Bei Panik zugreifen - Börse München
Für Gesprächsstoff nicht nur in Anlegerkreisen sorgt weiterhin die Furcht vor einem Börsencrash: „Platzt die Börsenblase“, fragt Die Welt und das „Platzen der KI-Blase könnte EZB-Zinssenkung erzwingen“, windet die Börsen-Zeitung gleich zwei Konjunktive. Doch es gab noch weitere besorgniserregende Nachrichten aus und über die Wirtschaft, wie sollte es anders sein?
Mann im Mond
Die aktuellen Meldungen zum BIP-Null-Wachstum und zum Geschäftsklima lassen wenig Weihnachtsstimmung aufkommen. Die „deutsche Wirtschaft zweifelt an baldiger Erholung“, merkt das Handelsblatt an, nicht nur die Wirtschaft zweifelt. „Viele Einzelhändler fürchten schlechtes Weihnachtsgeschäft“, legt die WirtschaftsWoche noch eine Schippe drauf. Nicht nur innerhalb von Familien wird gestritten, wer kennt das nicht. Auch bei den Familienunternehmen: „Firmen streiten über Brandmauer“, so die tz, und die Süddeutsche Zeitung begibt sich prompt auf die Suche: „Wo verläuft die Brandmauer“? Die Abendzeitung läutet ihr bereits das Totenglöcklein: „Das Ende der Brandmauer“. Wer wird denn gleich in die Luft gehen, hieß es früher einmal, als das Rauchen noch beworben werden durfte: „Esa-Chef: Deutscher Astronaut soll zum Mond fliegen“, in einer europäischen Mission, das berichtet die Süddeutsche Zeitung. Dass unsere Nachbarn uns am liebsten auf den Mond schießen wollen, ist in diesem Fall eine positive Nachricht. Aber nicht alle sind so nett zu uns: „Währungsfonds warnt Deutsche vor Selbstgefälligkeit“, titelt Die Welt. Dabei sind wir doch bescheiden, zumindest beim Wachstum…
Traurige Raketen
Es wird derzeit viel geschrieben über Europas Streben ins All, nicht zuletzt auch zu Verteidigungszwecken. Vielleicht fühlten sich die Grafiker von Börse Online davon inspiriert, zumindest zeigt der Titel eine etwas naiv gezeichnete Rakete, umgeben von roten, aufwärtsstrebenden Pfeilen. „Diese Aktien zünden den Turbo“, lautet die Headline dazu. Wir lernen: Turbopumpen gibt es tatsächlich auch in Raketen. Konkret meint die Redaktion aber die „besten Nebenwerte aus Deutschland, Europa und den USA“. Nichts mit Raketen, soviel sei verraten. Focus Money gibt sich mit den Pfeilen bescheidener und beschränkt sich auf einen: „Wer jetzt kauft, macht alles richtig“. Das klingt nach Black Friday an der Börse. Ein Smiley, der so gar nicht fröhlich lacht, sondern uns höchst furchtsam entgegenblickt, zeigt Der Aktionär auf dem quietschgelben Cover: „Angst vor dem Absturz“, heißt es da. Doch die soll beim Leser gar nicht aufkommen, denn es wird gleich der Rat zu konträrem Handeln geboten: „Wann und wo sollten Anleger zugreifen. So sind trotzdem 70 Prozent drin“. Um die Angst endgültig zu besiegen, gibt es obendrauf noch „Stabile Aktien“.
Ecken im Landtag
Skandal im Sperrbezirk zählt zu den Dauerbrennern nicht nur im Wiesnzelt. Als die bayerische Spider Murphy Gang die Single 1981 veröffentlichte, wurde sie ausgerechnet in Bayern boykottiert, Nutten waren nicht nur im Münchner Stadtkern unerwünscht, sondern auch als Teil eines Liedes. Das verhinderte nicht, dass der Song zum einzigen Nummer-1-Hit der Band avancierte und nicht wenige die Telefonnummer mitsummen können. Zu diesem Einblick in die bayerische Musikszene motiviert uns ein Artikel im Wirtschaftsteil der Abendzeitung: „Skandal im Putzbezirk?“. Hintergrund: Die Gewerkschaft IG Bau sieht die Putzkräfte ausgerechnet im noblen bayerischen Landtag als „entrechtet“ an. Dort wechselt zwar der Dienstleister, aber die Truppe vor Ort soll bleiben und deshalb ihre alten Verträge kündigen, um neu angestellt zu werden – befristet, statt bisher unbefristet, zum Beispiel. Man hat sich, so die Abendzeitung, dabei an das von Friedrich Merz bei seiner Bewerberrede gehaltene Sprichwort gehalten: „Neue Besen kehren gut, aber die alte Bürste kennt die Ecken“. Und von denen gibt es im Landtag einige.
Disclaimer: Dieser Text ist eine Kolumne der Bayerischen Börse AG. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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