Börse am Morgen: ASML, EZB, Netflix, Sartorius, Gold - Nord LB
Die chinesische Wirtschaft ist vor der Eskalation im Handelsstreit mit den USA überraschend kräftig gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Januar bis März um 5,4% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistikamt in Peking mitteilte. Auch im Schlussquartal 2024 war die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft um 5,4% gewachsen.
Der gestern veröffentlichte NAHB Index gibt Aufschluss über das Bauklima in den USA, welches mit 40 Punkten weiterhin ein Aussitzen der aktuellen Probleme signalisiert. Als vorlaufender Konjunkturindikator ist der Blick also bis auf Weiteres eher pessimistisch. Vor allem die anhaltend hohen Hypothekenzinsen, welche aufgrund der Kapitalmarktkapriolen der vergangenen Woche zeitweise vereinzelt über die 7%-Marke gestiegen sind, bleiben ein großes Problem. Aber auch die Zölle belasten die Stimmung zunehmend, wobei die heute veröffentlichten Einzelhandelsumsätzen ein beherztes Front-Loading bei den Baumaterialien aufzeigten. Solange sich die langfristigen Renditen der US-Treasuries nicht nachhaltig nach unten bewegen und der Hypothekenmarkt folgt, dürfte die Stimmung trotz politischer Interventionsversuche nicht signifikant ansteigen.
Tagesausblick
Im Fokus des Tages steht heute die Entscheidung der EZB über ihre Leitzinsen. Im Anschluss tritt Präsidentin Christine Lagarde vor die Presse, wo selbst kleine Formulierungsnuancen als Gradmesser für den weiteren geldpolitischen Kurs große Aufmerksamkeit bekommen dürften. In den Vereinigten Staaten wird außerdem der Philadelphia-Index als wichtiges Stimmungsbarometer für die Industrie veröffentlicht. Im Blick stehen außerdem die Quartalszahlen von Netflix (aktuell auf einer Erfolgswelle) sowie die Hauptversammlung bei Beiersdorf.
Aktienmärkte
Der DAX konnte kurz vor dem Börsenschluss seine Verluste abschütteln und leicht ins Plus drehen. Stützend wirkten Spekulationen über Chinas Gesprächsbereitschaft mit den USA im Zollkonflikt und eine anfängliche Erholung an der Wall Street. DAX +0,29%; MDAX -0,39%; TecDAX +0,15%.
Belastet von sinkenden Chip-Aktien sind die US-Börsen deutlich unter Druck geraten. Auch die Erklärung von US-Notenbankchef Powell trug zu der Verstimmung bei, der von Zeichen für ein langsameres amerikanisches Wirtschaftswachstum sprach. Dow Jones -1,73%; S&P 500 -2,24%; Nasdaq Comp. -3,37%.
Unternehmen
Der Labor- und Pharma-Zulieferer Sartorius ist mit Zuwächsen ins Jahr gestartet. In Q1 stieg der Umsatz um 6,5% auf 883 Mio. EUR und das operative Ergebnis (EBITDA) um 12,2% auf 263 Mio. EUR. Sartorius wuchs in allen Regionen. „Insbesondere setzt sich der starke Trend in unserem Geschäft mit Verbrauchsmaterialien fort. Erwartungsgemäß zurückhaltender sind Kunden hingegen noch bei Investitionen in Laborinstrumente und Equipment“, erklärte Konzern-Chef Kreuzburg.
ASML ist mit weniger Bestellungen ins Jahr gestartet als erwartet und fürchtet wegen des Handelskriegs eine weitere Investitionszurückhaltung seiner Kunden. Der Auftragseingang erreichte in Q1 3,9 Mrd. EUR, während Analysten mit 4,89 Mrd. EUR gerechnet hatten, wie der Weltmarktführer bei Maschinen zur HalbleiterProduktion mitteilte. Der Umsatz verfehlte ebenfalls mit 7,7 (Vorjahr: 5,3) Mrd. EUR die Markterwartungen. Der Konsumgüterkonzern Henkel hat seine Jahresziele für 2025 bekräftigt und blickt „auch in diesen turbulenten Zeiten mit Zuversicht nach vorne“. Der Konzern strebt weiter ein organisches Umsatzwachstum zwischen 1,5 und 3,5 Prozent an.
Devisen und Rohstoffe
Der EUR näherte sich langsam wieder seinem kürzlich erreichten Drei-Jahres-Hoch, während der US-Dollar auf breiter Front nachgibt. Seit der Ankündigung der Zölle von US-Präsident Trump hat der EUR rund 5% zugelegt. Er profitiert davon, dass europäische Anleger sich aus US-Vermögenswerten zurückziehen.
Spekulationen über mögliche Verhandlungen zwischen den USA und China verhalfen den Ölpreisen auf die Sprünge (+rd. 1%). Laut einem Bericht der Agentur Bloomberg steht China Gesprächen mit den USA grundsätzlich offen gegenüber - allerdings unter der Voraussetzung eines respektvolleren Umgangs seitens der US-Regierung.
Ein schwacher USD und neu entflammte Sorgen über den globalen Handel haben den Goldpreis auf ein neues Rekordhoch gehievt. Das in Krisenzeiten als sicherer Hafen angesehene Metall verteuert sich auf 3.291 USD je Feinunze - den höchsten Stand seiner Geschichte.
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