Börse am Morgen: Bayer, Microsoft, Ölpreis, Kakao - Nord/LB Marktbericht
Im dt. Wohnungsbau scheint nach drei herausfordernden Jahren die frostige Zeit vorüber zu sein. 2025 stieg die Zahl der Baugenehmigungen erstmals seit 2021 wieder. Laut Stat. Bundesamt wurden 238.500 Wohnungen in neuen sowie bestehenden Gebäuden genehmigt. Das ist ein Plus von 10,8% ggü. 2024 (2024 war das Jahr mit den niedrigsten Genehmigungen seit 2010)! Bundesbauministerin Verena Hubertz spricht sogar von einer Trendwende. Dies spiegelt auch das vom Ifo-Institut berechnete Geschäftsklima wider. Das Barometer für die Unternehmensstimmung im dt. Wohnungsbau verbessert sich im Januar auf -20,9 Punkte (von -22,7). Neben dem Wohnungsbau waren im Jahr 2025 außerdem Baugenehmigungen für neue Einfamilienhäuser gefragt (hier kam es zu einem Anstieg von +17,2% auf 44.500).
Der Fachkräftemangel in Deutschland geht zurück. Im Januar meldeten nur noch 22,7% der Unternehmen ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, wie eine Umfrage des Ifo-Instituts offenbart. Im Oktober lag dieser Wert noch bei 25,8%. Damit adressieren so wenige Unternehmen wie seit fünf Jahren Probleme bei der Fachkräfteakquisition. Welche Branchen leiden weiter unter fehlendem Personal? Rechts- & Steuerberater (58,4%) sowie Leiharbeitsfirmen (56,6%) suchen besonders häufig gute Mitarbeiter.
Tagesausblick
Heute dominiert der Blick auf die linke Seite des Atlantiks. Neben neuen Zahlen zu den Erstanträgen Arbeitslosenhilfe werden Daten zum US-Außenhandel veröffentlicht. Es wird sich zeigen, ob sich die Handelsbilanz zuletzt verbessern konnte, wovon im Einjahresvergleich auszugehen ist. 1982 konnte das letzte Mal ein Handelsbilanzüberschuss ausgewiesen werden, was immer mal wieder – wie zuletzt auch – für Diskussionen sorgt. Eine ausgeglichenere Bilanz wird in Washington bekanntermaßen forciert, die Zeitreihe dürfte aber bis auf Weiteres negativ bleiben. Der ebenfalls erscheinende Philadelphia Index signalisiert voraussichtlich eine Abschwächung, was zunächst nicht unbedingt für eine Exportstärke der dortigen Industrie spricht.
Aktienmärkte
Ist am Aschermittwoch für Bayer alles vorbei? Noch am Dienstag sprangen die Aktien nach der Bekanntgabe eines Vergleichs im Glyphosat-Rechtstreit auf den höchsten Wert seit September 2023. Gestern dann die Retourkutsche. Rund 12% Kursverlust in der Spitze. Ob der ausgehandelte (bis zu USD 7,25 Mrd.) Vergleich final abgeschlossen ist, bleibt offen. Es ist immerhin noch ein Verfahren vor dem Obersten US-Gericht (Supreme Court) anhängig. Der Markt traut dem Braten und einem Ende der Odyssee noch nicht. Dem dt. Leitindex vermiesen die Leverkusener aber dennoch nicht die Stimmung. Gestern ging es 1,1% bergauf. Die 25.000 Punkte-Marke wurde locker gehalten.
An der Wall Street wirkte eine anhaltende Erholung bei Technologietiteln unterstützend. Auch hier grüne Vorzeichen. DAX +1,12%; TecDAX +1,11%; Dow 0,26%; Nasdaq C.+0,78% .
Unternehmen
Microsoft plant den durch den KI-Hype induzierten Energiebedarf seiner Rechenzentrum auch zukünftig vollständig mit „kohlenstoffarmen“ Strom zu decken. Der US-Konzern hat sein selbst gestecktes Ziel für 2025 erreicht. Insgesamt wurden Lieferverträge i. H. v. 40GW erneuerbare Energie abgeschlossen.
Rohstoffe
Die abgebrochenen Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine hievten die Ölpreise am Mittwoch um mehr als 3% in die Höhe. Auch die kürzlich zeitweilige Schließung der Straße von Hormus klingt noch nach. Ölhändler zeigen sich besorgt über den Fortschritt der Verhandlungen zwischen dem Iran und der USA. Die Meerenge ist schließlich eine wichtige weltweite Öltransportroute. In diesem Umfeld ruft die Slowakei indes sogar den Erdölnotstand aus und gestattet hierdurch die Freigabe von Notfallreserven. Die Ursache in Europa ist leicht identifiziert. Schon seit dem 27. Januar fließt über die Druschba-Pipeline kein schwarzes Gold mehr aus Russland (über die Ukraine). Russische Bombardierungen hatten die Pipeline zerstört. Bis über die Ölpipeline Adria aus Kroatien Erdöl bezogen werden kann, muss die Slowakei mindestens einen Zeitraum von 20 bis 30 Tagen überbrücken.
Der Kakaopreis ist zur Zeit massiv unter Druck. Mit GBP 2.234 pro Tonne notiert der Terminkontrakt an der Londoner Börse ICE auf dem tiefsten Stand seit Mitte 2023. Es herrscht ein Überangebot. In den wichtigen Anbauländern Ghana und der Elfenbeinküste existieren hohe bisher unverkaufte Lagerbestände und dies bei einer eher zurückhaltenden Nachfrage der Schokoladenproduzenten.
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