Börse am Morgen: AMD, Nvidia, Auto-Branche, Kupfer, Konjunkturdaten - Nord LB Marktbericht
Die Inflationsrate ist in Deutschland im Dezember stärker gefallen als erwartet. Gegenüber dem Vorjahresmonat schwächte sich die Inflation auf 1,8% Y/Y (HVPI: 2,0% Y/Y) ab. Der deutliche Rückprall ist vor allem auf niedrigere Kraftstoffpreise und die volatile Komponente der Pauschalreisen zurückzuführen. Der Rückgang der Kernrate auf 2,4% Y/Y sollte daher nicht überbewertet werden, zumal die Preisentwicklung bei Dienstleistungen unverändert hartnäckig bleibt. Im Euroraum insgesamt deutet sich zum Jahresende 2025 ebenfalls eine Abschwächung des Preisdrucks an. Die aus unserer Sicht ohnehin überzogenen Wetten einiger Marktteilnehmer auf eine Zinserhöhung der EZB bereits in diesem Jahr dürften damit vorerst wieder in der Schublade verschwinden. An den Märkten wurden entsprechende Spekulationen heute deutlich ausgepreist. Die EZB dürfte sich in ihrer Einschätzung bestätigt sehen, dass das gegenwärtige Leitzinsniveau angemessen ist – eine mögliche Zinsanhebung liegt jedoch in weiter Ferne.
Tagesausblick
Die vorläufigen HVPI-Daten aus der Eurozone für den Monat Dezember dürften heute bestätigen, dass auf Sicht weiterhin kein geldpolitischer Handlungsbedarf besteht. Die gestrigen freundlichen Daten für die Inflationsentwicklung in Deutschland deuten dies bereits an. Gegenwärtige Stimmen aus dem EZB-Rat bekräftigen diese Einschätzung ebenfalls. Aus den USA kommen am Nachmittag aktuelle Daten zum ISM Services PMI, auf den als wichtiger Indikator für die konjunkturelle Dynamik im bekanntermaßen gewichtigen US-Dienstleistungssektor zu achten sein wird.
Aktienmärkte
Trotz der zunehmenden geopolitischen Spannungen waren Anleger am deutschen Aktienmarkt zunächst weiter in Kauflaune. Der DAX nahm die 25.000-Punkte-Marke ins Visier, nachdem der deutsche Leitindex zum Wochenstart die im Oktober aufgestellte Bestmarke übersprungen hatte. Im Zuge eines abebbenden Schwungs an den US-Börsen schmolzen die Gewinne jedoch wieder. DAX +0,09%; MDAX +0,69%; TecDAX +1,33%.
Nach einem verhaltenen Handelsstart setzte sich unter Anlegern an der Wall Street eine positive Stimmung durch. Für Kauflaune sorgten neu entflammte Zinshoffnungen sowie Gewinne bei Aktien aus dem Technologie- und Gesundheitssektor. Dow Jones +0,99%; S&P 500 +0,62%; Nasdaq Comp. +0,65%.
Unternehmen
Nvidia und AMD haben im Rennen um leistungsstarke KI-Prozessoren eine neue Runde eingeläutet. Die beiden Chipkonzerne präsentierten ihre neuesten Produkte auf der Technikmesse CES in Las Vegas. Dabei teilte z. B. Nvidia-Chef Huang mit, dass die Massenfertigung des neuen Spitzenprozessors „Vera Rubin“ angelaufen sei. Dieser liefere im Vergleich zur vorherigen Generation die fünffache Leistung. „Vera Rubin“ besteht aus 6 einzelnen Chips, die 72 Grafikrecheneinheiten und 36 Zentralprozessoren beinhalten. Würden mehrere Prozessoren zusammengeschaltet, könnten sie KI-Anfragen um das Zehnfache effizienter abarbeiten als bisherige Chips.
Der Automarkt in Deutschland ist im vergangenen Jahr leicht gewachsen. Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen lag mit 2,9 Mio. Fahrzeugen 1,4% über dem Vorjahreswert, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mitteilte. Der Dezember brachte mit einem Plus von fast 10% ggü. dem Vorjahresmonat der schleppenden Entwicklung einen Schub. Die Nachfrage hat sich vom Einbruch durch die Corona-Pandemie vor fünf Jahren aber weiter nicht durchgreifend erholt - 2019 rollten noch 3,6 Mio. Neuwagen auf die Straßen.
Der Umstieg auf das Elektroauto wird nach Einschätzung von Branchenkennern in Deutschland auch dank der geplanten Kaufprämie in diesem Jahr vorankommen. Nach einer Erholung des Marktanteils neuer reiner batterieelektrischer Autos (BEV) auf 19% im vergangenen Jahr sagen Verbände und Autoforscher für 2026 einen Zuwachs auf 25% voraus.
Rohstoffe
Wie schon zu Wochenbeginn fand der EUR auch gestern keine klare Richtung. Zuletzt präsentierte sich der USD ggü. dem EUR und fast allen anderen wichtigen Währungen stärker. Insgesamt aber hielten sich die Bewegungen in Grenzen.
Die Furcht vor Engpässen trieb den Kupferpreis auf ein neues Rekordhoch (+3% auf 13.387 USD je t). Neue Störungen in Minen und die Furcht vor regionalen Verwerfungen infolge der US-Zölle stützten den Markt, äußerten Händler. Kupfer ist der heimliche Gewinner des KI-Booms, da der Ausbau von Rechenzentren entlang der gesamten Wertschöpfungskette kupferintensiv sei.
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