US-Inflation: Der PCE-Deflator stieg bereits vor dem Irankonflikt - Nord/LB
Die heutigen Inflationsdaten für den Februar signalisieren einen Preisanstieg, welcher bereits vor dem Irankonflikt einsetzte. Das Niveau ist mit 0,4% M/M zwar leicht erhöht, dürfte aber – insbesondere im Kontext der im März zu erwartenden deutlicher ansteigenden Veränderungsrate – noch als unproblematisch angesehen werden. Auch die Kernrate wuchs um 0,4% gegenüber dem Januar und liegt somit etwas oberhalb unserer Erwartungen.
Für fast alle betrachteten Komponenten wurde im Februar mehr Geld ausgegeben, außer in den Clustern „Freizeitaktivitäten“ und „Lebensmittel“. Augenfällig ist dabei, dass vor allem die absoluten Ausgaben in Bezug auf Automobile und Gesundheit drastisch angestiegen sind. Hier machen sich allerdings Basiseffekte bemerkbar, was auch in einer Revision bei den Ausgaben bemerkbar macht. Diese wurden von 0,4 auf 0,3% M/M herunterrevidiert. Die persönlichen Ausgaben wuchsen in Summe um 0,5% M/M, während die persönlichen Einkommen sogar um 0,1% M/M schrumpften. Technisch lässt sich die doch deutlich nachlassende Einkommenssituation aus einem Rückgang an Dividenden sowie Transferleistungen im Februar erklären. Den Haushalten blieben unter dem Strich somit deutlich weniger finanzielle Spielräume zur Verfügung.
Der noch zu veröffentlichende Monat März dürfte für viele Haushalte zu einer finanziellen Belastungsprobe geführt haben, wie erste Daten bereits nahelegen. Besonders die Energiepreise werden von dem Konflikt im Mittleren Osten betroffen sein; die Gallone Benzin kostete an der Tankstelle zwischenzeitlich vier USD, was für dortige Verhältnisse durchaus teuer ist. Wie die Preisüberwälzungsspielräume von den Unternehmen genutzt wurden, wird man in den kommenden Veröffentlichungen aber noch sehen. Die derzeitige Waffenruhe im Irankonflikt dürfte jedenfalls für vorsichtigen Optimismus sorgen, nicht zuletzt auch bei den Haushalten.
Die Feuerpause rund um die Straße von Hormus wurde gestern sodann freudig aufgenommen. Die Futures für die Ölsorte Brent sind bspw. deutlich unter die aktuell psychologisch sehr relevante Marke von 100 USD je Barrel gefallen und die Aktienindizes sind zum Teil deutlich gestiegen. Mittlerweile ist wieder etwas Ernüchterung eingetreten, allerdings präsentiert sich der Markt in Summe noch immer freundlich. Die nun nur noch knapp zwei Wochen dauernde Pause wird sicherlich für intensive Gespräche und Vermittlungsversuche genutzt. Der relative Frieden ist aber weiterhin fragil.
Fazit: Der heute veröffentlichte PCE-Deflator signalisiert für den Februar mit 0,4% M/M einen moderaten Preisanstieg für die US-Verbraucher. Die Kernrate überrascht dabei etwas mit der gleichen Wachstumsrate. Die finanziellen Spielräume sind aufgrund von Sondereffekten eingegrenzt gewesen, dies muss aber nicht zwangsläufig so bleiben. Vor allem der März, welcher erst noch veröffentlicht wird, dürfte spannend werden, nicht nur für die Geldpolitiker in Washington. Der Konflikt im Mittleren Osten dürfte die Lebenshaltungskosten in den USA ansteigen lassen, auch wenn dies nicht unbedingt im gleichen Maße geschehen muss, wie in jenen Ländern, welche stärker von Ölimporten abhängen. Die derzeitige Waffenruhe stimmt die Marktteilnehmer jedoch optimistischer.
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