ZEW-Umfrage: Der Funke springt noch nicht über - Nord/LB
Soeben hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) aktuelle Ergebnisse seiner monatlichen Umfrage unter Finanzmarktexperten veröffentlicht. Demnach hat sich die seit dem Jahreswechsel beobachtbare kräftige Stimmungsaufhellung unter Finanzmarktexperten in Deutschland im Februar stabilisiert. Konkret treten die Konjunkturerwartungen im Vergleich zum Vormonat mit einem Stand von 58,3 Saldenpunkten im Grunde auf der Stelle. Gemessen an den im Vorfeld erhobenen Schätzungen von Analysten und Volkswirten ist das Scheitern an der Marke von 60 Punkten zwar eine gewisse Enttäuschung, doch bleibt dies weiterhin nichtsdestotrotz der höchste Stand seit Jahresmitte 2021. Interessanterweise hat sich hingegen die Lagebeurteilung weiter nach oben auf ein Niveau von -65,9 geschraubt und scheint sich nun sukzessive von den sehr niedrigen Ständen zu lösen.
Auch für die Eurozone signalisieren die Erwartungen mit einem Niveau von 39,4 zwar vorerst keinen weiteren Zugewinn an Optimismus unter den Befragten. Die Finanzmarktexperten und Analysten gehen damit aber insgesamt weiterhin davon aus, dass es in den kommenden sechs Monaten zu einer Beschleunigung des Wachstums kommt. Eine kleine positive Überraschung angesichts der mannigfaltigen Risken und Unwägbarkeiten war in diesem Zusammenhang bereits von den vorläufigen Wachstumsdaten Eurolands zum vierten Quartal 2025 von 1,3% Y/Y (real und saisonbereinigt) ausgegangen. Damit wuchs die Eurozone im gesamten Jahr 2025 um 1,5% und damit fast doppelt so schnell wie im Vorjahr (0,8%). Ein Anziehen der Dynamik wird damit bereits auch in den harten Konjunkturdaten erkennbar.
Der Februar-Datenkranz zur ZEW-Umfrage steht im Kontrast zum Sentix, dem „First Mover“ unter den monatlichen Stimmungsindikatoren, welcher letzte Woche erneut positive Signale sendete. Lage- und Erwartungswerte für Deutschland verbesserten sich entsprechend zum dritten Mal in Folge, wobei auch die überraschend deutlichen Anstiege in den Auftragseingängen der deutschen Industrie samt Auswirkungen für den Kapitalmarktausblick eine Rolle gespielt haben dürften. Die befragten Finanzmarktinvestoren zeigten sich zudem auch für den gesamten Euroraum zunehmend optimistischer. Auch die PMIs hatten ein weiteres Anziehen der ökonomischen Aktivität in der deutschen Wirtschaft signalisiert.
Allerdings muss der Funke noch auf die Privatwirtschaft überspringen, wie zumindest die Januar-Umfrage des ifo-Instituts belegt. Das Geschäftsklima und die Stimmung präsentierten sich hier noch frostig. Das unterstreicht das Bild einer fragilen Erholung bei zugleich erheblichen strukturellen Herausforderungen, insbesondere in der Industrie und bei den Privatinvestitionen. Die Fiskalpolitik hat mit dem Sondervermögen für Investitionen und Klimaneutralität zwar die Voraussetzungen für einen Abbau des öffentlichen Investitionsstaus geschaffen. Zeigen muss sich aber noch, dass der Funke der öffentlichen Investitionen endlich auf die Privatwirtschaft überspringt, um die Erholung nachhaltig zu stützen.
Fazit
Die heutigen Ergebnisse der ZEW-Befragungsrunde im Februar zeigen eine Stabilisierung der kräftigen Stimmungsaufhellung unter Finanzmarktexperten seit Jahresstart an. Die Konjunkturerwartungen für Deutschland treten mit einem Stand von 58,3 Punkten im Grunde auf der Stelle. Gemessen an den Konsensschätzungen ist das Scheitern an der Marke von 60 Punkten zwar eine gewisse Enttäuschung, doch bleibt dies dennoch der höchste Stand seit Mitte 2021. Interessanterweise hat sich hingegen die Lagebeurteilung weiter nach oben auf ein Niveau von -65,9 geschraubt und scheint sich nun sukzessive von den sehr niedrigen Ständen zu lösen. Die heutigen Daten spiegeln das Bild einer fragilen Erholung bei zugleich erheblichen strukturellen Herausforderungen, insbesondere in der Industrie und bei den Privatinvestitionen. Zeigen muss sich weiterhin noch, dass der Funke der öffentlichen Investitionen im Kontext des Sondervermögens endlich auf die Privatwirtschaft überspringt, um die Erholung nachhaltig zu stützen.
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