US-Notenbanksitzung am 28. Januar 2026: Eine taubenhafte Pause - DWS
Wie erwartet hat die US-Notenbank die Leitzinsen bei 3,5 bis 3,75 Prozent auf ihrer ersten Sitzung des Jahres belassen. Die Entscheidung fiel nicht einstimmig: Stephen Miran und Christopher Waller stimmten jeweils für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte. Die Pressemitteilung spiegelt einen etwas positiveren Ausblick auf den Arbeitsmarkt wider, frühere Hinweise auf Abwärtsrisiken wurden weggelassen. Zwar seien „die Beschäftigungszuwächse weiterhin gering“, jedoch wurde auch konstatiert, dass die Arbeitslosenquote „Anzeichen einer Stabilisierung zeigt“. Die Einschätzung, dass die Inflation „immer noch etwas erhöht“ ist, blieb indes unverändert. Zudem scheinen die Zentralbanker hinsichtlich der wirtschaftlichen Dynamik etwas optimistischer zu sein: Die aktuellen Daten deuten darauf hin, dass die Volkswirtschaft mit „solidem Tempo“ wächst.
Auf der Pressekonferenz sagte der Vorsitzende Powell, dass die aktuellen Zinssätze der Situation angemessen seien. Erneut ein klarer Hinweis, dass die Zentralbanker es nicht eilig haben, die Zinsen weiter zu senken. Vergangene Zinssenkungen unterstützten den Arbeitsmarkt, während die Disinflation im Dienstleistungssektor offenbar anhielt. Unterdessen wird die Wareninflation weiterhin von Zöllen beeinflusst, die wahrscheinlich weiterhin als vorübergehend angesehen werden. Auf die Frage, wie restriktiv die aktuelle Geldpolitik sei, sagte Powell, dass die Zinssätze am "oberen Ende" der neutralen Schätzungen liegen, und fügte hinzu, dass manche sie bereits als neutral ansehen könnten. Powell lehnte es ab, Fragen zu politischen Themen und zur Situation des US-Dollars zu beantworten, und sagte wiederholt: "Ich habe nichts für Sie."
Insgesamt scheint es, als hätten sich die meisten Zentralbanker auf eine taubenhafte Pause geeinigt. Die Neueinstellungen bleiben schwach, aber die Arbeitslosigkeit liegt weiterhin auf relativ niedrigem Niveau, nahe unserer Einschätzung der Vollbeschäftigung. Die Inflation wird wahrscheinlich weiterhin durch Zölle angetrieben. Unser Basisszenario bleibt, dass sie in den kommenden Monaten in Richtung des Notenbankziels sinken könnte. Datenabhängigkeit bleibt der Modus Operandi der Notenbanker. Hier können jedoch auch weitere Risiken bestehen. Die aktuellen Daten sind wahrscheinlich noch immer vom vergangenen Verwaltungsstillstand betroffen. Das Risiko ist hoch, dass sich dies zumindest teilweise bald wiederholen könnte. In einem solchen Umfeld – in dem Preisdruck wahrscheinlich vorübergehend ist und nicht durch den Arbeitsmarkt verursacht wird – war die dominierende Strategie in der Vergangenheit und ist es scheinbar auch heute noch: Geduld. Zumindest bis klar wird, dass der Preisdruck durch Zölle tatsächlich nachlässt, was laut Fed-Chef Powell Mitte 2026 der Fall sein könnte.
Christian Scherrmann, Chefvolkswirt USA, DWS
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