US-Einzelhandel: Konsumlaune in der „Frozen Zone“ - Nord/LB
In den USA war die Kauflaune im Januar nicht sehr ausgeprägt, dies legen jedenfalls die heutigen Einzelhandelsumsätze nahe. Mit einer negativen Wachstumsrate von -0,2% M/M waren die Umsätze im Vergleich zum Dezember demnach rückläufig. Die Mehrheit der befragten Analysten ging von noch schlechteren Werten aus, weshalb dies fast schon als positives Signal gewertet werden könnte.
Der jüngste Blizzard, welcher besonders die US-Ostküste und das Landesinnere im festen Griff gehabt hat, spielte im Januar noch keine Rolle. Gleichwohl hatte das ungewöhnlich kalte und schneereiche Wetter zum Jahresbeginn über saisonale Besonderheiten hinaus einen dämpfenden Einfluss auf das wirtschaftliche Geschehen und vor allem auch auf den Einzelhandel. Möglicherweise kann dies auch noch einmal Einfluss auf das BIP-Wachstum im ersten Quartal haben. Wie stark sich die Wetterlage darauf auswirkt, ist aber bislang noch nicht vollständig abzusehen. Im letzten Jahr war das Wetter ebenfalls für einen Rückgang der Umsätze mitverantwortlich, deutlich stärker als im aktuellen Januar jedenfalls. Im Vergleich zum Januar 2025 konnten die Umsätze demnach sogar um 3,2% Y/Y anwachsen. Vor allem die Umsatzeinbußen bei den Autohändlern belasten die Headline-Rate auf Monatssicht – ebenfalls ein Symptom der Wetterlage. Die Umsätze ohne die Automobilkomponente sieht demnach mit 0,0% M/M marginal besser aus.
Neben dem Wetter spielten natürlich auch viele andere Faktoren eine Rolle, unter anderem eine wieder erstarkte politische Unsicherheit im Land der eigentlich unbegrenzten Möglichkeiten. Wir erinnern uns, dass mit dem Inhaftieren des Machthabers von Venezuela, Nicolás Maduro, ein kurzer Schockmoment durch die (Energie-)Welt ging, welcher von vielen Marktbeobachtern zeitnah als relativ unkritisch für die Weltwirtschaft gewertet wurde. Besonders der Energiemarkt geriet zwischenzeitlich in den Fokus, allerdings spielen die Erdölerzeugnisse aus der südamerikanischen Nation unter chemischen Gesichtspunkten eine eher untergeordnete Rolle auf dem Markt. Ein Preisschock blieb demnach weitgehend aus. In den Analysen wurde rein hypothetisch stets auch auf den Iran verwiesen, wobei ein dortiger Konflikt ein größeres Problem darstellen würde. Wie man nun weiß, erwachsen hieraus nun ganz eigene und real spürbare Folgen. Dies wird man in den noch zu veröffentlichenden Märzdaten sicherlich auch sehen.
Die geldpolitische Relevanz der heutigen Einzelhandelsdaten wird sich voraussichtlich den Inflationsdaten unterordnen müssen. Eine schwache Binnennachfrage würde normalerweise eine geldpolitische Antwort zur Folge haben, zumindest wenn dies über einen längeren Zeitraum hinweg der Fall wäre. Mit dem Blizzard im Februar und den Inflationssorgen im März könnte dies durchaus noch der Fall werden. Eine gesteigerte Inflationsgefahr durch die Ölengpässe wiegt an dieser Stelle aber schwerer. Wir gehen weiterhin von unserem Zinssenkungsszenario mit einer Zielmarke von 3,00% bei der Fed Funds Target Rate aus, welche sich aber voraussichtlich eher in der Zeit manifestiert, wenn Kevin Warsh den Vorsitz der Fed übernommen hat.
Fazit: Die heutigen US-Einzelhandelsdaten haben sich im Januar gegenüber dem Vormonat um 0,2% M/M abgeschwächt. Auch wenn der Blizzard hier zunächst noch keine Rolle spielte, hat das Winterwetter über saisonale Effekte hinaus einen dämpfenden Einfluss auf die Nachfrage gehabt. Der Blick nach vorne lässt in der Hinsicht aber wohl keine gesteigerte Dynamik aufkommen, die Großwetterlage war nämlich über den Januar hinaus herausfordernd. Vor allem die aufgrund der Witterung behäbigen Umsätze bei den Autohändlern belasten die Headline-Rate, wonach diese ohne die Automobilkomponente immerhin zu einem Nullwachstum führte. Sicherheitspolitische Aktivitäten hatten zu Jahresbeginn zunächst noch keine großen Auswirkungen auf die Konjunktur. Gestiegene Inflationsrisiken werfen jedoch ihren Schatten voraus.
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