Rekorde im Superzyklus - Börse München
Weder die Berichtssaison noch die moderateren Töne von Donald Trump konnten die Anleger motivieren, den Dax in die Höhe zu treiben. Die Stimmung entspricht der aktuellen Wetterlage – unterkühlt.
Die Wachstumsprognose der Bundesregierung im nun vorgelegten Jahreswirtschaftsbericht fällt verhalten aus: Mit 1 Prozent rechnet die Regierung, einschließlich Frühjahr-, Sommer-, Herbst- und Winterreformen, wie zu hoffen bleibt, wenn man sich denn einig wäre: „Jahreswirtschaftsbericht zeigt starken Dissens von CDU und SPD“, stellt das Handelsblatt fest. Wenn es mit Mercusor schon nicht geklappt hat, mit Indien soll es jetzt funktionieren, da dauerten die Verhandlungen auch „nur“ knapp 20 Jahre: „Deutliche Zollsenkung erwartet – EU schließt wichtigen Deal mit Indien“, heißt es dazu ebenfalls im Handelsblatt. „Indien wird enger Partner der EU“, freut sich die Süddeutsche Zeitung.
Eine Schaufel bunter Bullen
Mit einem bunten Bullen macht Der Aktionär auf, denn das stattliche Tier, das uns auf dem aktuellen Titel entgegen trottet, ist in den Farben unterschiedlicher Fahnen bemalt, von Europa über Großbritannien und Australien bis China, wenn wir richtig gesehen haben. Das Magazin verspricht eine wahrhaft „Grenzenlose Rally“. „Überall Rekorde! Mit diesen 7 Aktien Chance auf bis zu 140 Prozent“, heißt es mit vermindertem Satzbau weiter. Die Mag7 sind dieses Mal nicht gemeint, so viel sei verraten. Eine ganze Radladerschaufel voller Gold- und Silberbrocken präsentiert uns Börse Online: „Top-Titel für den Superzyklus“, nämlich „Aktien, Fonds, Derivate – alles für den Rohstoff-Boom“. Keine Sorge, Sie müssen keine Rohstoffe im Keller bunkern. Fehlt noch Focus Money. Das Magazin zeigt uns herangezoomt einen Ein-Dollar-Schein. Doch wo uns sonst George Washington Mona-Lisa-mäßig fixiert, feixt uns hier Donald Trump ins Gesicht. Denn, es gibt die „Trump-Börse“ oder: „Wie der US-Präsident die Märkte in Atem hält und welche riesigen Gewinnchancen dadurch entstehen“. Nun, unsere Börsensysteme hält er auch in Atem…
Teilzeit
Wir haben verstanden. Wir arbeiten zu wenig. Wir gehen zu früh in Rente. Überstunden sind uns ein Fremdwort. Wir machen zu oft blau. Arbeit widerspricht unserem „Lifestyle“. Wer also ist schuld an der Misere der deutschen Wirtschaft? Diejenigen, die arbeiten und Steuern in jährlich steigender Rekordhöhe zahlen. Von wegen Vorschriftendschungel, überbordende Bürokratie, nicht wettbewerbsfähige Energiepreise, ein überlasteter Sozialstaat oder gar irgendwelche Zölle Made in USA. Und dann wollen oder müssen viele von uns auch noch Teilzeit arbeiten. Wir wollen das hier nicht näher ausführen (es gäbe einiges anzumerken), zum Beispiel, dass es psychisch oder physisch anstrengende Jobs gibt, weil nicht jeder im warmen Büro sitzen kann, um darüber nachzudenken, wie andere arbeiten sollen: „Die Wahrheit über „Lifestyle-Teilzeit“ versucht Die Welt zu klären, während die Süddeutsche Zeitung fragt: „Warum so viele Menschen in Teilzeit arbeiten“ und Der Spiegel es einmal mehr besser weiß und rät: „Mehr Vollzeit wagen“. Und noch eine Anmerkung zur Aufregung: Abschaffen wollte die Teilzeit niemand…
Europas Stärke
Wir haben bereits darüber berichtet, dass 25 Jahre Verhandeln zwischen der EU und Südamerika (also Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) immer noch nicht ausgereicht haben, um ganz sicher zu sein, dass auch richtig verhandelt wurde. Da Europa aber eigenständiger und unabhängiger von den USA werden will, sind Handelsverträge mit Alternativen von Nöten. Deutlich schneller soll es nun mit Indien gehen, ein prosperierender und riesiger Markt – in Summe kommen 2 Milliarden Menschen zusammen. Da verhandelt man auch erst seit knapp 20 Jahren und jetzt sollen tatsächlich bestehende Barrieren und Zölle abgebaut werden. „Die Mutter aller Deals“, zitiert Die Welt Frau von der Leyen. Aber es muss noch unterschrieben werden, ob das klappt?
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
