Börse am Morgen: Meyer Burger, Nestlé, Nvidia, Kupfer - Nord LB
In der dt. Automobilindustrie bleibt die Stimmung schlecht. Das ifo-Geschäftsklima dieser Branche fiel im Juni das dritte Mal in Folge (-32,2 Zähler, Mai: -31,7 Punkte). Es gibt aber einen Hoffnungsschimmer. Zwar werten die Unternehmen die aktuelle Lage negativer als im Mai, die Geschäftserwartungen sind jedoch gestiegen (von -13,7 Zähler auf -2 0 Punkte).
Auch wenn es Lichtblicke am Horizont gibt (siehe NORD/LB am Morgen vom gestrigen Tage) bleiben die dt. Verbraucher verunsichert. Das GfK-Konsumklima sinkt im Juli überraschenderweise um 0,3 Punkte auf minus 20,3 Zähler. Es wird wieder mehr gespart. Die verbesserten Einkommensaussichten kommen bei den Verbrauchern (noch) nicht an. Scheinbar fehlt es an Planungssicherheit. Die Bereitschaft für größere Anschaffungen bleibt verhalten.
Ein Grund dieser Verunsicherung könnte ggf. (neben der langen Konjunkturschwäche) auch die schiere Anzahl an Firmenpleiten sein. Gemäß den Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hat sich die Zahl der Insolvenzen im HJ1 2025 auf den höchsten Stand seit 10 Jahren entwickelt. Ggü dem Vorjahreszeitraum sind 9,4% mehr Unternehmen pleite gegangen (insgesamt 11.900) und das Insolvenzrisiko bleibt dabei hoch. Ein Grundproblem sieht Creditreform dabei auch bei den Verbraucherinsolvenzen. „Das anhaltend hohe Insolvenzgeschehen löst zunehmend Kettenreaktionen aus … seit drei Jahren kletterten die Fallzahlen bei Privatpersonen kontinuierlich … die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten sowie Arbeitsplatzverluste, insbesondere in der Industrie, setzen viele Haushalte massiv unter Druck.“
Tagesausblick
Zum Abschluss der Woche dürfen wir eine weitere Stimmungsbefragung innerhalb der Eurozone erwarten, in welcher u. a. die Perspektiven der Industrie und der Dienstleister abgefragt wurden. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass sich die Stimmung weiter graduell verbessert. In den USA wird der PCE-Deflator für den Mai veröffentlicht, welcher ein wichtiges Inflationsmaß darstellt und mitunter auch als „Fed’s Liebling“ betitelt wurde. Wir gehen von einer sehr niedrigen positiven Veränderungsrate aus, was die Wahrscheinlichkeit von Zinssenkungen weiter erhöhen müsste. Zusammen mit den Ausgaben der Haushalte, gibt es also gewichtige Impulse für die dortige Geldpolitik.
Aktien- und Rentenmärkte
Der dt. Leitindex ging gestern mit grünem Vorzeichen aus dem Handel. Der anhaltende Waffenstillstand im Nahen Osten ließ Aktien-Investoren wieder zugreifen. Bis zum Allzeithoch von Anfang Juni (24.479,42) sind es noch 830 Punkte. DAX +0,64%; MDAX +0,58%; TecDAX +0,89%.
Nvidia ist wieder das teuerste Unternehmen der Welt. Dies hilft dem Dow Jones. Die Wall Street handelte gestern fester. Dow Jones +0,94%; S&P 500 +0,80%; Nasdaq Comp. +0,97%.
Rentenpapiere erfreuten sich am Donnerstag nur einer leichten Nachfrage. Renditen 10-jähriger europ. Staatsanleihen fielen länderübergreifend kaum (lediglich zwischen 1 - 3 Basispunkte).
Unternehmen
Das Schweizer Solarunternehmen Meyer Burger hat nach dem Insolvenzantrag in Deutschland nun auch Gläubigerschutz gemäß Chapter 11 in den USA gestellt. Dies war abzusehen. Ein Großkunde (D. E. Shaw Renewable Investments L.L.C.) aus den Vereinigten Staaten kündigte vergangenen November das bestehende Vertragsverhältnis und brachte den Konzern damit noch mehr ins Wanken. Ende Mai wurde bereits der Hochlauf der US-Solarproduktion angehalten.
Bei Nestlé werden synthetische Lebensmittelfarbstoffe bis Mitte kommenden Jahres vollständig aus dem US-Lebensmittel- und Getränkeportfolio verbannt. Der schweizer Nahrungsmittelkonzern folgt damit den Anordnungen des neuen Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr. Nestlé befindet sich mit dieser Maßnahme in guter Gesellschaft (auch General Mills und Conagra Brands haben diesen Schritt bereits vollzogen). Kennedy möchte mit der Anordnung Gesundheitsproblemen wie ADHS, Diabetes und Fettleibigkeit in der US-Gesellschaft entgegen wirken.
Devisen und Rohstoffe
Der Preis für Kupfer kletterte gestern auf den höchsten Stand seit rd. drei Monaten (USD 9.832 pro Tonne). Ursächlich für den Preisanstieg ist Händlern zufolge eine mögliche, zukünftige Angebotsverknappung bedingt durch die US-Zollpolitik sowie eine höhere Nachfrage aus China. Zusätzliche Unterstützung erhielt das Industriemetall durch den derzeit schwächeren US-Dollar, welcher Rohstoffkäufe für Investoren günstiger macht.
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