USA: Geldpolitik - Die Geister, die Trump rief - Nord LB
Zur letzten Sitzung des FOMC im März haben sich die stimmberechtigten Mitglieder rund um Jerome Powell wohl kaum träumen lassen, in was für eine Achterbahnfahrt die Kapitalmärkte alsbald geraten würden. Die bislang rasante Börsenwoche werden auch die Notenbanker sehr genau im Auge haben, denn nicht zuletzt sind diese auch für die Finanzmarktstabilität verantwortlich. Neben den längerfristig orientierten Zielen der Preisniveaustabilität und der maximalen Beschäftigung, steht nämlich auch im Lastenheft der Fed für „moderate Langfristzinsen“ zu sorgen. Gleichwohl wird die Fed auch (theoretisch) kurzfristig intervenierend tätig werden müssen, sollten sich große Verwerfungen auftun. Das Börsenbeben, welches mit dem „Liberation Day“ begann und diese Woche noch einmal an Dynamik gewann, dürfte jedenfalls auch bei Powell und Co für Nervosität gesorgt haben. Impulse zu handeln, blieben allerdings bislang aus.
Bereits nach Trumps Zollankündigung mit der fast schon magischen Formel haben einige Marktteilnehmer reagiert und sich mit Assets der Kategorie „Save Haven“ eingedeckt. Am Beispiel der 10-jährigen US-Staatsanleihen war zu beobachten, dass die Nachfrage stieg und die Rendite folglich sank. Zum Ende der vergangenen Woche wurde ein Niveau von rund 3,8% erreicht – fast 100 Basispunkte niedriger als zum diesjährigen Maximum im Januar. Nach einer Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China, welche sich Zug um Zug immer höhere Zölle auferlegt hatten, stieg die Rendite binnen kurzer Zeit wieder auf ein Niveau von rund 4,50% an. Dies signalisierte eine gewisse Unwucht, welche sich zuletzt aber wieder etwas ausgeglichen zu haben scheint. Die Renditen der verschiedenen Laufzeitbänder haben sich jedenfalls wieder in gemäßigteren Gefilden eingependelt – vorerst!
Dass aus der Zollthematik ein höheres Inflationsrisiko erwächst und sich daraus ergebende inflationäre Tendenzen folglich auch länger halten könnten, das wurde gem. der gestern veröffentlichten „FOMC Minutes“ bereits in der März-Sitzung diskutiert. Dem Protokoll ist zu entnehmen, dass man in der Zukunft verstärkt die diesbezügliche Erwartung der Marktteilnehmer in den Fokus rücken wird. Gleichzeitig scheint sich ein gewisser Paradigmenwechsel anzubahnen. Zwar sind zurzeit Inflation und Beschäftigungssituation weiterhin maßgeblich für die Taktik der Fed, sie wird aber um die Dimension einer sich abkühlenden Konjunktur erweitert. Allein die Angst vor einer Rezession übt bereits einen gewissen Druck auf die Wirtschaft aus, was bspw. die Einkaufsmanager der verschiedenen Sektoren zögerlicher werden lässt Arbeitskräfte einzustellen. Die derzeitige Gemengelage lässt die Wahrscheinlichkeiten wohl anwachsen, dass eher mehr statt weniger Zinssenkungen vollzogen werden könnten. Die in der Sitzung erörterten Prognosen dürften ihre Halbwertszeit jedenfalls schon überschritten habe – dafür wurde in der Handelspolitik und an den Kapitalmärkten jüngst zu viel Porzellan zerbrochen.
Fazit: Die gestern veröffentlichten „FOMC-Minutes“ standen ganz im Schatten der Turbulenzen an den weltweiten Finanzmärkten. Nach einer Eskalation der internationalen Handelsstreitigkeiten infolge des sog. „Liberation Day“ manifestierte sich zunehmend Panik an den Märkten. Selbst „sichere Häfen“ schienen zwischenzeitlich nicht mehr ganz so sicher zu sein – sogar US-Treasuries wiesen zeitweise ungewöhnlich hohe Renditeschwankungen auf. Die während der Sitzung diskutierten Prognosen für die Wirtschaft dürften ihre Halbwertszeit jedenfalls bereits überschritten haben. Die Taktik der Fed dürfte – nicht zuletzt auch aufgrund der Kapitalmarktkapriolen – um die Dimension einer sich stärker als erwartet abkühlenden Konjunktur ergänzt werden. Aufgrund der mannigfaltig auftretenden Risiken könnte die Wahrscheinlichkeit von mehr statt weniger Zinssenkungen sogar noch anwachsen.
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