Börse am Morgen: Grenke, Hannover Rück, Honda, TotalEnergies, Öl - Nord/LB Marktbericht
Das Ifo-Institut errechnet in seiner gestern kommunizierten Frühjahrsprognose, dass ein kurzfristiger Energiepreisanstieg in Folge des Iran-Kriegs das dt. BIP-Wachstum im Jahr 2026 um rd. 0,2 Prozentpunkte reduzieren wird. In Summe bleiben die Forscher aus München aber weiter optimistisch und erwarten in diesem Jahr ein Wachstum von 0,8% (für 2027 von 1,2%). Bei der Teuerung antizipiert man dieses Jahr 2,5% (vorausgesetzt die Öl- und Gaspreise werden in den kommenden Wochen auch wieder fallen). Sollten die hohen Energiekosten aber länger anhalten, erwartet das Institut im Jahr 2026 ein Inflationsrate von bis zu 3%.
In diesem Umfeld geht das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) trotz der anziehenden Inflationsrisiken nicht von einem rückläufigen Konsum der Deutschen aus. Oliver Holtemöller (Konjunkturchef IWH: „Gesamtwirtschaftlich sehen wir keinen dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit … deshalb erwarten wir auch kein Vorsichtssparen im großen Stil“.
Laut Stat. Bundesamt hat sich der Ausbau der Solarenergie in Deutschland im Jahr 2025 um 17,6% (ggü. 2024) verlangsamt. In Summe waren im letzten Jahr rd. 4,8 Mio. Photovoltaikanlagen (ohne Balkonkraftwerke) auf Dachflächen oder Grundstücken installiert (Leistung 106.200MW +11,8%). Das ist ein neuer Rekord.
Tagesausblick
Im gemeinsamen Währungsraum steht zum Wochenschluss der Januar-Datenkranz zur Industrieproduktion an. Jedes Stabilisierungssignal auf Seiten der harten Konjunkturindikatoren dürfte am aktuellen Rand ein Stück weit heilsam auf die aufgeheizte Stimmung an den Märkten einwirken. In den Vereinigten Staaten richtet sich der Blick auf aktualisierte BIP-Daten für das vierte Quartal 2025 sowie die PCE-Daten für Januar, die für das FOMC auch mit Blick auf den Zinsentscheid in der nächsten Woche grundsätzlich ein wichtiger Kompass bleiben. Allerdings reflektieren die zur Sitzung zur Verfügung stehenden US-Inflationsdaten noch nicht die Entwicklungen am Persischen Golf.
Renten- und Aktienmärkte
Die Kapitalmärkte springen Trampolin. Am Aktien- als auch am Rentenmarkt (insbesondere kurze Laufzeiten) geht es nach dem Newsflow über einen frühesten milit. Geleitschutz in der Strasse von Hormus (erst ab Ende März) im Jo-Jo-Effekt auf und ab.
DAX -0,21%; MDAX -0,58%; TecDAX -0,56%; Dow Jones -1,56%; S&P 500 -1,52%; Nasdaq Comp. -1,78%.
Unternehmen
Honda revidiert seine Elektroauto-Strategie in den USA und rechnet für 2025/26 statt eines geplanten Gewinns nun mit einem Verlust von YEN 420 - 690 Mrd. (dies entspricht EUR 2,2 Mrd. bis EUR 3,8 Mrd.). Aufgrund der Verlangsamung des nordamerikanischen E-Auto-Markts stoppt der Konzern mehrere geplante Elektromodelle für die US-Produktion. Der Strategiewechsel verursacht über mehrere Geschäftsjahre hinweg Kosten von bis zu Yen 2,5 Bio. Das tut weh.
TotalEnergies begrenzt angesichts der außergewöhnlichen Marktvolatilität ab heute die Kraftstoffpreise in Frankreich auf EUR 1,99 pro Liter Benzin und EUR 2,09 pro Liter Diesel (zunächst befristet bis Monatsende). Anfang April will der Konzern die Lage auf dem weltweiten Ölmarkt erneut prüfen und über mögliche Anpassungen entscheiden.
Grenke (IT-Leasinganbieter) steigert 2025 seinen Gewinn leicht auf EUR 71,8 Mio. und übertrifft damit knapp die eigene Prognose; zugleich soll die Dividende um 5% auf 42 Cent je Aktie steigen. Vorstandschef Sebastian Hirsch sieht nach drei Gewinnanstiegen in Folge eine erfolgreiche Trendwende der Profitabilität. Für 2026 erwartet Grenke ein Ergebnis von EUR 74 - 86 Mio. und ein höheres Neugeschäftsvolumen (nachdem das Unternehmen 2020 wegen Bilanzierungsfehlern in die Kritik geraten war).
Die Hannover Rück hebt dank neuer Dividendenpolitik die Ausschüttung für 2025 auf EUR 12,50 je Aktie an und erreicht damit eine Quote von 57% des Nettogewinns von EUR 2,64?Mrd. Wegen glimpflicher Naturkatastrophenschäden konnte der Rückversicherer stille Lasten auflösen, was die Kapitalanlagerendite im Jahr vorübergehend auf 2,5% drückte. Für 2026 rechnet das Unternehmen mit einem Großschadenbudget von EUR 2,3?Mrd., einer Rendite von 3,5% und einem Gewinn von mindestens EUR 2,7?Mrd. Wie wird sich der Krieg im Nahen Osten auswirken? Laut Sven Alhoff (Vorstand Schaden-Rückversicherung) wird es im Spezialversicherungsgeschäft zu Belastungen kommen, insbesondere in den Sparten Luftfahrt und Transport sowie bei Warenkreditversicherungen oder der Absicherung politischer Risiken.
Rohstoffe
Öl bleibt extrem volatil und dominiert das Markt-Sentiment.
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