Börse am Morgen: Danone, „Trump-Zölle“, Erdgas, Konjunkturdaten - Nord/LB Marktbericht
Gute Nachrichten für die dt. Endverbraucher. Mit dem stärksten Rückgang der Erzeugerpreise seit April 2024 (Produzenten verlangten durchschnittlich 3% weniger als noch vor einem Jahr) startet der Jahresauftakt erfreulich. Die Daten vom Statistischem Bundesamt überraschen jedoch. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang von 2,1% erwartet. Als Ursache für das Nachlassen werden von den Statistikern die niedrigeren Energiepreise genannt. Insgesamt fielen diese um 11,8% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Erdgaspreise sanken bspw. um 13,7%, leichtes Heizöl um 11,9%, Strom um 11,2%. Bei den Nahrungsmitteln herrscht hingegen ein divergierendes Bild. Während Butter (-43,7%) und Schweinefleisch (-14,1%) deutlich billiger wurden, zogen die Preise für Rindfleisch (+24,5%) und Kaffee (+14,7%) im Vergleich zum Januar 2025 spürbar an.
Deutschlands wichtigster Handelspartner ist wieder China. Mit einem Außenhandelsumsatz (Summe von Exporten und Importen) i. H. v. EUR 251,8 Mrd. liegt das Reich der Mitte klar vor den Vereinigten Staaten (EUR 240,4 Mrd.). Zwischen 2016 und 2023 war China auch Nummer 1, musste im Jahr 2024 diesen Platz aber an die USA abgeben. Die Bronzemedaille (Platz 3) unter den wichtigsten Handelspartner belegen 2025 die Niederlande (EUR 209,1 Mrd.).
Die am Freitag kommunizierten Inflationsdaten aus den USA überraschten leicht. Mit einer Wachstumsrate von 0,4% M/M liegt der PCE-Deflator marginal über den Prognosen der Mehrheit der befragten Volkswirte. Für den November wurden die Einkommen nach oben und die Ausgaben nach unten revisioniert. Die US-Verbraucher spüren aber weiterhin die Inflation in den Geldbeuteln (wenn auch nur leicht). Die Zahlen sollten aber die taktische Ausrichtung der Fed nicht nachhaltig beeinflussen, welche bis auf Weiteres eine abwartende Haltung einnehmen dürfte. Aus Sicht unserer US-Volkswirte hat jenes Szenario an Wahrscheinlichkeit zugenommen, welches erste Zinssenkungen nach dem Wechsel an der Fed-Spitze antizipiert. Powell hat derzeit nämlich keine Not und Kevin Warsh dürfte dann ab Mai mit einer Senkung der Fed Funds Target Rate in Erscheinung treten.
Wochenausblick
Die Woche startet heute bereits mit einem Schwergewicht im deutschen Datenkranz, und zwar wird der ifo-Index Einblick in die hiesige Stimmung geben. Nachdem der ZEW der vergangenen Woche deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb, gehen wir nun von ähnlich gedämpfter Aussicht auf die zu erwartende Dynamik aus. Neben verschiedenen spannenden Themen, wie dem US-Immobilienmarkt zur Wochenmitte und Sentimentanalysen für die Eurozone, steht am Freitag der deutsche Arbeitsmarkt im Fokus der Berichterstattung.
Aktienmärkte
Das Veto des Obersten Gerichtshof der USA gegen die „Trump-Zölle“ verhalf zum Wochenschluss den Aktienmärkten auf die Sprünge (wenn auch nur leicht). Explizit erklärt der Supreme Court die Zölle als verfassungswidrig. Zuvor kämpften die Anleger schon den ganzen Freitag mit den Sorgen über eine bevorstehende Eskalation im Irankonflikt. Für beide Themen gibt es für die Kapitalmärkte in dieser Woche sicherlich hinreichend Spekulations- und Interpretationsspielraum. Es bleibt also spannend.
Unternehmen
Danone (franz. Lebensmittelkonzern) blickt trotz der Rückrufe von Babynahrung mit Zuversicht auf das neue Jahr 2026. Unternehmensangaben zu Folge sind die Auswirkungen aufgrund einer möglichen Verunreinigung mit dem Giftstoff Cereulid „nicht wesentlich“. 2025 zog der bereinigte Umsatz auf EUR 27,3 Mrd. an (+4,5%). Insbesondere eine anhaltende Nachfrage nach Säuglingsnahrung in China wirkte hier unterstützend. Auch die oper. Marge konnten die Franzosen im letzten Jahr auf 13,4% verbessern. Den Anteilseignern wird es gefallen. Danone gibt den Erfolg weiter und stellt eine Dividendenerhöhung auf EUR 2,25 (+4,7%) pro Aktie in Aussicht.
Rohstoffe
Durch die Straße von Hormus wird nicht nur schwarzes Gold transportiert, auch flüssiges Erdgas (LNG) findet hier seinen Weg in die energiehungrigen Staaten der Welt. In Deutschland bleiben die Gasspeicherstände indes auf einem für die kalte Jahreszeit sehr niedrigem Niveau (20,5% Stand: 21.02.2026). Und noch ist der Winter nicht vorbei. Es bleibt die Angst vor einem militärischen Konflikt zwischen dem Iran und den USA. Am Gaspreis konnte man diesen Stress letzte Woche hervorragend ablesen. Zur Wochenmitte sprang der europ. Gasfuture um mehr als elf Prozent!
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