Börse am Morgen: Stabilus, Gold, Indien, Konjunkturdaten - Nord LB Marktbericht
Die Wirtschaftsstimmung der deutschen Unternehmen bleibt zum Jahresauftakt auf Basis der jüngsten ifo-Umfrage frostig. Der ifo-Geschäftsklimaindex verharrt im Januar überraschend auf dem Vormonatswert. Frappierend ist die Diskrepanz zu allen übrigen umfragebasierten Stimmungsindikatoren im Januar: sentix, ZEW und PMIs hatten teils deutliche Verbesserungen des Sentiments gemeldet. Im Zuge des Konflikts um Grönland hatte die geopolitische Unsicherheit wieder zugenommen, insbesondere die neuerlichen Zolldrohungen haben viele Unternehmen verschreckt. Die wie gewohnt sehr erratische Vorgehensweise von Donald Trump ist zwar keine wirkliche Beruhigung, sie könnte aber durch die unterschiedlichen Erhebungszeiträume der Umfragen starken Einfluss auf die Ergebnisse gehabt haben. Voreilige Rückschlüsse sollten aus der ifo-Umfrage jedenfalls nicht gezogen werden, weder für die Konjunkturprognose 2026 noch hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf die Geldpolitik der EZB.
Dazu passt: Die Bundesbank sieht die zuletzt vor sich hin dümpelnde deutsche Wirtschaft auf dem Weg der allmählichen Besserung. Sie werde sich voraussichtlich im Laufe des Jahres langsam erholen, erklärte Bundesbankchef Nagel. Für 2026 hat die Bundesbank für das kalenderbereinigte reale Bruttoinlandsprodukt ein Plus von 0,6% prognostiziert. Ab dem lfd. Jahr werde die expansive Fiskalpolitik das Wirtschaftswachstum deutlich stützen, erklärte Nagel. „Der kumulative Effekt zusätzlicher Staatsausgaben für Verteidigung und Infrastruktur wird bis 2028 voraussichtlich 1,3 Prozentpunkte zum BIP-Wachstum beitragen“. Darüber hinaus dürften Transferleistungen und Steuersenkungen die Einkommen von Haushalten und Unternehmen erhöhen.
Die deutsche Industrie hofft heute auf die Verkündung des seit langem angestrebten Freihandelsabkommens der EU mit Indien. Dies wäre ein echter Game-Changer, sagte der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Treier. „Das Abkommen kann die zum Teil beachtlichen Zollsätze und Handelshürden, die beim Eintritt zum indischen Markt für unsere Unternehmen zu beachten sind, helfen abzubauen“. Insbesondere wären signifikante Zollsenkungen für Industrieprodukte für Firmen aus dem Automobil- und Maschinenbau sowie dem Chemiesektor eine wünschenswerte Konjunkturhilfe. Das deutsch-indische Handelsvolumen betrug 2024 rund 31 Mrd. EUR. Aus Deutschland wurden Waren im Wert von 17 Mrd. EUR nach Indien exportiert, von dort Güter im Wert von 14 Mrd. EUR importiert. In den vergangenen 10 Jahren hat sich das Handelsvolumen fast verdoppelt.
Tagesausblick
Marktrelevante Zahlen sind heute insbesondere aus den USA zu erwarten, wobei der Case-Shiller Hauspreisindex von besonderer Bedeutung sein dürfte. Dieser Index, welcher grob gesprochen auf den Verkaufspreisen von Einfamilienhäusern in den 20 größten Metropolen der USA basiert, wies zwischen Juli und Oktober 2025 ein Negativwachstum aus. Für den November gehen wir erstmals wieder von einer positiven Wachstumsrate aus, was v. a die Verkäuferseite erfreuen dürfte und ein Zeichen der möglicherweise steigenden Vitalität des dortigen Immobilienmarktes ist.
Aktienmärkte
Trotz der nicht verbesserten Stimmung in der deutschen Wirtschaft zum Jahresbeginn ist der deutsche Aktienmarkt wenig verändert in die neue Börsenwoche gestartet. Die neue Woche steht im Zeichen der Quartalsberichtssaison der Unternehmen. Mit der Deutschen Bank und SAP präsentieren z. B. die ersten beiden DAX-Mitglieder ihre Bilanzen. DAX +0,13%; MDAX +0,25%; TecDAX +0,17%.
Unternehmen
Der Industrie- und Autozulieferer Stabilus hat in Q1 seines Geschäftsjahres 2025/26 Einbußen bei Umsatz und Gewinn zu verkraften. Der Umsatz sei u. a. aufgrund von Währungseffekten und der schwierigen Marktentwicklung im Bereich Automotive um 10,7% auf 291,1 Mio. EUR gesunken. Das bereinigte betriebliche Ergebnis (EBIT) brach auf 29,3 (Vorjahr: 37,8) Mio. EUR ein.
Rohstoffe
Die Gier der Anleger nach Gold scheint unersättlich und treibt den Preis an den Börsen zu neuen Rekorden. Gestern kostete die Feinunze (31,1 Gramm) erstmals mehr als 5.000 USD. Geopolitische Krisen heizen die seit Monaten anhaltende Kursrally an. Doch auch die Nachfrage der Notenbanken, Absicherungswünsche gegen Schwankungen am Devisenmarkt und das gestiegene Interesse von Investmentfonds sorgen für anziehende Kurse.
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