Börse am Morgen: Baywa, Stellantis, Thyssenkrupp, Konjunkturdaten - Nord LB Marktbericht
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) schaut mit Zurückhaltung auf die Entwicklung des dt. Arbeitsmarktes im Jahr 2026. Die immer noch anhaltende, schwache Wirtschaft hinterlässt weiter ihre Spuren. 2025 lag die Arbeitslosenquote bei 6,3%. Dies korrespondiert mit der höchsten Arbeitslosigkeit seit zwölf Jahren. 2,948 Mio. Menschen waren im 2025-Jahresdurchschnitt ohne Beschäftigung. Wie geht es weiter? Unternehmen fragen kaum neues Personal an. In 2025 wurden so wenige neue Stellen wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr gemeldet. Andrea Nahles (BA-Chefin) fasst es wie folgt zusammen: „Die rechnerische Chance von Arbeitslosen, eine Beschäftigung aufzunehmen, war so niedrig wie nie.“ Kontrovers: Der Fachkräftemangel bleibt ein Problem.
Laut den neuen Daten des EU-Statistikamtes Eurostat ist die Inflation in der Euro-Zone (wie zuvor erwartet) weiter rückläufig. Im Dezember notiert die Teuerung bei 2,0% und damit exakt auf dem Zielwert der Europäischen Zentralbank. In Deutschland fiel die Inflation im Dezember sogar auf 1,8% (niedrigster Wert sei mehr als einem Jahr (09/24: 1,6%)).
Tagesausblick
In der Eurozone stehen monatliche Stimmungsindikatoren an, begleitet von aktuellen Arbeitslosenzahlen – ein erster Temperaturtest für die Konjunkturentwicklung. In Deutschland erwarten wir die Industrieaufträge im November, die auf Stabilität im produzierenden Gewerbe hindeuten dürften. Aus den USA könnten vorläufige Produktivitätsdaten über das vierte Quartal Aufschluss über den volkswirtschaftlichen Effizienztrend geben. Auf der Notenbankseite bleibt es ruhig, da die nächste Fed-Sitzung erst Ende Januar ansteht. Unternehmensseitig berichten zwar einzelne internationale Konzerne, darunter Fast?Retailing, Tesco und Sodexo, über ihre Quartalszahlen. Die eigentliche Berichtssaison startet allerdings erst Mitte der nächsten Woche traditionell mit den Veröffentlichungen der US-Banken.
Renten- und Aktienmärkte
Anlagen in US- und EUR- Staatsanleihen waren zur Mitte der Woche gesucht. Amerikanische Staatsanleihen (US-Treasuries mit 10 Jahre Laufzeit) rentierten bei 4,14% (minus 3bp). Auch in Europa steigen die Kurse (resp. Fallen die Renditen). Die europ. Inflation hat im Dezember eine Punktlandung auf 2% hingelegt. Renditen dt. 10-jähriger Bunds fallen auf 2,81% (minus 3bp). Anleihen der Peripherie performen im Gleichklang. Auch hier fallende Zinsen.
Es ist vollbracht. Beim DAX ist die 25.000er Marke geknackt. Wieder ein neuer Rekord. Geopolitische Risiken tangieren die Finanzmärkte immer weniger. Wie war das noch? Wird an der Börse vorher geklingelt?
DAX +0,92%; MDAX +1,24%; TecDAX +1,18%; Dow Jones -0,95%; S&P 500 -0,34%; Nasdaq Comp. +0,16%.
Unternehmen
Thyssenkrupp überlegt den sukzessiven Verkauf seiner Stahlsparte an die indische Jindal Steel International. Insidern zufolge wird derzeit an einer praktikablen Lösung für das hochkomplexe Geschäft gearbeitet. Thyssenkrupp schiebt Pensionslasten i. H. v. EUR 2,5 Mrd. vor sich her. Die Pensionsverpflichtungen waren in der Vergangenheit schon mehrfach ein Hinderungsgrund bei Verkaufsversuchen. Jetzt ist ein erster Teilverkauf an Jindal von 60% gefolgt von weiteren Tranchen im Gespräch. Über diesen Ansatz wäre es Thyssenkrupp möglich die Absicherung der Pensionsverpflichtungen zu strecken. An der Börse kamen die Nachrichten richtig gut an.
Stellantis (Hersteller von Automarken wie Alfa Romeo, Chrysler, Citroen, Dodge, Fiat, Jeep, Lancia, Maserati und Opel) leidet in Italien unter einem Produktionseinbruch von rd. 20%. Laut Gewerkschaftsangaben wurden im vergangenen Jahr nur noch 379.706 Fahrzeuge produziert (dies ist der niedrigste Stand seit dem Jahr 1954). Ursache für den Produktionsrückgang sind eine schwache europäische Nachfrage (insbesondere bei E-Fahrzeugen), eine wachsende chinesische Konkurrenz sowie Verzögerungen bei der Einführung neuer Modelle.
Der negative Newsflow nimmt bei Baywa (Agrarkonzern aus München) nicht ab. CEO Frank Hiller ist unter massivem Druck. Laut Nachrichtenagentur Reuters steht ein Wechsel bevor. Heute wird der Aufsichtsrat schon zum zweiten Mal in dieser Woche tagen. Die Unzufriedenheit der Eigentümer hatte in den letzten Monaten zugenommen. Kritisiert wird eine fehlende strategische Vision. Baywa steckt weiter bis zum Hals in der Sanierung.
Devisen
Der EUR/USD Kurs blieb am Mittwoch stabil. Die Dezember-Inflation von 2% in der Eurozone liefert keine neuen Impulse.
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