DAX: Ein banger Blick nach Teheran - Nord/LB
Die Nachrichten aus dem Mittleren Osten belasten den deutschen Aktienmarkt zum Start der neuen Woche. Die Anleger bleiben allerdings – trotz einer nun doch spürbar erhöhten Unsicherheit – sehr besonnen. Die Luftangriffe Israels und der USA auf den Iran führen entsprechend zu keinem wirklich großen Abgabedruck. Der Blick auf die Details – zum Beispiel die Kurse der Papiere von Fluglinien – bringt ebenfalls keine wirklichen Überraschungen. Auch die Bewegungen am Ölmarkt bleiben im Rahmen der von uns für einen möglichen Konflikt am Persischen Golf skizzierten Szenarien. Der Preis für Brent-Öl ist bisher nicht nachhaltig über die Marke von 80 USD pro Barrel gesprungen, was eine positive Nachricht für große Teile des globalen Aktienmarktes ist. Insbesondere die Straße von Hormus muss von den Anlegern nun aber wohl sehr genau im Auge behalten werden.
Die Lage ist aktuell noch extrem unübersichtlich. Vor allem mit Blick auf die momentanen Pläne Teherans lassen sich derzeit kaum wirklich klare Aussagen treffen. Dagegen zeichnen sich in Washington schon relativ deutlich klarere Ziele ab. Aufgrund der bevorstehenden „Midterms“ benötigt Donald Trump relativ zügig positive Nachrichten. Auch daher hat er in Interviews bisher mit Blick auf die Dauer des Konfliktes einen Zeithorizont von bis zu vier Wochen ins Spiel gebracht.
Washington scheint grundsätzlich bereit zu sein, mit der aktuellen Regierung in Teheran zu sprechen. Bei solchen Verhandlungen würden die Vertreter der USA aber sehr nachhaltig auf umfangreiche Zugeständnisse des Iran pochen. Auch mit einem Austausch der Regierung in Teheran könnte man sich im Weißen Haus ohne jeden Zweifel anfreunden. Dabei scheut Washington aber aufgrund der bevorstehenden Wahl ganz eindeutig den Einsatz von Bodentruppen. Reza Pahlavi, der Sohn des im Jahr 1979 aus dem Iran geflohenen Schahs, wird von einigen wichtigen Vertretern der Republikaner in Washington als möglicher Kandidat für die Führung einer Übergangsregierung in Teheran angesehen. Dieser könnte dann beispielsweise nach der Ausarbeitung einer neuen Verfassung die Rolle wechseln und vom Interims-Regierungschef zum neuen Staatsoberhaupt des Landes werden. In Washington sieht man die Opposition im Iran allerdings nicht als monolithischen Block an, was die Situation für die Außenpolitiker der USA nicht einfacher macht. Grundsätzlich scheinen die Gegner der aktuellen Regierung im Iran derzeit aber fast alle in der Summe sehr positiv auf die USA zu blicken.
Bisher profitiert der US-Dollar in gewissem Umfang von „Safe-Haven-Flows“, was zwischenzeitlich sogar die Marke von 1,1700 USD pro EUR in den Fokus gerückt hat. Wichtige Berater von Marco Rubio und Scott Bessent sehen die Pläne einiger BRICS-Staaten zu einem von der Währung der Vereinigten Staaten entkoppelten Handel von Öl sehr skeptisch. Daher werden die USA mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf drängen, dass nach Venezuela nun auch der Iran Abstand von diesem Ansinnen nehmen muss. Dies wäre schon ein grundsätzlich eher stützendes Szenario für die Währung der Vereinigten Staaten. Zudem müsste die Abhängigkeit Chinas von Russland dann steigen. Selbst wenn den US-Außenpolitikern ein solcher Deal gelingen sollte, wäre es aber wohl doch übertrieben, an dieser Stelle bereits von einer „Reverse-Nixon-Politik“ Trumps und Rubios zu sprechen.
Fazit: Trotz der von den Luftangriffen auf den Iran ausgelösten erhöhten Unsicherheit bleibt beim DAX die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten grundsätzlich im Blickfeld. Die Anleger verhalten sich besonnen und setzen auf einen nur eher kurzen Konflikt. Aufgrund der Midterms hat das Weiße Haus in der Tat wohl kein Interesse an einer längeren militärischen Auseinandersetzung. Auch daher bleiben wir zunächst bei unseren Aktienmarktprognosen. Die Anleger werden vor allem die Straße von Hormus sehr genau im Auge behalten müssen.
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