USA: Tribut der neuen Zölle in den PCE-Daten erkennbar - Nord LB
Soeben hat das Bureau of Economic Analysis die jüngsten Preisdaten der Personal Consumption Expenditures veröffentlicht, wobei der PCE-Deflator als Headline-Rate im Juli um 0,2% M/M wuchs. Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Preise an der Ladentheke somit etwas weniger schnell an. Die Kernrate behält ihr Wachstumstempo von 0,3% M/M allerdings bei. Mit einer weiterhin erhöhten Rate haben wir indes bereits gerechnet, weil die Zölle nun verstärkt ihren Tribut fordern. Dies wird sich in den kommenden Monaten voraussichtlich auch weiter fortsetzen, auch wenn wir nicht von überschießenden Preisdaten und einer allenfalls moderaten Dynamik ausgehen.
Während das persönliche Einkommen für den Durchschnittshaushalt um 0,4% M/M anstieg, wurden diese von den Ausgaben mit 0,5% M/M leicht übertroffen. Erfreulicherweise ist die Energie- und Kraftstoffkomponente im Vergleich zum Vormonat deutlich um 1,1% M/M gesunken und auch die Nahrungsmittelpreise sanken um 0,1%. Zwei der mitunter wichtigsten Komponenten der US-amerikanischen Lebensführung stellten somit eher kein Problem für die Verbraucher dar.
Auch wenn die Betriebsmittel für die Fahrzeuge somit günstiger wurden, kann das gleiche für KFZ und deren Zubehörteile nicht bestätigt werden. Tatsächlich ist dieser Kostenblock in absoluten Werten am stärksten angestiegen. Während die Kraftstoff- und Energiekosten um etwas mehr als 12 Milliarden USD zurückgingen, wuchsen jene Ausgaben für neue oder gebrauchte Fahrzeuge und Teile um fast 35 Milliarden USD an. Außerdem verzeichneten die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen ebenfalls beträchtliche Umsatzzuwächse, was bereits in den Einzelhandelsdaten zu sehen gewesen ist. Die Umsätze bei den Autohäusern und Werkstätten waren ebenfalls deutlich gestiegen.
Einer der größten Hebel in den Inflationsdaten kann bei den Wohnkosten ausgemacht werden. Regelmäßig wies Powell in der jüngeren Vergangenheit auf die Wichtigkeit der Kosten für Wohnraum hin und das erhöhte Werte auch stark die Headline-Rate beeinflussen. Eine Entspannung war auch im Juni leider noch nicht zu beobachten, aufgrund der weiterhin hohen Zinsen ist dies aber auch keine Überraschung. Die hohen Mieten, welche zum Teil auch von der Zinslast bei den Hypotheken determiniert sind, steigen und schränken somit den Handlungsspielraum bei den Haushalten ein. Zinssenkungen durch die Federal Reserve dürften also perspektivisch wirklich hilfreich für die US-amerikanischen Verbraucher sein!
Fazit: Die heute veröffentlichten Juli-Zahlen zu den Personal Consumption Expenditures präsentieren sich etwas freundlicher als noch im Vormonat. Mit 0,2% M/M wuchsen die Preise gemäß des PCE-Deflators etwas weniger stark. Die Kernrate blieb mit 0,3% M/M allerdings konstant. Sowohl die persönlichen Einkommen und auch Ausgaben wuchsen stärker an, wobei Letzteres leicht überwog. Größere Handlungsspielräume haben sich für die Haushalte demnach kaum ergeben. Die neu erhobenen US-Zölle fordern nun zunehmend ihren Tribut, auch wenn wir nicht von übermäßigen Überwälzungen an die Verbraucher ausgehen und die Wachstumsrate sich weiterhin moderat präsentieren dürfte. Um der Wirtschaft und insbesondere dem Immobiliensektor unter die Arme zu greifen, dürften sich zeitnahe Zinssenkungen aber als hilfreich erweisen.
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