Evotec streicht viele Stellen: Prognosen enttäuschen die Börse, Aktie stürzt ab
Evotec hat mit dem heute vorgestellten Restrukturierungs-Programm „Horizon” die nächste Phase seines Konzernumbaus eingeleitet und parallel Prognosen für 2026 und 2030 vorgelegt. An der Börse reagiert man auf die Pläne des Hamburger Biotech-Unternehmens mit großer Enttäuschung, vor allem was die Zielsetzungen für das laufende Jahr angeht. Aktuell verliert Evotecs Aktienkurs mehr als 13 Prozent an Wert auf 4,583 Euro. Eine starke charttechnische Unterstützung zwischen 4,90 Euro und 5,06/5,11 Euro, die seit August 2024 einen potenziellen Boden für den TecDAX-Titel darstellte, wurde damit deutlich unterschritten.
Kern des Restrukturierungs-Plans ist der Abbau von bis zu 800 Stellen bei Evotec sowie die weitere Reduktion der Standorte von zuletzt 14 auf künftig 10. Die Restrukturierung soll nach Angaben des Unternehmens vom Dienstag bis Ende 2027 abgeschlossen sein und laufende Kosteneinsparungen von rund 75 Millionen Euro erzielen. Für die Umsetzung kalkuliert der Wirkstoffforschungs-Dienstleister mit Cash-Kosten von insgesamt rund 100 Millionen Euro bis 2028. Für 2026 erwartet Evotec Konzernerlöse von 700 bis 780 Millionen Euro – nach vorläufig rund 788 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025. Das bereinigte EBITDA könnte im laufenden Jahr auf null bis 40 Millionen Euro sinken, nach rund 41 Millionen Euro im Vorjahr.
Kerngeschäft mit negativem EBITDA
Das Kerngeschäft im Segment Drug Discovery & Preclinical Development (D&PD) belastete 2025 die Bilanz: Die Umsätze sanken um 13 Prozent auf rund 529 Millionen Euro, das bereinigte Segment-EBITDA liegt bei minus 12 Millionen Euro. Gegenläufig entwickelte sich das Biologics-Segment Just – Evotec Biologics mit einem Umsatzplus von rund 40 Prozent auf 259 Millionen Euro und einem EBITDA-Beitrag von rund 53 Millionen Euro.
Mit „Horizon” strukturiert Evotec die Organisation entlang dreier Säulen: Operations, Wissenschaft und kommerzielle Umsetzung. Man wolle Evotec für nachhaltiges, qualitativ hochwertiges Wachstum positionieren, so Konzern_CEO Christian Wojczewski. Exzellenzzentren sollen Kernkompetenzen bündeln, der Vertrieb gestrafft werden. Das Biotech-Unternehmen bezeichnet 2026 ausdrücklich als Übergangsjahr, in dem erste operative Verbesserungen erst ab der zweiten Jahreshälfte erwartet werden. Ziel sei „eine strukturell fokussiertere Organisation mit verbesserter langfristiger Profitabilität und gestärkter Cash-Generierung ab dem Jahr 2027 und darüber hinaus”, sagt Paul Hitchin, Finanzvorstand von Evotec.
Operative Marge soll 20-Prozent-Marke erreichen
Mittelfristig gibt sich Evotec ambitionierter: Der Konzernumsatz soll bis 2030 auf über 1 Milliarde Euro steigen, entsprechend einem jährlichen Wachstum von 8 bis 12 Prozent. Die bereinigte EBITDA-Marge soll 2028 die 20-Prozent-Marke erreichen. Die endgültigen Zahlen für 2025 sowie detaillierte Mittelfristziele will das Unternehmen am 8. April 2026 vorlegen.
In einer ersten Reaktion auf die Evotec-Nachrichten bestätigen die Aktienanalysten von RBC für den Anteilschein von Evotec ihre Einstufung mit „Outperform”. Mit einem Kursziel von 10 Euro stellt man mehr als eine Kursverdoppelung der Biotech-Aktie in Aussicht. Mittelfristig seien die Ziele des Hamburger Konzerns nicht wesentlich verändert worden, so die Analysten mit Blick auf die erwarteten Umsätze und Margen.
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