Börse am Morgen: Bitcoin, Forvia Hella, Gold, Renault, Konjunkturdaten - Nord/LB Marktbericht
Die Wirtschaftsstimmung der deutschen Unternehmen zu Jahresbeginn lässt im Februar die Jahresstart-Lethargie hinter sich. Der ifo-Geschäftsklimaindex konnte sich auf ein Niveau von 88,6 Punkten verbessern. Eine erfreuliche Bewegung gab es auch bei den Teilkomponenten: Sowohl aktuelle Lage- als auch Erwartungskomponenten haben sich freundlicher präsentiert. Die seichte aber seltene gleichzeitige Verbesserung ist insofern eine gute Nachricht! Allerdings dürften die Unternehmenslenker im aktuellen Befragungszeitraum wohl kaum Gelegenheit mehr gehabt haben, die jüngste Zollunsicherheit einzupreisen. Mit dem Wegfall der rechtlichen Basis vieler bestehender Handelsabsprachen – unter anderem mit der EU – erwachsen neue Abwärtsrisiken aus dem Umgang der Konfliktparteien miteinander. Diese könnten nicht nur für die Konjunkturstimmung in Deutschland dann schnell zu größeren Problemen führen.
Trotz ermutigender, positiver ifo-Signale verbessert sich die Stimmung der dt. Unternehmen nicht flächenübergreifend. Bei den Maschinenbauern bleibt man vorsichtig. Die exportorientierte Branche mit rund einer Millionen Beschäftigten befürchtet auch im Jahr 2026 kräftigen Gegenwind aufgrund von US-Zöllen. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) fasst es wie folgt zusammen. „Die handels- und geopol. Unsicherheiten dürften fortbestehen und die Maschinenexporte auch im laufenden Jahr spürbar unter Druck setzen“. Auf der gestrigen Vorstellung der Bilanz für Maschinenbauexporte 2025 wird deutlich, dass die Ausfuhren um 1,8% auf EUR 198,5 Mrd. gefallen sind.
Tagesausblick
Diese Woche ist sehr von Stimmungsbarometern geprägt, weshalb auch heute Befragungsergebnisse präsentiert werden. Das Insee-Institut wird voraussichtlich ein verhaltenes Bild für die französische Wirtschaft präsentieren. Außerdem wird der Case-Shiller Hauspreisindex offenbaren, wie es um die US-Immobilienwirtschaft bestellt ist, bzw. wie dynamisch der Markt bei privat bewohnten Bestandsimmobilien ist. Das vom Conference Board erhobene Verbrauchervertrauen wird außerdem noch einmal spannend für die US-Ökonomie, wobei insbesondere die Inflationserwartungen der Wirtschaftssubjekte von gesteigertem Interesse sind.
Aktienmärkte
Sicher ist nach den Zöllen nur Eines. Die Unsicherheit verharrt auf einem hohen Niveau. Und Unsicherheit ist Gift für Investitionen. Zwar blieb an den Börsen ein Ausverkauf analog dem Liberation Day 2025 zu Beginn der Woche aus, richtig vertreiben konnten oder wollten die Marktteilnehmer indes das Zollgespenst nicht. Auch an den Rentenmärkten klingt ein vorsichtiges Beobachtungsrauschen mit. Sollten bisher vereinnahmte Zölle zurückgezahlt werden müssen, wäre dies für den Haushalt der Vereinigten Staaten zumindest kein Zuckerschlecken. Der deutsche Leitindex verliert in diesem Umfeld rd. 270 Punkte (minus 1%), die 25.000-er Marke wurde gerissen. Auch an der Wall Street eher Molltöne. Sicher ist weiter beständige Unsicherheit.
Unternehmen
Der Autokonzern Renault erwirbt von CMA CGM und Volvo dessen Anteile am Gemeinschaftsunternehmen für Elektro-Transporter (Flexis). Flexis wurde im Jahr 2024 als Joint Venture gegründet. Renault und Volvo hielten bisher je 45% der Anteile, CMA CGM die verbleibenden 10%. Mit der Übernahme treibt der neue Renault CEO François Provost die Straffung beim französischen Autobauer voran.
Forvia Hella (Scheinwerferhersteller aus Lippstadt) verbessert im abgelaufenen Geschäftsjahr (2025) sein Ergebnis (Operating Income) auf EUR 474 Mio. (Vorjahr: EUR 446 Mio.). Die Marge konnte bei stabilem Umsatz auf 6,0% (Vorjahr: 5,6%) erhöht werden. Trotz „globaler Lieferkettenprobleme und in einem von Handelsrisiken geprägten Marktumfeld konnte der Unternehmensausblick damit vollständig eingehalten werden“. Für das Jahr 2026 erwartet der zum franz. Forvia-Konzern gehörende Scheinwerferspezialist einen währungsbereinigten Umsatz in der Bandbreite zw. EUR 7,4 Mrd. bis EUR 7,9 Mrd.
Devisen und Rohstoffe
Die Krisenwährung Gold profitiert zum Anfang der Woche nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes der USA zu den Zöllen und klettert auf den höchsten Stand seit drei Wochen (USD 5.237,54 pro Feinunze).
Kryptowährungen leiden in diesem Umfeld. Scheinbar misstrauen Investoren die Werthaltigkeit von Cyber-Devisen in einer Phase der Unsicherheit. Bitcoin fällt zu Beginn der Woche die USD 65.000-er Marke.
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