Börse am Morgen: Öl- und Gas-Krise, Iran-Krieg, Konjunkturdaten, Fed - Nord/LB Marktbericht
Die Stimmung in der dt. Chemieindustrie hat sich im März deutlich eingetrübt, besonders belastet durch steigende Energiepreise und drohende Lieferengpässe infolge des Iran-Kriegs. Das Ifo-Geschäftsklima fiel auf minus 25,0 Punkte nach minus 16,7 im Februar. Auch die aktuelle Lage und die Erwartungen verschlechterten sich spürbar. Die Branche litt bereits zuvor unter starkem Auftragsmangel, der sich im März weiter verschärfte. Hinzu kommen massiv gestiegene Kosten für Rohöl, Rohstoffe und Energie, weshalb die Unternehmen höhere Preise planen. Auch die Beschäftigungserwartungen brachen auf ein historisches Tief ein, da den Firmen kaum andere Handlungsspielräume als Stellenabbau bleiben. Der Verband der Chemischen Industrie warnt zudem vor zunehmenden Lieferengpässen bei wichtigen Vorprodukten wie Cyclohexan, Glycol, Melamin und Methanol. (notwendig für die Herstellung von bspw. Nylon, Klebstoffen oder Lösungsmitteln). Die Eskalation im Nahen Osten droht damit die erhoffte wirtschaftliche Erholung abrupt auszubremsen und schürt neue Inflationssorgen. Die letzten respektlosen Äußerungen Donald Trumps („Iraner sind Tiere“) sowie die heute ablaufende „endgültige“ neue Frist für ein Friedensabkommen konterkarieren derzeit die Hoffnung auf ein ersehntes Kriegsende.
Wochenausblick
Die etwas verkürzte Handelswoche beginnt am heutigen Dienstag fulminant. Den Auftakt machen wieder diverse Stimmungsindikatoren für Deutschland und die Eurozone. Die Einzelhandelsumsätze für die Länder der europäischen Währungsunion werden Aufschluss darüber geben, wie sich die Konjunktur im Februar entwickelte – der Irankonflikt spielt dabei noch keine größere Rolle. Am Donnerstag und Freitag werden Inflationsdaten aus den USA gemeldet, welche wichtige Impulse für die Geldpolitik bereithalten. An der Zinsschraube wird vor dem Wechsel an der Fed-Spitze allerdings voraussichtlich nicht mehr gedreht, was allerdings schon vor dem Irankonflikt und dem gesteigerten Inflationsdruck abzusehen war.
Renten- und Aktienmärkte
Über die Osterfeiertage war genügend Zeit um einen Rückblick auf die Kapitalmärkte in Q1/2026 zu werfen. Um es kurz zu fassen: das erste Quartal verlief schwach für die Vermögensrenditen, aber erst, nachdem der Iran-Konflikt die Märkte dominierte. Denn das Jahr 2026 hatte mit positiven Konjunkturdaten stark begonnen: Der S&P?500 erreichte am 27. Januar ein Rekordhoch, der STOXX?600 folgte am 27. Februar. Mit Beginn der Angriffe am 28. Februar schossen dann jedoch die Ölpreise nach oben, Brent legte im Quartal um 94% zu – der stärkste Anstieg seit dem Golfkrieg 1990. Dies löste einen breiten Ausverkauf aus, wobei der S&P?500 im März den größten Monatsverlust seit einem Jahr verzeichnete. Gleichzeitig stiegen die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen so stark wie seit Dezember 2024 nicht mehr. Besonders unter Druck gerieten der Software-Sektor mit dem stärksten Quartalsminus seit 2008 sowie Gold mit dem größten Monatsverlust seit Oktober 2008. Neues Quartal, neues Glück.
Gestern zogen die Kurse an der Wall Street leicht an. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Asiatische Börsen handeln heute morgen uneinheitlich. DAX -0,56%; MDAX -0,99%; TecDAX -0,47%; Dow Jones +0,35%; S&P 500 +0,44%; Nasdaq Comp. +0,54%.
Rohstoffe
Der Iran-Krieg geht in den zweiten Monat und die Auswirkungen potenzieren sich weiter. Der von der Internationale Energieagentur (IEA) gezogene Vergleich trifft die Lage präzise: „Zwei Öl- und eine Gaskrise in einem!“ Während die Einbußen bei der Öl-Versorgung in den Krisenjahren 1973 und 1979 rund 5 Mio. Barrel pro Tag betrugen, schätzte die IEA die Ausfälle im März bereits auf ca. 11 Mio. Barrel (täglich). Die von der IEA koordinierte Freigabe von 400 Mio. Barrel Rohöl aus strategischen Reserven verdeutlichte das Dilemma. Zwar handelte es sich um eine Rekordmenge, die erhofften Preiseffekte blieben bisher jedoch begrenzt. Am Sonntag tagte die OPEC+ und hat eine Erhöhung der Förderquoten beschlossen. Ob das hilft? Es ist wohl eher ein Papiertiger, da wichtige OPEC-Mitglieder ihre Förderung aufgrund der Hormus-Blockade sowieso nicht werden steigern können. Öl der Nordseesorte Brent handelt heute morgen nach den Osterfeiertagen bei über USD 130 pro Fass. Ein ähnlich angespanntes Bild spiegelt auch der Gasmarkt. TTF Gas kostet derzeit EUR 50,085 pro MWh und die Gasspeicher in Deutschland sind derzeit nur noch zu rd. 22,5% gefüllt (Stand: 06.04.26). Zur Erinnerung: Infolge des Ukrainekriegs musste allein Europa ca. 75 Mrd. cbm Gas ersetzen.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Nord LB. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
