Atempause am Aktienmarkt: U.a. mit Porsche, Siemens Energy, TKMS - Börse München
Die deutschen Aktienbörsen haben nach schwankendem Verlauf überwiegend leichter geschlossen. Beobachter sprachen von einer Konsolidierung, etliche Anleger hätten nach den Rekordständen zu Jahresbeginn Gewinne realisiert. Für Impulse sorgten weiterhin Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Erholung Deutschlands sowie Spekulationen über die US-Geldpolitik. In Bezug auf Letztere lieferten US-Konjunkturdaten allerdings unterschiedliche Signale. Während geringer als erwartet ausgefallene Inflationszahlen eine Zinssenkung durch die US-Notenbank Fed wahrscheinlicher werden ließen, dämpften stärkere Wirtschaftszahlen diese Aussicht. Zu Ende der Handelswoche verunsicherten zudem Drohungen der USA mit einem möglichen militärischen Eingreifen in Iran sowie Überlegungen von US-Präsident Donald Trump zu zusätzlichen Strafzöllen gegen Länder, die sich dem US-Anspruch auf Grönland widersetzten.
Der Deutsche Aktienindex (Dax), der zu Beginn der Handelswoche noch zweimal neue Rekordstände markiert hatte – am vergangenen Dienstag bei rund 25.507 Zählern –, verbesserte sich im Wochenvergleich letztlich geringfügig um 0,1 Prozent auf 25.297,13 Punkten. Der MDax gab dagegen 0,8 Prozent ab auf 31.899,26 Zähler. Der TecDax verlor 1,8 Prozent auf 3.751,10 Punkte. Der m:access All-Share büßte 2,3 Prozent ein auf 1.191,99 Zähler.
Größte Wochengewinner im Dax waren die Titel von Siemens Energy mit einem Aufschlag um 8,3 Prozent. Hier trieben wieder einmal die Erwartungen an das Thema Künstliche Intelligenz (KI). Im MDax kletterte der Kurs von TKMS nach einem Bericht über die Aussicht auf einen U-Boot-Auftrag aus Indien um 16,1 Prozent. Ein Minus von 10,5 Prozent verzeichneten dagegen die Titel der Porsche AG, die einerseits unter einer zeitweise schwachen Branchenstimmung, andererseits unter Berichten zu Aussagen bei einer Analystenkonferenz litten.
Die deutschen Anleihemärkte haben sich in der vergangenen Woche ohne eindeutigen Trend präsentiert. Nach einem wenig bewegten Wochenauftakt rückten zeitweise die geopolitischen Risiken, vor allem im Zusammenhang mit Iran, in den Fokus der Anleger, was die Notierungen der Bundespapier stützte. Zu Ende der Handelswoche dämpften dann aber Aussagen von US-Präsident Trump zur Nachfolge für Fed-Chef Jerome Powell die Stimmung. Trump hatte sich zurückhaltend gegenüber der bislang am Markt erwarteten Nominierung von Wirtschaftsberater Kevin Hassett als Nachfolger von Powell geäußert. Dies minderte die Zinssenkungsfantasien. Im Wochenvergleich rückte die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe von 2,83 auf 2,84 Prozent vor. Die Umlaufrendite ging dagegen von 2,76 auf 2,73 Prozent zurück.
Die US-Aktienbörsen haben in der vergangenen Woche keine klare Richtung gefunden und schwächer geschlossen. Zeitweilig belasteten Quartalszahlen, am vergangenen Freitag sorgten die Aussagen von US-Präsident Trump zur Nachfolge für Fed-Chef Jerome Powell für Irritationen bei den Marktteilnehmern. Konjunkturdaten blieben öfters ohne nennenswerte Auswirkungen auf das Handelsgeschehen. Der Dow-Jones-Index reduzierte sich im Wochenvergleich um 0,3 Prozent auf 49.359,33 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 sank um 0,4 Prozent auf 6.940,01 Zähler. Der technologielastige Nasdaq-100 gab 0,9 Prozent ab auf 25.529,26 Punkte.
Ausblick
Eigentlich hatten sich etliche Analysten nach der jüngsten Konsolidierungsbewegung für die aktuelle Woche neue Gewinne an den deutschen Aktienbörsen vorstellen können, doch dann kam einmal mehr US-Präsident Trump. Mit der Konkretisierung der bereits am vergangenen Freitag angesprochen Pläne, Länder, die sich gegen eine US-Übernahme Grönlands stellen, mit neuen Strafzöllen zu belegen, sorgte Trump am vergangenen Samstag für erhebliche Unruhe. Diese dürfte sich zumindest zu Wochenstart negativ im Handelsgeschehen bemerkbar machen, zumal aus den USA Impulse ausbleiben dürften - dort bleiben die Börsen am Montag wegen des Feiertags Martin Luther King Day geschlossen. Insgesamt hat das Thema nach Ansicht von Beobachtern das Potenzial, das Marktgeschehen längerfristig zu belasten.
Von dem wieder in den Fokus gerückten Zollthema abgesehen könnte auch ein zweiter geopolitischer Risikofaktor die Stimmung beeinflussen. Nachdem sich die Berichte über das Vorgehen des Regimes in Iran häufen, könnten die Spekulationen über ein US-amerikanisches Eingreifen wieder zunehmen, samt der Unsicherheit, die ein solches mit sich bringen könnte. Nachrichten zu beiden Themenkomplexen könnte es im Umfeld des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos geben, hier wird unter anderem der US-Präsident erwartet.
Je nach politischer Nachrichtenlage könnten auch Konjunkturdaten in den kommenden Tagen für Impulse sorgen, hier steht eine Reihe hochkarätiger Veröffentlichungen an. Zu den wichtigsten aus Deutschland und der Eurozone zählen die Einkaufsmanagerindizes, die ZEW-Konjunkturerwartungen sowie Erzeuger- und Verbraucherpreisdaten. Aus den USA kommen unter anderem das Bruttoinlandsprodukt sowie Verbrauchervertrauen.
Und auch die Berichtssaison dürfte sich wieder der Aufmerksamkeit sicher sein. Hierzulande ist die Zahl der vorgelegten Zahlen und Ausblicke zwar noch übersichtlich und stammt nicht aus der ersten Börsenreihe, anders sieht es mit den USA aus. Dort geben unter anderem der Mischkonzern 3M, der Streaming-Riese Netflix sowie die Fluggesellschaft United Airlines Einblicke in ihre Bücher.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Montag, 19.01.: Verbraucherpreise in der Eurozone; US-Börsen feiertagsbedingt geschlossen
Dienstag, 20.01.: ZEW-Konjunkturerwartungen (Deutschland); Erzeugerpreise in Deutschland
Donnerstag, 22.01.: Protokoll der vergangenen Ratssitzung der Europäischen Zentralbank; Bruttoinlandsprodukt der USA; Persönliche Einkommen und Ausgaben in den USA
Freitag, 23.01.: Einkaufsmanagerindizes für Deutschland und die Eurozone; Verbrauchervertrauen der Universität Michigan (USA); Inflationserwartungen der Verbraucher in den USA; Ergebnis der Ratssitzung der Bank of Japan
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