Börse am Morgen: BayWa, Rheinmetall, Wacker Chemie, Ölpreis, Konjunkturdaten - Nord/LB Marktbericht
Die Inflationsrate in Deutschland ist im Februar 2026 auf 1,9% gesunken, nach 2,1% im Januar. Hauptdämpfer waren deutlich nachlassende Nahrungsmittelpreise, während Dienstleistungen weiter preistreibend wirkten. Gegenüber dem Vormonat stiegen die Verbraucherpreise um 0,2%. Energie verbilligte sich im Jahresvergleich um 1,9%, insbesondere Haushaltsenergie (-3,5%) dank niedrigerer Preise für Gas, Strom und Fernwärme infolge staatlicher Entlastungsmaßnahmen. Kraftstoffe verteuerten sich leicht (+0,3%). Die jüngsten Kampfhandlungen im Nahen Osten hatten noch keinen Einfluss auf die Februar-Daten.
Der Nahost-Krieg dürfte nach Einschätzung des DIW die deutsche Wirtschaft dämpfen und die Inflation etwas erhöhen, jedoch ohne die Erholung zu stoppen. Die Teuerungsrate könnte 2026 um 0,4 PP steigen, das Wachstum um 0,1 bis 0,2 PP geringer ausfallen. Öffentlicher Konsum und staatliche Investitionen bleiben wichtige Stützen. Entscheidend sei ein schneller Mitteleinsatz, etwa aus dem EUR 500 Mrd.-Infrastrukturfonds sowie den Ausnahmen von der Schuldenbremse für die Bundeswehr. Für 2026 erwartet das DIW ein Wachstum von 1,0%, für 2027 von 1,4%. Die Inflation wird auf 2,4% (2026) und 2,3% (2027) geschätzt; weitere EZB?Zinsschritte gelten als unwahrscheinlich.
Tagesausblick
In den USA stehen heute zwar frische Signale aus dem Bausektor sowie die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe an, doch die Marktstimmung wird weiterhin klar von den Energiepreisen und den Entwicklungen am Persischen Golf bestimmt. Im Hinblick auf Inflationsrisiken hören Anleger deshalb umso genauer hin, wenn Fed Gouverneurin Michelle Bowman spricht. Dies gilt auch für den Redebeitrag des französischen Notenbankpräsidenten, der jüngst betonte, dass die EZB keine erneute Verfestigung der Inflation wie in den Jahren 2022 und 2023 zulassen werde und zugleich zu Besonnenheit im Umgang mit der aktuellen Krise aufrief.
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Renten- und Aktienmärkte
Die Aktienmärkte schwanken zwischen Hoffen und Bangen. Gestern ging es nach steigenden Ölpreisen und entsprechend zunehmenden Inflationssorgen wieder nach unten. DAX -1,37%; MDAX -1,04%; TecDAX -0,73%; Dow Jones -0,61%; S&P 500 -0,08%; Nasdaq Comp. +0,08%.
Anleihen gerieten erneut unter Druck, die Renditen legten zu.
Unternehmen
Rheinmetall profitiert von der angespannten Weltlage und erwartet starkes Wachstum. Nach einem Umsatzplus von 29% auf rund EUR 9,9?Mrd. und einem Anstieg des operativen Ergebnisses um 33% auf EUR 1,84?Mrd. im Jahr 2025 rechnet der Rüstungskonzern für 2026 mit einem Umsatzplus von 40-45% auf EUR 14,0 bis 14,5?Mrd. Die operative Marge soll auf rund 19% steigen. Der Auftragsbestand könnte sich bis Jahresende auf EUR 135 Mrd. mehr als verdoppeln. Treiber bleibt das margenstarke Waffenund Munitionsgeschäft. Für 2025 ist eine deutlich erhöhte Dividende von EUR 11,50 je Aktie vorgesehen.
Wacker Chemie sieht auch 2026 keine Trendwende in der Chemiebranche und hält an seinem Sparkurs fest. Gleichzeitg will sich das Unternehmen strategisch stärker auf Spezialchemikalien, Halbleiter?Polysilizium und Biotech-Anwendungen fokussieren. Für 2026 erwartet Wacker trotzdem ein niedriges einstelliges Umsatzwachstum, nachdem der Umsatz 2025 um 4% auf EUR 5,49 Mrd. gefallen war. Das bereinigte EBITDA soll sich auf EUR 550 bis 700 Mio. verbessern. 2025 belasteten die schwache Konjunktur, Kosten des Sparprogramms sowie Abschreibungen auf die Siltronic-Beteiligung das Ergebnis und führten zu einem Nettoverlust von EUR 805?Mio., weshalb die Dividende ausfällt.
BayWa muss sein Sanierungskonzept stark überarbeiten. Ausschlaggebend ist die schwierige Lage der Tochter BayWa r.e., die Solar- und Windkraftprojekte entwickelt und unter dem schwachen Branchenumfeld leidet. Der ursprünglich für 2028 erwartete Erlös von EUR 1,7 Mrd. aus dem geplanten Verkauf des 51%?Anteils sei nicht mehr erreichbar, teilte die BayWa AG am Mittwoch in München mit. „Der Vorstand der BayWa geht Stand heute von signifikant geringeren Gesamterlösen aus der Veräußerung der Beteiligung aus“, heißt es in der Mitteilung. Die Einnahmen waren ein zentraler Baustein des Sanierungskonzepts, mit dem der Konzern seine Schulden um EUR 4 Mrd. reduzieren wollte.
Rohstoffe
Nach Berichten über Angriffe auf Tanker und die Schließung von Ölterminals sprang der Ölpreis erneut nach oben. Die angekündigte Freigabe von 400 Mio. Barrel aus strategischen Reserven durch die IEA konnte die Märkte nicht beruhigen.
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