Indus Holding: „Wir sind ein Dividendenwert“
Vor wenigen Tagen hat die Indus Holding die Zahlen für 2025 vorgestellt. Der Umsatz steigt von 1,72 Milliarden Euro auf 1,74 Milliarden Euro an. Je Aktie werden 2,77 Euro (Vorjahr: 2,07 Euro) verdient. Die Dividende soll von 1,20 Euro auf 1,30 Euro angehoben werden. Im Exklusivinterview mit 4investors.de ist Vorstandschef Johannes Schmidt mit diesen Zahlen zufrieden.
Sein Blick richtet sich in dem Gespräch auch auf 2026. Wie konservativ die Prognose ist, hängt stark von der Entwicklung im Mittleren Osten ab. Schmidt spricht über die Investitionspläne in 2026 und geht auf künftige Zukäufe und deren Finanzierung ein. Die Strategie EMPOWERING MITTELSTAND ist ebenso ein Thema wie das Infrastrukturpaket der Bundesregierung. Dieses kann ab dem zweiten Halbjahr für deutliche Impulse sorgen. Die Aufmerksamkeit von Schmidt geht zudem in Richtung internationale Expansion. Dabei spielen die USA eine wichtige Rolle.
4investors.de: Herr Schmidt, Sie haben vor wenigen Tagen Zahlen für 2025 publiziert. Wie ist ihr Fazit für das vergangene Jahr?
Schmidt: Unsere Erwartungen aus dem Frühjahr haben sich erfüllt. In einem schwierigen Umfeld haben sich Umsatz und Quartalsergebnis im zweiten Halbjahr positiv entwickelt. Das vierte Quartal erzielte auf Jahressicht den höchsten Umsatz, während im dritten Quartal das beste Ergebnis erreicht wurde. Insgesamt lag die Marge des adjusted EBITA bei guten 8,5 Prozent. Damit sind wir in Anbetracht der angespannten wirtschaftlichen und geopolitischen Lage zufrieden. Die Beteiligungen haben einen guten Job gemacht.
4investors.de: Auftragseingang und Auftragsbestand liegen klar über den Vorjahreswerten. Deutet dies einen guten Start ins neue Geschäftsjahr an?
Schmidt: Wir sehen hier schon einmal ein gutes Signal. Treiber waren vor allem Aufträge im langfristigen Anlagenbau. Für 2026 rechnen wir mit einem ähnlichen Verlauf wie im letzten Jahr. Also mit einem etwas ruhigeren Start und einer stärkeren Entwicklung im Jahresverlauf. „Back-end loaded“, wie man so schön sagt.
4investors.de: Sie haben 2025 rund 60 Millionen Euro in Sachanlagen investiert, ein Plus von 10 Millionen Euro im Vergleich zu 2024. Wird diese Dynamik 2026 anhalten?
Schmidt: Wir planen, auch wieder in dieser Höhe in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte bei unseren Beteiligungen zu investieren. Vor dem Hintergrund des weiter schwierigen Marktumfelds könnten wir uns – wenn es notwendig ist – aber auch etwas Zurückhaltung auferlegen.
4investors.de: Ihre Dividende steigt von 1,20 Euro auf 1,30 Euro an. Hätte man statt einer Erhöhung der Dividende nicht die Verschuldung von zuletzt 544 Millionen Euro verringern können?
Schmidt: Wir sind ein Dividendenwert und beteiligen unsere Aktionäre mit einer regelmäßigen Dividendenausschüttung am Geschäftserfolg. Bis zu 50 Prozent der Gewinne der Holding schütten wir aus, darauf sollen sich die Aktionäre auch verlassen können. Es bleiben somit mindestens 50 Prozent übrig, die wir zur Stärkung der Gesellschaft einsetzen können.
Die Entschuldungsdauer, das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA, betrug 2025 2,5 Jahre. Hier liegen wir also im Zielkorridor. Damit bleiben wir in einer komfortablen Lage.
4investors.de: 2026 soll Indus einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro bis 1,95 Milliarden Euro erwirtschaften. Das bereinigte EBITA sehen sie bei 150 Millionen Euro bis 170 Millionen Euro. Würden sie diesen Ausblick als konservativ bezeichnen?
Schmidt: Verlässliche Prognosen setzen verlässliche Rahmenbedingungen voraus. So sind Art und Umfang der Auswirkungen der Risiken aus dem Irankrieg für uns im Moment weder absehbar noch quantifizierbar. Sie sind daher in der Prognose nicht berücksichtigt. Unser Anspruch ist es, für das, was wir selbst beeinflussen können, eine seriöse Planung zu machen. Wenn sich die Rahmenbedingen plötzlich alle zum Guten wenden, ist die Prognose konservativ. Wenn sich das Umfeld negativ entwickelt, nicht. Grundsätzlich sind wir froh, ein diversifiziertes Portfolio mittelständischer Unternehmen zu haben, die flexibel und schnell auf neue Rahmenbedingungen reagieren können – in beide Richtungen.
Wir können in diesen schwierigen Zeiten keine Luftschlösser bauen. Aber wir wollen nicht stagnieren, wir wollen weiter wachsen. Mit Blick auf unsere Ambitionen bleiben wir fokussiert. Aber dafür brauchen wir auch den Rückenwind. Für 2026 rechnen wir mit einem moderaten Wachstum.
4investors.de: In diesem Jahr haben sie bisher eine Akquisition getätigt. Analysten rechnen mit mindestens zwei weiteren Zukäufen. Wo liegt ihre Zielmarke für 2026?
Schmidt: 2026 haben wir die Akquisition von PRO VIDEO abgeschlossen und den Kaufvertrag für AMIRA mit Sitz in Italien unterzeichnet. Generell planen wir Akquisitionen nicht quantitativ, sondern qualitativ. Wichtig ist, dass sie unsere finanziellen Kriterien erfüllen, unsere Technikkompetenz erweitern und gern auch zur Internationalisierung des Portfolios beitragen. Wir haben in diesem Jahr 50 Millionen Euro für Akquisitionen eingeplant. Aber auch hier gilt: Wenn die Marktlage es hergibt, passen wir uns an.
4investors.de: Ihre liquiden Mittel liegen bei 217 Millionen Euro. Die Kriegskasse ist somit gut gefüllt?!
Schmidt: Ja, wir sind finanziell gut aufgestellt, um die Chancen zu nutzen, die der Markt uns bietet. Auch wenn wir in diesem Jahr einrechnen, dass die vereinzelt stark gestiegenen Materialpreise das Working Capital im Segment Materials Solutions voraussichtlich ansteigen lassen.
4investors.de: Könnte es bei einer Akquisition auch eine Bezahlung in eigenen Aktien geben?
Schmidt: Mit dem Aktienrückkaufprogramm haben wir uns diese Option geschaffen.
4investors.de: Wo wollen sie sich 2026 verstärken? Wo sehen sie möglichen Handlungsbedarf?
Schmidt: Bei Zukäufen im Segment Engineering konzentrieren wir uns auf unsere sechs Technologiefelder. Dabei sehen wir besonders in den Bereichen Flow Technology und Surveillance, Measuring & Media Technology ein Marktumfeld, in dem sich interessante Unternehmen finden lassen. Im Segment Infrastructure schauen wir uns unter anderem Targets aus der Bauchemie an. Auch der Bereich Infrastrukturnetze bleibt interessant. Im Segment Material Solutions suchen wir Unternehmen mit breiter Werkstoffkompetenz – in der Werkstoffherstellung und -verarbeitung und in der Anwendungstechnik. Regional liegt ein Fokus weiterhin auf dem nordamerikanischen Markt. Aber auch in Lateinamerika und den asiatischen Märkten sehen wir Potenzial.
4investors.de: Gibt es irgendwelche Änderungen oder Anpassungen an ihrer Strategie EMPOWERING MITTELSTAND?
Schmidt: Das Unternehmen ist mit EMPOWERING MITTELSTAND strategisch klar für die derzeitigen Rahmenbedingungen ausgerichtet. Die Strategie bewährt sich gut. Es gibt also aktuell keinen Grund, etwas zu ändern.
4investors.de: Belastet der Konflikt im Mittleren Osten ihr Geschäft?
Schmidt: Unmittelbare Auswirkungen sind vernachlässigbar. Wir bauen im Segment Infrastructure zwar gerade eine Gesellschaft in Saudi-Arabien auf, aber das Risiko ist derzeit sehr überschaubar. Indirekte Effekte etwa durch stark steigende Energiepreise oder gestörte Lieferketten sind aktuell nicht greifbar und werden auch stark von der weiteren Entwicklung des Krieges abhängen.
4investors.de: Wie sehr werden sie von den derzeit steigenden Energiekosten belastet?
Schmidt: Wir selbst haben keine energieintensive Produktion. Aber wir spüren Preisanstiege bei Vorprodukten, die energieintensiv hergestellt werden, zum Beispiel bei Metall. Unsere Aufgabe ist es, diese Preiserhöhungen möglichst ohne Zeitverzug an unsere Kunden weiterzureichen. Das ist inzwischen Alltag und wird in den meisten Fällen auch akzeptiert.
4investors.de: Bei unserem Interview im November meinten sie, dass man ab Mitte 2026 Auswirkungen des Infrastrukturpakets der Regierung sehen werde. Bleibt es bei dieser Aussage? Oder ist die Ankündigung eher ein zahnloser Tiger, auf den man zu viele Hoffnungen gesetzt hat?
Schmidt: Wir rechnen nach wie vor mit den ersten Auswirkungen des Infrastrukturpakets ab Mitte des Jahres. Ich bin auch zuversichtlich, dass mit dem Paket kräftig investiert wird. Allein bei der Infrastruktur gibt es gewaltigen Nachholbedarf. Und da können unsere Unternehmen besonderes im Segment Infrastructure profitieren. Auch der weitere Umbau der Energieversorgungsnetze wird spannende Chancen für unsere Beteiligungen bieten. Notwendige Kapazitätserweiterungen in der Industrie werden zu erhöhter Nachfrage im Bereich der Maschinen- und Anlagenindustrie, aber auch im Bereich Baumaschinen führen – alles Bereiche, die für die INDUS-Unternehmen interessant sind.
4investors.de: Werden sie im Bereich Engineering die US-Aktivitäten wie schon 2025 weiter ausbauen?
Schmidt: Ja, auf jeden Fall. Bereits im Jahr 2025 haben wir in der gesamten Gruppe rund 12 Prozent des Umsatzes in den USA gemacht. Und dieser Anteil wird durch den laufenden Ausbau von Produktionsstandorten vor Ort weiter wachsen. Aktuell sind bereits zwölf unserer Beteiligungen mit Standorten in den USA präsent. Wir glauben an den amerikanischen Markt. Wir sind „local for local“. Damit haben wir dann auch einen Wettbewerbsvorteil.
4investors.de: Ist die Wolfram-Problematik im Bereich Material Solutions endgültig ad acta gelegt? Haben sie daraus Konsequenzen gezogen?
Schmidt: Durch ein gutes Management in der Beteiligung konnte mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket die Versorgung absehbar gesichert werden. Dazu gehören vor allem eine kontinuierlich steigende Recyclingquote, aber auch eine weiter diversifizierte Beschaffungsstrategie und längerfristige Rahmenvereinbarungen. Wir müssen zwar deutlich höhere Preise zahlen und an die Kunden weiterreichen, sind für den Moment bei der Materialversorgung aber gut aufgestellt. Allerdings können wir Stand heute nicht vorhersagen, ob das für immer und ewig so bleibt.
4investors.de: In unserem Gespräch im November sagten sie: „Unsere Ambition ist, bis 2030 rund 500 Millionen Euro in Unternehmenskäufe zu investieren und daraus jährliche Umsätze von über 600 Millionen Euro zu generieren.“ Wie weit ist Indus damit bisher fortgeschritten?
Schmidt: Wir sind auf dem Weg. Wir schaffen bei unseren Treibern Akquisitionen, Internationalisierung und Technikkompetenz jetzt die Voraussetzungen, um Jahr für Jahr stärker zu wachsen. Aber natürlich hoffen wir auch, dass sich die weltweiten Rahmenbedingungen bald wieder wirtschaftsfreundlicher zeigen und wir dann auch von Nachholeffekten profitieren können.
4investors.de: Wo sehen sie für Indus die größten Chancen bis 2030?
Schmidt: Mit unserer Technologiekompetenz können wir gut beurteilen, welche Zukunftschancen es gibt und dort dann auch investieren. Hinzu kommen die Optionen in starken und demnächst hoffentlich wieder stark wachsenden Märkten. Mit unserer Internationalisierungsstrategie sind wir gut vorbereitet, auch diese Chancen zu nutzen.
