BioNTech: Der Schock um die Gründer kann noch lange nachwirken
Es gibt diverse Gründe, warum die BioNTech Aktie heute abstürzt. Das Biotech-Unternehmen aus Mainz hat einen höher als erwarteten Verlust für das Jahr 2025 eingefahren. Der Ausblick auf 2026 hat dies nicht kompensieren können und fiel weitgehend wie erwartet aus. Das alles hätte BioNTechs Aktienkurs vielleicht mit einem kleineren Minus verschmerzen können als mit einem Kursverlust von mehr als 21 Prozent und einem Rutsch in der Euro-Notierung auf ein neues Mehrjahrestief bei 68,30 Euro, wäre da nicht die weitere Nachricht des Tages gewesen: Der heute für spätestens Ende 2026 angekündigte Rückzug des BioNTech-Gründerpaares Özlem Türeci und Ugur Sahin aus dem Management.
Beide wollen ein neues Unternehmen gründen, an dem der Mainzer Biotech-Konzern eine nicht näher bezifferte Minderheitsbeteiligung erhalten soll. Im Gegenzug wird BioNTech den eigenen Angaben zufolge diverse mRNA-Rechte und -Technologien für Entwicklungsarbeiten an mRNA-Technologien der nächsten Generation in die neue Gesellschaft einbringen. Man wird aus der Kooperation neben der Beteiligung noch Meilenstein- und Lizenzzahlungen erhalten. Türeci und Sahin wollen ihre BioNTech-Beteiligung nicht abgeben, sich aber voll auf das neue Unternehmen fokussieren. Wer die Nachfolge im Management der Mainzer antreten wird, ist offen.
Der reichlich überraschende Schritt hat enorme Unsicherheit am Markt und viele offene Fragen aufgeworfen. Dass die beiden Spitzen-Wissenschaftler wieder zu ihren Wurzeln zurückkehren wollen, der Forschung, ist dabei noch am meisten nachvollziehbar. Warum man dies unbedingt in einer eigenen Gesellschaft außerhalb von BioNTech machen will und warum dies für diese der bessere der möglichen Wege ist, dagegen bisher nicht. Warum dieser Schritt, auch wenn die Trennung erst Ende 2026 erfolgt, ausgerechnet in einem für die Gesellschaft „Post-COVID” enorm wichtigen Jahr 2026 nicht weit vor diversen anstehenden bedeutenden klinischen Neuigkeiten angekündigt wird, bleibt offen.
Börse von BioNTechs Erklärungen nicht überzeugt
Die bisher vorliegenden Erklärungen zu der Entscheidung überzeugen die Börse nicht, wie der Aktienkurs deutlich demonstriert. In einem Analystencall zu den heute vorgelegten Neuigkeiten gaben die Verantwortlichen sich diesbezüglich reichlich schmallippig und brachten damit kein Licht ins Dunkel, verwiesen stattdessen auf die noch nicht ausgehandelten Vereinbarungen zwischen BioNTech und dem neuen Unternehmen der beiden Konzerngründer. Anleger werden sich mit diesem risikoreichen Schwebezustand auch noch einige Zeit konfrontiert sehen: Eine bindende Vereinbarung wird erst Mitte 2026 erwartet.
Für den Aktienkurs von BioNTech waren die dünnen Informationen zu dieser „Abspaltung” regelrechtes Gift, Vertrauen in das Unternehmen wich binnen Minuten in einem initialen Kurssturz von 91,10 Euro auf 73,10 Euro. Später ging es bis auf 68,30 Euro nach unten, aktuell pendelt der Kurs nicht weit darüber um 69 Euro mit mehr als 20 Prozent im Minus. Das „Post-COVID-Baissetief” bei 69,70 Euro aus dem Jahr 2024 ist damit unterschritten - und das, nachdem es zuletzt durchaus positive charttechnische Signale für die Aktien von BioNTech gegeben hatte. Bleibt dieses Verkaufssignal, könnten dem Titel weitere schwere Zeiten drohen.
Deutsche Bank bestätigt Kaufempfehlung
In einer ersten Reaktion auf die BioNTech-News hat die Deutsche Bank heute ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 140 Dollar für die Biotech-Aktie zwar bestätigt. Den bevorstehenden Abschied der beiden Konzerngründer aus dem Management sehen die Aktienanalysten gemischt und nicht gerade als Beweis des Vertrauens, während BioNTech zu einem möglichen Übernahmekandidaten werden könnte mit Blick unter anderem auf den Medikamentenkandidaten Pumitamig.
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Hinweis auf Interessenskonflikt(e): Der / die Autor(in) oder andere Personen aus der 4investors-Redaktion halten unmittelbar Positionen in Finanzinstrumenten / Derivate auf Finanzinstrumente von Unternehmen, die in diesem Beitrag thematisiert werden und deren Kurse durch die Berichterstattung beeinflusst werden könnten: BioNTech.

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