USA: PCE - Der Teufel steckt in den Details - Nord LB
Die Mehrheit der Washingtoner Geldpolitiker blickte zuletzt etwas pessimistischer in die Zukunft der Inflationsentwicklung und dürfte sich mitunter in ihren jüngsten Prognosen bestätigt sehen. Die heutige Veröffentlichung des PCE-Deflators durch das Bureau of Economic Analysis zeigte jedenfalls, dass die Verbraucherpreise im Februar weiter anzogen. Mit 0,3% M/M verharrte die Headlinerate somit den dritten Monat in Folge auf diesem Niveau und verstetigt die Dynamik der leicht erhöhten Preisentwicklung. Die Kernrate des PCE-Deflators stieg gegenüber zum Vormonat um 0,1 Prozentpunkt auf 0,4% M/M.
Die Energiepreisentwicklung hat somit eher wenig dazu beigetragen die Headlinerate „anzuheizen“. Die noch nicht saisonbereinigten Ölpreise zeigten im Februar bspw. einen sinkenden Verlauf und pendelten zuletzt rund um die magische Marke von USD 70, mit leichten Abweichungen je nach Sorte. Die Gaspreise zogen dagegen etwas an, machten aber innerhalb der Komponente „Energie“ keinen allzu großen Unterschied. Unter dem Strich ist diese demnach nur um 0,1% M/M angewachsen. Die privaten Haushalte dürften sich im Wintermonat Februar jedenfalls gefreut haben, dass Preise für Heizöl tendenziell gesunken sind und die Haushaltskassen somit entlastet werden konnten.
Tatsächlich schienen die Konsumenten spendabler zu sein als noch im Januar, denn die realen Ausgaben sind um 0,1% M/M angewachsen. Dass die finanziellen Spielräume nun größer geworden sind, liegt zum Teil auch daran, dass dieses inflationsadjustierte Ausgabenverhalten im Vormonat den niedrigsten Wert seit fast vier Jahren ausgewiesen hat, was zum Teil schlicht an schlechter Witterung lag. Hoffnung dürfte – nicht zuletzt für Jerome Powell und Co – in der wohnbezogenen Komponente liegen, denn dieser Kostenblock hat für die allgemeine Preisentwicklung mitunter den größten Hebel. Mit 0,3% M/M sind die Wohnkosten zwar auf dem gleichen Niveau verblieben wie die letzten drei Monate. Allerdings sind derartige Ausgaben in der Regel wenig volatil und passen sich eher langsam an. Der Median lag im Vorjahr noch bei 0,4% M/M, Tendenz der Dynamik also rückläufig. Verschiedene alternative Indikatoren deuten darauf hin, dass Powell am Ende recht behalten könnte und die Inflationsentwicklung – nicht nur beim PCE-Deflator – gerade auch wegen der Wohnkosten sinken dürfte.
Starke Implikationen ergeben sich aus den heutigen Daten jedenfalls kaum und sollten die Notenbanker wohl darin bestärken weiter abwarten zu wollen. Bis zur nächsten Sitzung des FOMC wird noch viel Wasser den Potomac River hinabfließen und einige neuere Daten zur Preisentwicklung und der generellen ökonomischen Lage werden zu erwarten sein. Das generelle Inflationsgeschehen sollte aufgrund der gesteigerten Preissensitivität und damit einhergehender ausgeschöpfter Preismacht eher mäßig ausfallen. Zwar könnte die Zollpolitik zwischenzeitlich kurz die Preise belasten aber die „Pain Points“ dürften woanders zu finden sein, z.B. auf dem Arbeitsmarkt oder gar in der generellen Konjunktur.
Fazit: Die jüngsten Daten des PCE-Deflators präsentierten sich heute im Rahmen der Erwartungen und mäßig hoch. Mit 0,3% M/M setzt die Headlinerate das Preissteigerungsniveau den dritten Monat in Folge fort. Dass die Energie- und Lebensmittelpreise wenig Einfluss hatten, zeigt die Kernrate des PCE-Deflators mit 0,4% M/M. Gerade die Energiepreise sind um Februar nur noch um 0,1% M/M gestiegen, gegenüber dem Januar mit immerhin noch 1,3% M/M. Impulse für die Notenbanker sind aus den heutigen Daten trotzdem kaum abzuleiten und dürfte eher dafür sprechen, dass diese weiter abwarten. Gleichwohl ist aufgrund gesteigerter Preissensitivität bei den Verbrauchern davon auszugehen, dass Unternehmen ihre Preisvorstellungen nicht mehr ohne Weiteres durchsetzen können, ohne Umsatzeinbußen hinnehmen zu müssen. Ein höheres Inflationsrisiko könnte im weiteren Zeitverlauf auch durch andere ökonomische Entwicklungen mitigiert werden, z.B. im Arbeitsmarkt oder im breiteren Konjunkturverlauf.
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