit unserer Redaktion erläutert Geschäftsführer Jens Christoph die Strategie und die Ambitionen der Potsdamer Gesellschaft. Dabei geht es nicht nur um die Vertriebsstrategie und den internationalen Kundenstamm. Eine EU-Verpackungsordnung sorgt für klare Impulse bei LEEF und die Auszeichnung mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 macht die Verantwortlichen hörbar stolz.
Dabei ist Christoph von dem, was LEEF tut, sehr überzeugt: „Wir denken groß und haben die richtigen Skills in unserem Team dafür.“ Letztlich will er 2030 „ Marktführer bei Umsatz und Volumen für nachhaltigen Gastronomiebedarf in Europa sein“.
Um das weitere Wachstum zu beschleunigen, begibt LEEF derzeit eine Anleihe. Diese hat ein Volumen von bis zu 10 Millionen Euro und wird jährlich mit 7,25 Prozent verzinst. Die Zinsen werden halbjährlich gezahlt, die Laufzeit beträgt fünf Jahre.
4investors.de: Leef Blattwerk dürfte vielen Investoren noch recht unbekannt sein. Was machen Sie?
Christoph: Wir sind Vollsortimenter für alle Produkte, die in der Gastronomie, im Catering und bei Veranstaltungen benötigt werden, wenn nachhaltige Einwegprodukte gefragt sind. Das sind Teller, Bowls, Becher, Bestecke, Servietten für den lokalen Bedarf, aber auch Verpackungen für Takeaway und Lieferdienste und vieles mehr – das was jeder kennt, aber in ökologisch, klimagerecht und umweltfreundlich. Die Leef Blattwerk GmbH ist mit ihren Marken LEEF und wisefood ein One-Stop-Shop mit rund 800 nachhaltigen Produkten. Was LEEF auszeichnet, ist zum einen das vollständige Sortiment, zum anderen die Tatsache, dass stets die ökologisch unbedenklichsten Produkte angeboten werden. Von exklusiven Produkten bis zum Massensortiment bietet LEEF die gesamte Palette an, sofern sie unseren Nachhaltigkeitsaspekten genügt. Die ESG-Aspekte sind Teil der Unternehmens-DNA. Der Fokus liegt auf Materialien, die entweder kompostierbar oder essbar sind.
4investors.de: Früher waren Sie nur auf Palmblätter fokussiert. Inzwischen setzen Sie auch auf viele weitere Materialien. Welche sind das?
Christoph: Ja, richtig. Bis 2024 war LEEF lediglich bekannt als der Spezialist für Produkte aus Palmblatt. Palmblatt ist übrigens das einzige nativ klimaneutrale Material – es wächst, bindet dabei CO2 und wird genau in dieser Form verarbeitet. Jedes andere Material muss erst einmal kreiert werden. Werden Palmblattprodukte kompostiert, ist das Material sogar CO2-positiv, weil das beim Wachstum gebundene CO2 im Kompost, also im Boden gebunden bleibt. LEEF verfügt aus dieser Ära auch über verschiedene Patente und Gebrauchsmuster für die Eigenentwicklungen. Jedoch war die Mindestabnahmemenge seinerzeit ein Schiffscontainer und die Kundengruppe daher begrenzt. So genial und vielfältig nutzbar dieses Material auch ist, es ist für viele Anwendungen leider nicht geeignet. Deswegen hat LEEF Ende 2024 die wisefood GmbH übernommen, um einerseits das erforderliche Sortiment auszubauen, und andererseits auch die Direktbelieferung mit kleineren Einheiten über E-Commerce zu ermöglichen. Heute liefert das Unternehmen das Päckchen nach München und den 40-Fuß-Container nach Chile. Die Produkte sind aus Palmblatt, Papier, Bagasse (also Zuckerrohr), Holz oder sie sind sogar essbar. Mehrweg befindet sich auch bereits im Sortiment, zum Beispiel Edelstahl-Boxen oder Glas-Strohhalme.
4investors.de: Ihr Portfolio umfasst derzeit mehr als 800 Produkte. Ist diese Transformation inzwischen abgeschlossen? Oder soll ihr Portfolio weiter wachsen?
Christoph: Als die wisefood übernommen wurde, hatten wir noch weit über 1000 Produkte zusätzlich übernommen, aber etliche davon entsprachen nicht unseren Anforderungen hinsichtlich der Nachhaltigkeit. Das Portfolio ist also eher geschrumpft. Das Portfolio unterliegt einem permanenten Life-Cycle-Management, es atmet sozusagen auch in der Anzahl der angebotenen Produkte. Dazu kommt, dass wir scouten, das heißt, wir suchen international nach innovativen Lösungen und Neuigkeiten. So haben wir zum Beispiel die Strohhalme aus Reismehl ins Sortiment aufgenommen, weil sie beständig halten und völlig geschmacksneutral sind, außerdem sorgen sie für ein gutes Mundgefühl. Aber wir scouten nicht nur, wir testen auch auf Herz und Nieren, bevor wir neue Produkte in den Markt geben. Der Markt befindet sich in einem Umbruch weg vom Plastik hin zu alternativen Materialien – und hier ist viel Bewegung zu verzeichnen. Was ein wenig neu ist, ist die eingeschränkte Verwendbarkeit bestimmter Materialien hinsichtlich Wasserfestigkeit, Fettbeständigkeit, Temperaturen, Schnittfestigkeit und dichter Schließung. Produkte werden spezifischer in der Anwendung und neue Materialien haben wieder neue Herausforderungen. Ob der Bedarf tendenziell mit 600 oder 1200 Produkten abgedeckt werden kann, wird von den Neuentwicklungen maßgeblich beeinflusst.
4investors.de: Wie viele Kunden haben Sie? Wo ist die Zielmarke für 2027?
Christoph: Oh, wir haben viele Tausend Kunden, aber die Relevanz der reinen Anzahl ist in dem Geschäftsmodell von LEEF nicht sehr groß. Ein Privatkunde kann bei uns für 10 Euro bei amazon einkaufen oder ein Geschäftskunden kann eine zweistellige Zahl von 40-Fuß-Schiffscontainern im Jahr abnehmen und erhebliche sechsstellige Umsätze realisieren – und in dieser Bandbreite befinden sich auch unsere Kunden in der Praxis. Beide Extreme sind aber nicht das relevante Wachstumsfeld. Das höchste Wachstum ist im Business-to-Business bei Kunden mit moderaten Mengen im Paletten-Umfang zu erwarten und genau dieses Segment bauen wir gerade auf. Wenn wir in diesem mittleren Segment eine ordentliche dreistellige Kundenzahl bis 2027 aufgebaut haben, dann sind wir sehr zufrieden. Die Stärke von LEEF ist es, dass alle unsere Vertriebskanäle durchlässig sind und wir je nach Bedarf die erforderlichen Mengen anbieten und liefern.
4investors.de: Bei ihrer Marke wisefood gab es eine Reihe prominenter Investoren, von Delivery Hero, über den früheren Telegate-CEO Andreas Albath bis hin zu Trivago-Gründer Rolf Schrömgens. In wieweit sind diese auch heute noch mit an Bord?
Christoph: Wir haben die wisefood komplett aus dem ehemaligen Gesellschafterkreis herausgekauft, zu 100 Prozent. Das war erforderlich, um eine saubere Share-Struktur aufrechterhalten zu können. Die Beteiligungen bei LEEF finden auf Ebene der Holding statt und alle Gesellschaften darunter sind 100prozentige Töchter. Wir legen Wert auf eine kristallklare Struktur ohne undurchsichtige Verzweigungen. Hygiene in der Eigenkapitalstruktur, wenn Sie so wollen. Das Angebot, in die Holdingstruktur zu wechseln, hatten wir zum Zeitpunkt der Transaktion den Eigentümern der wisefood nicht unterbreitet. Nach dem Kauf haben wir zwei 100prozentige Töchter verschmolzen. Alles andere hätte die Transaktion unnötig komplex gemacht und vor allem verzögert. Der Markt ist bereit, wächst stark, und jede Verzögerung geht zulasten von Marktanteilen, daher war es aus strategischer Sicht besser, einen klaren und dafür sehr zügigen Schnitt zu machen. Wir sind stets offen für weitere Gesellschafter, aber die Vermengung mit der M&A-Transaktion war nicht opportun für LEEF.
4investors.de: Wie international ist das Geschäft von LEEF aufgestellt?
Christoph: Wir haben die Infrastruktur und das Knowhow, global zu liefern und tun das auch. Unsere Kunden befinden sich im Wesentlichen in Lateinamerika und in Europa, unserem Heimatmarkt. Grundsätzlich hängen die Lieferräume mit unserem Fokus zusammen und LEEF bündelt seine Ressourcen aktuell in Europa.
Bei den internationalen Dimensionen müssen wir stets schauen, dass es wirtschaftlich bleibt. Das heißt, dass der Paket- und Paletten-Versand in Europa wirtschaftlich gut abbildbar ist aus europäischen Lagerstätten. Läger außerhalb von Europa sind erst einmal nicht geplant. Der Geschäftszweig, der mit Schiffscontainern beliefert wird, kennt keine nationalen Grenzen. Die Belieferung mittels Containern beschränkt sich aber schon wegen den entsprechenden Mindestabnahmequote auf größere Distributoren oder sehr starke Einzelkunden. In diesem Segment sind wir stark mit White Label Produkten vertreten.
4investors.de: Setzen Sie beim Vertrieb ihrer Produkte eher auf die B2B- oder die B2C-Komponente?
Christoph: Im digitalen Kontext ergibt die Splittung heutzutage nur noch wenig Sinn, zumal in beiden Welten die jeweils andere nicht sauber abgrenzbar ist. Die größten Wachstumspotenziale liegen jedoch im B2B-Segment und da ist auch unser Fokus.
4investors.de: In welcher Form können von der neuen EU-Verpackungsordnung Impulse für das Geschäft von LEEF ausgehen?
Christoph: Lassen Sie es mich so ausdrücken: Gäbe es die PPWR nicht schon, also die Verpackungsverordnung, wir müssten sie erfinden. Der regulatorische Rahmen wird zunehmend enger und wir profitieren davon. Die Kunden werden zunehmend offener für neue, nachhaltige Produkte und stellen fest, dass diese den herkömmlichen Produkten oft haushoch überlegen sind. So ist Palmblatt zum Beispiel stark isolierend, schnittfest, stabil, wasserresistent, in Grenzen sogar mikrowellen- und ofenfest. Essbare Kaffeebecher sind mehr als ein Gimmick, denn sie schmecken wirklich gut und rechtfertigen so auch einen höheren Preis. Zudem sind mittlerweile ökologisch wertvolle Produkte stylisch. Nachhaltige Einwegprodukte können also auch ästhetisch überzeugen. Wer das einmal versucht hat, will keine billigen Plastikgefäße mehr oder wabbelige Teller. Ökologisch nachhaltig und klimafreundlich produziert ist als Merkmal schon lange aus der Nische herausgetreten.
Hinsichtlich der Verpackungsrichtlinie machen wir es der Kundschaft sehr einfach. Ein eigentlich komplexes Thema lösen wir für unsere Kunden ganz einfach auf: Kauft bei uns ein und ihr seid auf der sicheren Seite. Keine Diskussionen, keine Recherche, keep it simple, smile & feel good.
4investors.de: Sie begeben aktuell eine weitere Anleihe. Wie soll das eingeworbene Geld eingesetzt werden?
Christoph: Das ist eine explizite Wachstumsfinanzierung, die unser Wachstum noch einmal deutlich beschleunigt. Die Wachstumsgeschwindigkeit ist im Wesentlichen liquiditätsabhängig. Wir brauchen wegen der langen Leadtimes vergleichsweise viel Liquidität für die Warenvorfinanzierungen, bauen dabei aber weiter unsere technische Infrastruktur aus und erweitern die Teams. Da die Umsatzerlöse immer erst mit einer gewissen Verzögerung hinterherlaufen, ist die Liquidität unsere Achillesferse. Wir sind aber in der Skalierung frei, je besser die neue Anleihe performt, desto schneller wird sich LEEF entwickeln können.
4investors.de: Für wen ist ihre Anleihe geeignet, wen wollen Sie bei der Emission besonders ansprechen?
Christoph: Die Anleihe ist für jeden geeignet, dem die Zukunft am Herzen liegt. LEEF spielt in so viele Nachhaltigkeitsziele der UN hinein, dass unsere Präsentationen schon voller bunter Punkte sind. Wir zielen bewusst nicht auf institutionelle Anleger, weil wir keine ausreichend lange Historie haben, um die üblichen KPI und Anforderungen zu matchen. Dafür bieten wir etwas, was viel seltener ist: ein umfassend impactorientiertes Geschäftsmodell in einem völlig unterschätzten Wachstumsmarkt. Wir gehen mit gesundem Pragmatismus vor, denn klar ist: Ohne eine gewisse Größe fehlt einem die Durchschlagskraft und dann bleibt auch der Impact überschaubar. Wir denken groß und haben die richtigen Skills in unserem Team dafür. In der Vita unserer Kolleginnen und Kollegen finden sich viele namhafte Unternehmen, erfolgreiche Startups, Scaleups und Konzerne. Allen mitarbeitenden Personen gemein ist, dass sie ihre herkömmlichen Karrieren aufgegeben haben, um gestalten zu können. Und diese Gestaltungsmacht ist essenziell, um schnell, agil und lösungsorientiert zu handeln. Das ist wichtig in einem Markt, der gerade im Umbruch ist.
Wer also Wert auf eine lebenswerte Zukunft legt, der hat mit der neuen Anleihe von LEEF eine starke ESG-fokussierte Beimischung in seinem Portfolio. Und das mit einer Company, die gerade erst mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 ausgezeichnet wurde.
4investors.de: Sie gehen bei der Zeichnung der Anleihe einen etwas ungewöhnlichen Weg, indem das Zeichnungstool auf ihrer Webseite zu finden ist. Wieso?
Christoph: Das ist der pure Pragmatismus. Wir möchten es unseren Anlegern so einfach wie möglich machen. Die Integration der digitalen Zeichnungsstrecke auf unserer Webseite ist maximal komfortabel und wird über unseren Dienstleister umfassend technisch betreut. So können unsere Anleger unter https://leef.bio/anleihe alles digital ausfüllen und bekommen wenig später die Stücke in ihr Depot übertragen. Maximale Effizienz ist in unserem Geschäftsmodell essenziell und das spiegelt sich auch in diesen Aspekten. So einfach und schnell, wie unsere Kunden ihren Bedarf bei uns zu decken vermögen, so einfach und schnell möchten wir es auch unseren Anlegern machen.
4investors.de: Welche Prognose gibt es für 2026?
Christoph: 2026 werden wir in den bestehenden digitalen Vertriebswegen weiterwachsen und unsere Europastrategie weiter vorantreiben. Die europäischen Märkte werden nach Frankreich, Italien und Spanien sukzessive weiter auf- und ausgebaut und die Zahl der dort angebotenen Produkte wird – jeweils national optimiert – nach und nach erhöht. Die Wachstumsstrategie verläuft über sich gegenseitig verstärkende Dimensionen: Die Optimierung des digitalen Angebots vorhandener Produkte, die parallele Europaerweiterung und der Ausbau neuer Plattformen sind drei Dimensionen, die sich potenzieren. Last but not least wird es auch neue Produkte im Zuge des Life-Cycle-Managements geben. Am Ende sollte in 2026 ein sehr ordentliches dreistelliges prozentuales Wachstum stehen. Aktuell denken wir noch in Faktoren.
4investors.de: Und wo wollen Sie bis 2030 stehen?
Christoph: 2030 wollen wir der Marktführer bei Umsatz und Volumen für nachhaltigen Gastronomiebedarf in Europa sein und starken Einfluss auf die verwendeten Produkte haben. Wir haben starken Gestaltungswillen und dieser wächst parallel mit zunehmender Marktmacht. Was die herkömmlichen Plastiklieferanten durch Ignoranz und Blockade nachhaltiger Lösungen verhindert haben, werden wir umgekehrt haben. Der Weg zeichnet sich jetzt bereits ab, unterstützt durch Regulierung und Kundenwünsche. Die Company LEEF gehört auf den Fahrersitz dieser Entwicklung und genau dort werden wir sein.
4investors.de: Wer ihre Teller erwirbt, schützt gleichzeitig auch ein Stück Regenwald – und zwar im wahrsten Sinne...
Christoph: Ja, und dieser Sinn ist tiefgründig. Einschränkend muss ich aber sagen, dass das ein Veranstaltungskonzept ist und damit nicht alle Produkte erfasst werden. Werden Veranstaltungen so aufgebaut, dass die Foodies nachhaltige Palmblattprodukte nutzen, schützen wir über den World Land Trust je verkauftem Teller oder verkaufter Bowl tatsächlich einen Quadratmeter Regenwald, aktuell sind es wohl um die 100 Hektar, aber nageln sie mich nicht auf genaue Zahlen fest. Letztlich schließt sich hier ein Kreislauf – denn die Produkte stammen von Palmen aus regenwaldartigen Regionen und am Ende fließt ein Stück Ertrag wieder in den Erhalt des globalen Regenwaldes zurück. Das Konzept heißt „LEEF unlimited“. Wir sind stolz darauf, aber man muss sich da ehrlich machen: Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Den Regenwald zu schützen, muss endlich eine Menschheitsaufgabe werden und braucht internationale, politische und finanzielle Rückenstärkung. Aber wir zeigen mit Nachdruck auf dieses Problem und helfen mit unserem Beitrag. Den größeren Impact hat aber unser Geschäftsmodell als Ganzes – und über unsere Anleihe kann jeder mit dabei sein.
