Die Welt im Depot - Börse München
Der Streit um Grönland geht auch in dieser Woche weiter – so oft war die Insel wohl noch nie in den Medien seit Erik dem Roten. In Japan sind Neuwahlen angekündigt, das hat die Finanzmärkte etwas beschäftigt, aber nicht zur Gänze überrascht. Unser Kanzler ist in Indien. Soviel zur Welt, ansonsten ist überwiegend Alltag angesagt samt Allzeithoch im Dax.
Wachstum mit der Lupe
Die deutsche Wirtschaft ist im Jahr 2025 erstmals nach zwei Jahren Rezession wieder gewachsen. Mit gerade einmal 0,2 Prozent ist es aber noch ein äußerst zaghaftes Pflänzchen. Vielleicht gibt es ja neuen Antrieb, immerhin ist das Freihandelsabkommen mit Südamerika endlich unter Dach: „Mercosur birgt großes Potenzial“, schreibt die Börsen-Zeitung, Europa hat ja gerade mal 25 Jahre darüber verhandelt. Mit Indien wird ebenfalls verhandelt, wir freuen uns auf das Jahr 2050. Ohne Zweifel, 2025 war ein gutes Börsenjahr. Und das Schöne: Viele profitieren davon. Nach den neuesten Zahlen des Deutschen Aktieninstituts steigt das Interesse an Aktien: „Mehr als 14 Millionen Deutsche besitzen Aktien“, so Der Spiegel. „Warum plötzlich so viele junge Menschen an der Börse investieren“, fragt sich die Süddeutsche Zeitung. Die Genossen denken über eine Reform nach und wir ahnen, es geht vor allem darum, Geld der Bürger in die nimmersatten Kassen des Staates zu lenken. „SPD legt Konzept vor für Reform der Erbschaftssteuer“, holpert Die Welt in einer Schlagzeile.
50 oder 100?
Nachdem die Geopolitik eine so große Rolle spielt, geht Focus Money gleich in die Vollen: „Das perfekte Welt-Depot“, präsentiert uns die aktuelle Ausgabe: „Einmalige Chancen nutzen, neue Risiken vermeiden“. Nichts leichter als das, gibt es doch „50 Aktien, Fonds und ETFs mit bis zu 50 Prozent Rendite“. Gewichtig hält Börse Online mit einer Langhantel samt schweren Gewichten im EU-Look dagegen: „Massive Kaufchancen“ sind gemeint, oder genauer: „13 Value-Aktien, 50 Prozent Potenzial, 6 Prozent Dividende, geringes Währungsrisiko“. 50 Prozent, denkt sich wohl Der Aktionär, das kann doch noch getoppt werden: „100 Prozent bis Ostern“. Denn: „Venezuela, Rüstung, Energie zünden: Diese Aktien gehen jetzt an der Börse ab“. Uns an der Börse gehen sie jedoch nicht ab, wir haben sie alle! Einen etwas längeren Zeithorizont nimmt Euro am Sonntag ins Visier: „Jahrhundert-Deal! – Diese deutsche Aktien zünden jetzt den KI-Turbo“.
Stillstand
Für ein gewisses Nachspiel sorgt das Wetterchaos, soweit es überhaupt eingetroffen war. Schneesturm oder Winterwetter sind ja oftmals Ansichtssache. Insofern war die Headline im Münchner Merkur etwas zweideutig: „Bahn verteidigt Winter-Ausfälle“. Gemeint waren natürlich ausgefallene Züge, nicht der Winter. Laut Bahn-Chefin Evelyn Palla habe die Sicherheit der Reisenden in jedem Fall vorzugehen. Die Wetterlage sei „dynamisch“ gewesen, die Bahn jedenfalls eher nicht. Denn die stand still, Fernzüge blieben im Bahnhof stehen, aus Furcht vor der „Unbekannten“, der Wetterlage nämlich. Das sei besser, als auf freier Strecke stehenzubleiben, denn das könne gefährlich werden. Wir lernen daraus vor allem eines: Am sichersten reist es sich, wenn man gar nicht reist. „Deutscher Alarmismus“, so nennt Die Welt unsere Hysterie vor Schneesturm Elli.
Mensch KI
Wir, als menschliche Spezies im allgemeinen, und wir, die schreibende Zunft im Besonderen, überschätzen uns gerne. Halten uns viel auf unsere logische Kompetenz und Denkfähigkeit zu Gute. Damit sind wir nicht allein, wie jetzt eine Studie belegt: „Wie die KI die Menschen überschätzt“, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Kollege Roboter hält uns für rationaler und logischer denkend, als wir wirklich sind. Die Begründung liefert ein beliebtes Experiment aus der Wirtschaftsforschung, das eigentlich Entscheidungen beispielsweise an der Börse erklären soll. „Guess the Number“, so heißt das Spiel. Man wähle eine Zahl zwischen null und 100 und wer am nächsten an zwei Dritteln des Durchschnitts aller gewählten Zahlen liegt, hat gewonnen. Man kann dies mit Logik ermitteln – was wir uns an dieser Stelle sparen, uns einmal nicht überschätzend – aber auch die meisten Probanden sparen sich dies und nennen einfach eine ihnen genehme Zahl, einen Geburtstag zum Beispiel. Das konnte die KI nicht nachvollziehen, vielleicht weil sie Schwierigkeiten mit Geburtstagen hat?
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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