Börse am Morgen: Volkswagen, Euro/Dollar, EZB Leitzinsen, Konjunkturdaten - Nord/LB Marktbericht
Stimmung mau: Im deutschen Einzelhandel hat sich die Stimmung eingetrĂŒbt. Laut dem MĂŒnchner Ifo-Institut sinkt das GeschĂ€ftsklimabarometer im Februar von minus 24,1 Punkte auf minus 27,7 ZĂ€hler. Die Zahlen beinhalten noch nicht mögliche energieinduzierte Verbrauchersorgen aufgrund des anhaltenden IranKriegs. Beim Blick auf die Unterbranchen ergibt sich folgendes Bild: WĂ€hrend es im Lebensmitteleinzelhandel und bei den AutohĂ€usern eine leichte Verbesserung gibt, kĂŒhlt sich die Stimmung bspw. im Bekleidungshandel und bei MöbelhĂ€usern ab.
Exporte rĂŒcklĂ€ufig: Die dt. Exporteure beginnen das Jahr 2026 mit angezogener Handbremse. Gestern veröffentlichte Daten des Stat. Bundesamtes zeigen im Januar rĂŒcklĂ€ufige Ausfuhren ggĂŒ. Dezember (minus 2,3% auf EUR 130,5 Mrd.) und damit den stĂ€rksten RĂŒckgang seit Mai 2024. Was ist der Grund? Aus China bricht die Nachfrage weg. Hier fallen die Exporte sogar zweistellig (um 13,2% auf EUR 6,3 Mrd.). Lichtblick hingegen USA: In die Ver. Staaten wurden im Januar Waren i. H. v. EUR 13,2 Mrd. ausgefĂŒhrt. Ein Plus von 11,7%. Zwar startet der Februar bei den Exporterwartungen mit positiven Vorzeichen (das Ifo-Barometer steigt hier auf 2,6 ZĂ€hler), der neue Unsicherheitsfaktor Naher Osten ist in den Februar Zahlen aber noch gar nicht enthalten.
Anhaltend hohe Firmenpleiten: Das Leibniz-Institut fĂŒr Wirtschaftsforschung Halle (IWH) meldet weiter steigende Unternehmensinsolvenzen. Im letzten Monat haben 1.466 Personenund Kapitalgesellschaften den SchlĂŒssel umgedreht (+5% ggĂŒ. Januar). Bemerkenswert: Betrachtet man einen durchschnittlichen Februar vor Corona (Zeitraum 2016 bis 2019) dann notiert die Anzahl an Insolvenzen um beachtliche 58% höher. Ist Entspannung in Sicht? Leider nein. Steffen MĂŒller (IWH-Experte): âIm MĂ€rz sind weiterhin hohe Insolvenzzahlen zu erwarten. Im April und Mai ist ein weiterer Anstieg der Zahlen wahrscheinlichâ. Unter den gröĂten Firmenpleiten befinden sich auffĂ€llig viele Kliniken, KrankenhĂ€user sowie andere Gesundheitsdienstleister.
Zinsen in diesem Umfeld hoch oder runter? Am 19. MĂ€rz ist die nĂ€chste EZB-Zinssitzung. Die EZB wirbt derzeit verstĂ€rkt fĂŒr eine ZurĂŒckhaltung bei der zukĂŒnftigen Zinsentwicklung. Zeitgleich wird aber auch auf die geldp. FlexibilitĂ€t verwiesen. Die FinanzmĂ€rkte preisen in dieser Gemengelage derzeit ein Stillhalten auf der nĂ€chsten Sitzung im MĂ€rz ein. Eines kann man auf jeden Fall schon jetzt sagen. Entscheidend fĂŒr den weiteren Verlauf des Zinspfades wird auf jeden Fall sein, ob der aktuelle Energiepreisschock eher temporĂ€rer oder von lĂ€ngerfristiger Natur sein wird.
Tagesausblick
In den USA stehen heute die Februar-Daten zum Verbraucherpreisindex an. Deutlichere Signale eines zunehmenden Preisauftriebs wĂŒrden den Fed-Falken am aktuellen Rand zusĂ€tzliche Argumente liefern, Zinsanpassungen aufgrund der volatilen Perspektive an den EnergiemĂ€rkten ohnehin weiter aufzuschieben. Auch auf der anderen Seite des Atlantiks werden Marktteilnehmer die EinschĂ€tzungen der beiden EZB-Redner (VizeprĂ€sident de Guindos und Direktorin Schnabel) zur Inflationslage vor diesem Hintergrund eng verfolgen.
Renten- und AktienmÀrkte
Derzeit bestimmt die Entwicklung der Ălpreise das Sentiment und den Risikoappetit an den MĂ€rkten. Aus Angst vor einem Energiepreis-Inflationsschock standen seit dem Beginn des IranKrieges die normalerweise als extrem sicher geltenden Staatsanleihen verstĂ€rkt unter Abgabedruck. Gestern machte Trump mit seiner erratischen Art der Kommunikation, ĂŒber ein Ende und die mögliche, doch eher kurze Dauer des Iran-Kriegs, aber alle Ehre. Prompt reagieren die Kurse beim schwarzen Gold. Instantan die Reaktion am Rentenmarkt. Kurze Renditen im freien Fall. Bekam man am Montag fĂŒr dt. KurzlĂ€ufer (2 Jahre) noch 2,46% Rendite, wurden gestern nur noch 2,25% verlangt (-21 Basispunkte!). Risk-on an den weltw. AktienmĂ€rkten. Der Optimismus ĂŒberwiegt.
DAX +2,39%; MDAX +2,94%; TecDAX +1,70%; Dow Jones -0,07%; S&P 500 -0,21%; Nasdaq Comp. +0,01%.
Unternehmen
Der am Dienstag kommunizierte Gewinneinbruch bei Volkswagen (op. Gewinn hat sich halbiert) ist der Blick in den RĂŒckspiegel. In Summe sind immerhin noch EUR +6,9 Mrd. hĂ€ngen geblieben. Aber an der Börse wird die Zukunft gepreist; und die macht Hoffnung. Der Sparkurs wird fortgesetzt, der Konzern neu aufgestellt. VW-Papiere verlieĂen den Handel gestern rd. 2,8% im Plus.
Devisen
Hoffnung auf ein schnelles Ende im Nahen Osten half gestern der europ. LeitwÀhrung. Vom Wochentief bei USD 1,1505 ist man schon wieder entfernt (USD 1,1636).
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