USA: Die Einzelhandelsumsätze und das Damoklesschwert - Nord/LB
Im Berichtsmonat Februar hat sich bei den Zahlen zur Entwicklung der US-Einzelhandelsumsätze nach noch vorläufigen Angaben ein Zuwachs von immerhin 0,6% M/M gezeigt. Diese grundsätzlich erfreuliche Nachricht stellt allerdings keine übermäßig positive Überraschung dar. In der Tat scheinen viele interessierte Beobachter mit einem relativ kräftigen Anstieg gerechnet zu haben.
Der Blick auf die Details offenbart zunächst einen stützenden Effekt der Absatzzahlen von Kraftfahrzeugen. Im Segment „Automobile“ ergab sich folglich ein Zuwachs um 1,2% M/M. Daten aus Branchenkreisen hatten relativ früh auf eine entsprechende Entwicklung hingedeutet. Unter Ausklammerung des Segments Automobile zeigte sich am aktuellen Rand folglich ein Anstieg um „nur“ 0,5% M/M.
Mit Blick auf die Tankstellen sind die Umsätze um 0,9% M/M gestiegen. Der höhere Benzinpreis spielt an dieser Stelle natürlich eine zentrale Rolle. Die aktuellen Zahlen zur Entwicklung der Konsumentenpreise in den USA hatten bereits für den Februar einen gewissen saisonbereinigten Zuwachs der Kraftstoffpreise signalisiert. Diese Tendenz dürfte sich im März nun noch weiter verstetigen. Rein mechanistisch betrachtet erhöht dieses Faktum per se zunächst das Volumen der Einzelhandelsumsätze. Allerdings haben höhere Benzinpreise grundsätzlich natürlich einen dämpfenden Effekt auf die Nachfrage; diese Belastungen müssen allerdings nicht sofort auftreten. Zudem kann die Lohnentwicklung in einem durch höhere Inflationsraten gekennzeichneten Umfeld helfen, den Konsum der privaten Haushalte zu stabilisieren. So konnten die durchschnittlichen Stundenlöhne im Februar immerhin um 0,4% M/M zulegen.
Bei den zwei eng mit dem US-Immobilienmarkt verbundenen Untergruppen Baumaterial und Möbel zeigten sich am aktuellen Rand wieder gegenläufige Entwicklungen. Der Umsatzrückgang bei letzterer Komponente präsentierte sich im Februar sogar recht ausgeprägt. Gemeldet wurde hier eine Veränderungsrate von lediglich -1,0% M/M.
Die für die BIP-Erhebung zentrale Kontrollgruppe der US-Einzelhandelsumsätze konnte im Februar immerhin um 0,5% M/M anziehen. Der Konsum der privaten Haushalte darf daher wohl eine tragende Säule für die Ökonomie Nordamerikas angesehen werden. Die Entwicklung der Energiepreise schwebt aktuell aber auch in den Vereinigten Staaten wie eine Art Damoklesschwert über der persönlichen Finanzsituation vieler Verbraucher.
Fazit: Die US-Einzelhandelsumsätze konnten sich im Februar freundlich präsentieren. Die Zeitreihe legte um immerhin 0,6% M/M zu, was mehr oder weniger im Rahmen der Erwartungen der meisten Marktteilnehmer liegen dürfte. Die Absatzzahlen in den Autohäusern konnten an dieser Stelle unter anderem helfen. Auch diese Nachricht stellt allerdings keine größere Überraschung dar. Der US-Konsument ist somit noch eine tragende Säule für die nordamerikanische Wirtschaft. Die Entwicklung der Energiepreise schwebt aktuell aber auch in den Vereinigten Staaten wie eine Art Damoklesschwert über der persönlichen Finanzsituation vieler Verbraucher.
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