Börse am Morgen: DAX, Gold, Silber, Ölpreis, Konjunkturdaten - Nord LB Marktbericht
Zu Beginn des Jahres bleibt die makroökonomische Nachrichtenlage gewohnt dünn. Alle Markteilnehmer müssen erst ein Mal aus den Weihnachtsferien zurück an ihre Arbeitsplätze. Gestern gab es aber schon Nachrichten aus den USA. Erwartungsgemäß konnte der ISM Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie – trotz sehr starker BIP-Zahlen im III. Quartal und derzeit wirklich erfreulichen Angaben zum Atlanta Fed GDPNow im IV. Quartal – im Berichtsmonat Dezember aber nicht über die magische Marke von 50 Zählern springen. Der wichtige nordamerikanische Stimmungsindikator notiert am Jahresende 2025 bei einem Wert von lediglich 47,9 Punkten; die Zeitreihe zeigt damit nach mechanistischer Definition weiterhin kein Zulegen der ökonomischen Aktivität an. Folglich liefert dieser Einkaufsmanagerindex bisher keine Anzeichen für die vom Weißen Haus eigentlich gewünschte Reindustrialisierung der USA.
Wochen-/Tagesausblick
Die erste volle Handelswoche des Jahres hält heute die vorläufigen Dezember-Inflationsdaten für Deutschland bereit. Die Teuerung bewegt sich bereits seit Monaten nahe dem Stabilitätsziel, auf eine größere Dynamik haben sich die Marktteilnehmer entsprechend auch nicht eingestellt. Der Fokus bei den Daten liegt vielmehr auf einer seichten Abschwächung der Preisentwicklung in Deutschland.
Renten- und Aktienmärkte
Am europ. Rentenmarkt begann das Jahr verkatert. Im traditionell emissionsstarken Monat Januar zogen die Renditen langlaufender Anleihen schon in den ersten Handelstagen des neuen Jahres weiter an. Die Renditen 30-jähriger ital. Staatsanleihen stiegen bspw. bis auf 4,48% und damit auf den höchsten Stand seit Oktober. Auch dt. Bunds konnten sich diesem Markttrend nicht entziehen. Mit einer Rendite von rd. 3,51% notieren 30-jährige dt. Staatsanleihen derzeit auf dem höchsten Punkt seit 2011. Gestern kam es dann aber zu einer leichten Gegenbewegung.
Beim dt. Leitindex DAX ist von Katerstimmung hingegen gar keine Spur. Ganz im Gegenteil. Die Feier geht munter weiter. Und solange die Musik spielt wird fröhlich weiter getanzt. Zum Start der neuen Handelswoche springt das dt. Aktienbarometer auf ein Rekordhoch. 24.872,92 Punkte.
DAX +1,34%; MDAX +1,53%; TecDAX +2,14% Dow Jones +1,23%; S&P 500 +0,64%; Nasdaq Comp. +0,69%
Rohstoffe
Die aktuelle Situtation in Venezuela tangiert den Ölmarkt bisher nur marginal. Große Preissprünge blieben zunächst aus. Der generelle Angebotsüberhang verschwindet nicht einfach von heute auf morgen. Dabei besitzt Venezuela das Potential für größere Marktverwerfungen. Laut US-Energieinformationsbehörde (EIA) verfügt das Land mit 17% der glob. Gesamtreserven über die weltweit größten nachgewiesenen Rohölreserven überhaupt. Das sollte man sicher nicht aus dem Auge verlieren.
Das als sicherer Hafen bekannte Edelmetall Gold bleibt indes in einer Welt von geopolitischen Risiken weiter gefragt. Die Feinunze kletterte am Montag auf USD 4.448,19 (+2,7%). Auch Silber und Platin erfreuen sich reger Nachfrage. Silber zog gestern um 5,3% auf USD 76,52 je Unze an, Platin sogar um 5,8% auf USD 2.271,45. Historisch betrachtet bleibt aber zu konstatieren, dass geopolitsche Schocks/Events auf lange Sicht kaum langanhaltende Bedeutung an den Finanzmärkten erfahren. Märkte reagieren stärker auf Inflation und Wachstum. Dabei sollte man aber auch nicht die längerfristigen Auswirkungen geopolitischer Schocks vergessen (Beispiel: erste und zweite Ölkrise der 1970er Jahre). Alles hängt dann doch irgendwie miteinander zusammen.
Im Jahr 2025 deckt die Solaranenergie in Deutschland 18% der Stromerzeugung. Laut dem Bundesverband Solarwirtschaft korrespondiert dies mit einem Anstieg von 4 Prozentpunkten ggü. 2024. Ca. 5,5 Millionen installierte Photovoltaikanlagen produzierten im vergangenen Jahr rd. 87 Terrawattstunden Strom (das sind 15 TWh mehr als 2024) – ein neuer Rekord. Photovoltaik ist damit nach der Windenergie (rd. 27%) die zweitwichtigste Energiequelle, gefolgt von Erdgas (rd. 16%) und Braunkohle (rd. 14%).
Die Aussichten für die dt. Getreidebauern und Schweinehalter bleiben für das Jahr 2026 angespannt. Derzeit notieren die Preise für Mais, Raps und Getreide so niedrig, dass eine kostendeckende Produktion nicht gewährleistet werden kann. Zuletzt handelte eine Tonne Weizen bei lediglich EUR 180. Für die Zukunft ist keine Besserung in Sicht. Der Internationale Getreiderat (IGC) erwartet für 2025/26 eine Weizenrekordernte von 808 Mio. Tonnen. Auch den dt. Milchbauern droht ein schwieriges Jahr. Seit Monaten (August) sind die Preise rückläufig. Der Preis für ein Päckchen Butter ist so günstig wie seit zehn Jahren nicht mehr.
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