Rekorde zum Jahresauftakt: u.a mit Hensoldt, Infineon, Rheinmetall - Börse München
Die deutschen Aktienbörsen haben in der vergangenen, ersten Handelswoche des Jahres überwiegend deutlich zugelegt. Hoffnungen auf eine Erholung der deutschen Wirtschaft, Kursgewinne an den US-Märkten sowie gut aufgenommene Konjunkturdaten versetzten die Anleger in Lauflaune. So fiel der Auftragseingang in der deutschen Industrie stärker aus als erwartet, die Inflationsraten in Deutschland und der Eurozone gingen zurück. Letzteres lies aus Sicht der Marktteilnehmer eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank unwahrscheinlicher werden. Der gemischt ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht wiederum stützte Spekulationen auf mehr Zinssenkungen durch die US-Notenbank als bislang erwartet. Die US-Militäraktion in Venezuela blieb ohne nennenswerten Einfluss auf das Handelsgeschehen.
Der Deutsche Aktienindex (Dax) übersprang am vergangenen Mittwoch erstmals in seiner Geschichte die Marke von 25.000 Zählern und beendete die Handelswoche bei 25.261,64 Punkten. Auf Wochensicht war dies ein Plus von 2,9 Prozent. Der MDax gewann im Wochenvergleich 3,8 Prozent auf 32.167,17 Zähler. Der TecDax kletterte um 5,4 Prozent auf 3.820,24 Punkte. Der m:access All-Share gab gegen den Trend 0,8 Prozent ab auf 1.219,86 Zähler.
Mit Abstand die größten Wochengewinner im Dax waren die Titel von Rheinmetall mit einem Sprung um 18,6 Prozent. Der Rüstungskonzern, der zwar größter Jahresgewinner 2025 gewesen war, im letzten Quartal aber deutliche Kurseinbußen hinnehmen musste, profitierte unter anderem davon, dass ein Ende des Ukraine-Kriegs nicht in Sicht ist, sowie von den Plänen von US-Präsident Donald Trump zur Erhöhung des Militärbudgets. Die Aktie von Infineon verteuerte sich um 8,6 Prozent, hier wirkte sich die in der vergangenen Woche gute Branchenstimmung positiv aus. Infineon ist auch im TecDax notiert. Im MDax stand wie im Dax mit Hensoldt ein Rüstungsunternehmen ganz oben auf dem Siegertreppchen, der Kurs legte um 19,5 Prozent zu.
Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten haben in der vergangenen Woche ein Auf und Ab vollführt, unter dem Strich aber zugelegt. In der ersten Wochenhälfte trieben die zeitweilige Unsicherheit vor dem Hintergrund der US-Aktion in Venezuela sowie niedriger als erwartet ausgefallene Teuerungsdaten aus der Eurozone die Notierungen der Bundespapiere. Die Inflationszahlen ließen Spekulationen auf eine Zinssenkung oder zumindest keine Zinserhöhung durch die EZB wachsen. Im Anschluss dämpften einige überraschend starke Konjunkturdaten, egalisierten die vorangegangenen Kurssteigerungen allerdings nicht. Im Wochenvergleich sank die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe von 2,89 auf 2,83 Prozent. Die Umlaufrendite reduzierte sich von 2,79 auf 2,76 Prozent.
Die US-Aktienbörsen haben in der vergangenen Woche deutlich im Plus geschlossen. Die Spekulationen auf sinkende Leitzinsen ließen die Anleger zu den Dividendenpapieren greifen. Zu Wochenbeginn waren nach der US-Militäraktion Ölwerte gefragt, da sich Investoren Chancen in Venezuela versprachen. Der Dow-Jones-Index legte im Wochenvergleich um 2,3 Prozent zu auf 49.504,07 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 1,6 Prozent auf 6.966,28 Zähler. Beide Indizes verzeichneten im Wochenverlauf neue Rekordstände. Der technologielastige Nasdaq-100 gewann 2,2 Prozent auf 25.766,26 Punkte.
Ausblick
Nach der erfolgreichen Vorwoche trauen viele Analysten den deutschen Aktienmärkten auch in den kommenden Tagen eine gute Entwicklung zu. Einer der Treiber sei weiter die Hoffnung auf einer wirtschaftliche Erholung Deutschlands, die in der vergangenen Woche dank Konjunkturdaten neue Nahrung bekommen hatte.
Daneben könnten Spekulationen auf eine lockerere Geldpolitik der Fed als Impulsgeber dienen. Hierbei dürften die Marktteilnehmer unter anderem auf die Verbraucherpreise achten - sollten diese im Rahmen oder unterhalb der Prognosen ausfallen, dürfte das die Zinssenkungshoffnungen wachsen lassen, im umgekehrten Fall könnte es zu einem Dämpfer kommen.
Marktbewegende Signale könnte auch die Unternehmensseite liefern. In den USA veröffentlichen mit Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan, Morgan Stanley und Wells Fargo sechs Großbanken ihre Zahlen und läuten damit die Berichtssaison ein. Die Ergebnisse und Ausblicke könnten auch über den Bankensektor hinaus spürbaren Einfluss haben.
Einen Risikofaktor sehen Beobachter in den geopolitischen Umständen. Neben den bekannten Krisen wird hier auch die aktuelle Außenpolitik der USA genannt. Das Vorgehen in Venezuela blieb zwar bislang ohne größere Auswirkungen auf die Märkte, dass US-Präsident Donald Trump auch andere Länder adressiert, könnte aber doch zur Verunsicherung führen, heißt es.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Dienstag, 13.01.: Verbraucherpreise in den USA; ADP-Arbeitsmarktbericht (USA)
Mittwoch, 14.01.: Einzelhandelsumsätze in den USA; Erzeugerpreise in den USA
Donnerstag, 15.01.: Großhandelspreise in Deutschland; Industrieproduktion in der Eurozone; New York Empire State Einkaufsmanagerindex (USA); Philadelphia Fed Einkaufsmanagerindex (USA); Import- und Exportpreise in den USA
Freitag, 16.01.: Verbraucherpreise in Deutschland; Industrieproduktion in den USA
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