Börse am Morgen: BASF, Südzucker, EZB, Ölpreise, Iran-Krieg - Nord/LB Marktbericht
Das Geschäftsklima in der Euro-Zone hat sich im Zuge des Irankriegs verschlechtert. Das Barometer sank im März auf 96,6 Punkte, nach revidiert 98,2 Zählern im Februar, wie aus Daten der EU-Kommission hervorgeht. Volkswirte hatten mit einem Wert von 96,8 gerechnet. Mehr Skepsis gab es v.a. bei Konsumentinnen und Konsumenten sowie im Einzelhandel.
Die stark gestiegenen Ölpreise infolge des Iran-Kriegs schlagen auf die deutsche Inflation durch. Waren und Dienstleistungen kosteten im März durchschnittlich 2,7% mehr als ein Jahr zuvor, nachdem die Teuerungsrate im Februar noch auf 1,9% gesunken war. Das ist der höchste Wert seit Anfang 2024. Experten hatten mit einem Anstieg in dieser Höhe gerechnet.
Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hat seine Warnung vor Lieferengpässen wegen des Irankriegs verschärft. Besonders angespannt sei die Lage bei Cyclohexan, Glycol, Melamin und Methanol, teilte der Verband mit. Diese Stoffe werden u.a. für die Herstellung von Nylon, Klebstoffen und als Lösungsmittel benötigt.
Tagesausblick
Mit den vorläufigen März-Inflationsdaten rückt der Euroraum heute datenseitig in den Fokus. Denn sollten die Zahlen zum Preisauftrieb im März über die ohnehin erwarteten ersten Effekte des Energiepreisschocks hinaus noch eine unangenehme Überraschung bereit halten, dürften die immer stärker eingepreisten Erwartungen an die EZB zusätzlich angeheizt werden. Die Märkte haben vergangene Politikfehler der Notenbanker nicht vergessen und halten den EZB-Rat auf Trab. Abseits dessen werden frische Daten zu den deutschen Einzelhandelsumsätzen im Februar sowie Arbeitsmarktdaten für den März veröffentlicht. Die Bäume werden angesichts der Lage aber auch hier nicht in den Himmel wachsen. Die Energieminister der EU beraten zudem in einer Videokonferenz über eine gemeinsame Reaktion auf die durch den Krieg im Iran ausgelösten Turbulenzen an den Öl- und Gasmärkten. Seit Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran Ende Februar und der faktischen Schließung der Straße von Hormus sind die europäischen Gaspreise um mehr als 70% in die Höhe geschossen. Im Mittelpunkt der Gespräche stehen die frühzeitige Befüllung der Gasspeicher für den kommenden Winter sowie die Stabilisierung der Märkte für Ölprodukte wie Diesel und Kerosin.
Renten- und Aktienmärkte
Die Kurse deutscher Bundesanleihen sind zum Wochenauftakt nach Verlusten an den vergangenen Handelstagen gestiegen. EZB-Vertreter dämpften die Erwartung auf baldige Leitzinserhöhungen, die im Zuge der deutlichen gestiegenen Ölpreise aufgekommen waren. „Die Finanzmärkte haben die Situation in den letzten Tagen etwas überinterpretiert”, sagte der Präsident der französischen Notenbank in einem Interview.
Gestützt von vagen Hoffnungen auf Fortschritte im Krieg im Nahen Osten ist der deutsche Aktienmarkt mit Gewinnen in die neue Börsenwoche gegangen. Der zuletzt kräftig erholte Zuckerpreis sorgte bei den Anteilscheinen von Südzucker für eine Kurs-Rally von fast 16%. Damit erklommen sie den höchsten Stand seit September 2024. Hinzu kam eine neue Analysten-Kaufempfehlung. DAX +1,18%; MDAX +0,52%; TecDAX +1,04%.
Widersprüchliche Signale von US-Präsident Trump zum Iran und eine Ausweitung des Nahost-Kriegs sorgten an der Wall Street für überwiegend nachgebende Kurse. Die konjunktursensiblen Technologiewerte gerieten erneut unter Druck, Aktien von Chipherstellern mussten einmal mehr deutliche Einbußen hinnehmen. Dow Jones +0,11%; S&P 500 -0,39%; Nasdaq Comp. -0,73%.
Unternehmen
BASF erhöht wegen gestiegener Energie- und Rohstoffkosten die Preise für pharmazeutische Hilfsstoffe und ausgewählte Wirkstoffe um bis zu 20%. Bereits Mitte März hatte BASF in seiner Sparte für Haushalts- und Industriereiniger deutliche Preiserhöhungen angekündigt. Für alle Produkte in Europa wurden die Preise um bis zu 30% angehoben, bei ausgewählten Produkten sogar noch mehr. Als Grund nannte der Konzern auch hier die hohe Preisunsicherheit bei wichtigen Rohstoffen sowie gestiegene Logistik-, Verpackungs- und Energiekosten.
Devisen
Der Kurs des EUR ist im US-Handel unter Druck geblieben. EZB-Vertreter dämpften die Erwartung auf baldige Leitzinserhöhungen, die im Zuge der deutlichen gestiegenen Ölpreise aufgekommen waren. Dies belastete den EUR.
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