USA: Das BIP leidet etwas unter dem Shutdown - Nord/LB
Nach den starken Zahlen zur BIP-Entwicklung im III. Quartal 2025 präsentiert sich der Zuwachs der realen ökonomischen Aktivität im IV. Quartal nun doch deutlich weniger dynamisch. Der Shutdown dürfte zum Abschluss des Jahres 2025 für klar dämpfende Effekte gesorgt haben. In der Summe notiert das Wachstum mit einer annualisierten Veränderungsrate von 1,4% jedoch auch weiterhin nicht auf einem wirklich schwachen Niveau.
Die nun gemeldeten vorläufigen BIP-Zahlen sind bekanntlich extrem revisionsanfällig. Ein wirklich sehr genauer Blick auf die Details sollte daher wohl noch vermieden werden. Trotzdem darf der interessierte Beobachter aber sicherlich bereits festhalten, dass sich die wichtige Konsumnachfrage der privaten Haushalte in den USA doch noch eine Spur stärker hätte präsentieren können.
Ganz grundsätzlich dürfte der Boom im KI-Segment der US-Ökonomie der Wirtschaft der Vereinigten Staaten in der näheren Zukunft helfen. Für den Arbeitsmarkt der USA ist diese Technik allerdings zugleich Fluch und Segen. Niedrigere Zinsen könnten perspektivisch der Bauwirtschaft unter die Arme greifen, die wohl auch weiterhin als ziemlich personalintensiv gelten darf. Im I. Quartal 2026 mag aber die ungewöhnlich ausgeprägte Kältewelle auch saisonbereinigt zu Belastungen bei der realen ökonomischen Aktivität geführt haben. Folglich würden sich dann im II. Quartal gewisse stützende Nachholeffekte zeigen müssen. Durch den „KI-Faktor“ könnten sich die BIP-Zahlen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten in der Tat recht spürbar von der Beschäftigungssituation lösen. Dieses Szenario wäre von hoher Relevanz für das FOMC.
Insofern müssen erfreuliche BIP-Zahlen nämlich nicht notwendigerweise größere Implikationen für die US-Notenbank haben. Aufgrund der Ziele der Fed sind insbesondere Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten weiterhin von ganz zentraler direkter Bedeutung für die zukünftige Gestaltung der Geldpolitik in den Vereinigten Staaten. Wir gehen auch weiterhin davon aus, dass das obere Band der Fed Funds Target Rate unter dem neuen Notenbankchef Kevin Warsh im III. Quartal 2026 auf einen Wert von 3,00% fallen wird. Auf dem Weg in diese Richtung werden die US-Zentralbanker wahrscheinlich regelrecht zu Spielbällen der Politik!
Fazit: Im IV. Quartal 2025 zeigte sich in den USA nach noch vorläufigen Angaben ein reales Wirtschaftswachstum von annualisiert „nur“ noch 1,4%. Der Shutdown hat ganz eindeutig zu Belastungen geführt. Die ökonomische Situation darf aber keinesfalls schon als von einer spürbaren Schwäche geprägt bezeichnet werden. Nun muss das KI-Segment der Ökonomie der Vereinigten Staaten sehr genau im Auge behalten werden. Der technische Fortschritt an dieser Stelle mag die BIP-Zahlen perspektivisch in gewissem Umfang von den Arbeitsmarktdaten entkoppeln.
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