US-Industrie: Neues Jahr, neues Glück - Nord LB
Neues Jahr, neues Glück bei den US-Produzenten? Den heutigen Zahlen des ISM PMI für die Industrieunternehmen zufolge scheint sich das Glück schneller als erwartet einzustellen. Mit 52,6 Punkten konnte der Stimmungsindex ordentlich zulegen, die Produzenten schauen also – das erste Mal seit Februar 2025 – ziemlich optimistisch in das neue Jahr. Ob sich dieser Trend verstetigt, bleibt abzuwarten. Vielleicht könnte dies aber auch schon der erste Hinweis auf die nun doch erfolgende Reindustrialisierung sein. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, allerdings präsentieren sich auch die Komponenten stark.
Der tatsächlich realisierte Output, welcher über die Produktionskomponente abgebildet wird, stieg ebenfalls an und landet nun bei 55,9 Punkten (+5,2 Punkte). Die Auslastung der Betriebe konnte somit den dritten Monat in Folge verbessert werden. Auch die „Prices Paid“ sind angestiegen, bei den Vorprodukten musste man aber nur minimal tiefer in die Taschen greifen (+0,5 Punkte).
Die Arbeitsmarktkomponente verbleibt mit 48,1 Punkten noch im kontrahierenden Territorium. Mit einem Plus von 3,3 Punkten ist der Druck auf die Belegschaft aber wohl nicht mehr so hoch. In Summe dürften Arbeitsplätze noch abgebaut werden, möglicherweise zögern die Unternehmen aber auch einfach nur Neubesetzungen hinaus. Der am Freitag erscheinende Arbeitsmarktbericht wird über die Details allerdings mehr Auskunft ermöglichen.
Die leicht in die Zukunft schauenden Auftragsbücher wachsen nun wieder an, und zwar in einem Tempo, welches man zuletzt im Februar 2022 sehen konnte. Ein Anstieg um fast 10 Punkte dürfte sich operativ positiv auswirken und den Unternehmen eine gewisse Planungssicherheit geben. Die aktuelle Dollar-Schwäche dürfte bei den Einkaufsmanagern außerdem die Hoffnung genährt haben, dass die Nachfrage nach deren Erzeugnissen aufgrund dieses wettbewerblichen Preisvorteils auch im Ausland angestiegen ist. Die zuletzt verbesserte Außenhandelsbilanz der USA könnte ein Hinweis darauf sein, obwohl sich – auch aufgrund verschiedener anderer Entwicklungen – eine monokausale Herleitung verbietet. Die Gemengelage ist komplex, wie immer bei solchen Fragestellungen. Eine Verringerung des Außenhandelsdefizits aufgrund gestiegener Zölle hätte durch eine Aufwertung des US-Dollars in der Theorie zu einem „Null-Summen-Spiel“ führen sollen, durch die Abwertung des USD scheint aber gerade das Gegenteil einzutreten. Kurzum: Die Exportaufträge befinden sich mit 50,2 Punkten ebenfalls in der Expansionszone, was sicherlich auch am schwachen Dollar liegen mag.
Die präsentierten Zahlen und die verbalen Rückmeldungen scheinen sich bei der heutigen Veröffentlichung nicht so recht zu decken. Die Zölle – oder besser die erneute Androhung selbiger – lastet doch etwas auf den Gemütern der Befragungsteilnehmer. Andererseits werden auch konkrete Umsetzungsmaßnahmen zur Ausweitung von Produktionskapazitäten innerhalb der USA bzw. freundlich gesinnter Nationen genannt.
Fazit: Die heutigen Daten zur Einkaufsmanagerbefragung der US-Industrie überraschen mit 52,6 Punkten positiv. Eine Annäherung an die Expansionsschwelle war zwar abzusehen, dass diese so weit übersprungen wird, kommt allerdings früher als erwartet. Besonders die Auftragskomponente sticht mit einem Wachstum um nahezu 10 auf 57,1 Punkte ins Auge und dürfte den Unternehmen eine gewisse operative Planungssicherheit geben. Aber auch die Auslandsnachfrage konnte in den Wachstumsbereich steigen, was sicherlich an einem zuletzt ziemlich schwachen US-Dollar liegen könnte. Die heutigen Daten sind möglicherweise ein gewisses Indiz dafür, dass sich Tendenzen der Reindustrialisierung doch noch langsam materialisieren.
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