USA: Optimismus statt Alarmismus bei den Dienstleistern - Nord LB
Nachdem der Einkaufsmanagerindex der Produzenten am vergangenen Montag erstmals seit Oktober 2022 wieder in der Expansionszone notierte, sollte sich heute zeigen, ob heute die Dienstleister ebenfalls mit positiven Daten überraschen konnte. Der ISM Services PMI fällt im Januar mit 52,8 Punkten etwas schwächer aus als im Vormonat, befindet sich nach mechanistischer Interpretation aber noch immer auskömmlich im expansiven Bereich.
Der tatsächlich realisierte Output, welcher mittels der Komponente „Business Activity“ ausgewiesen wird, verlor ebenfalls etwas Dynamik. Mit soliden 54,5 Punkten sollte der Rückgang um 3,1 Punkte aber nicht überbewertet werden. Ganz im Gegenteil sagt diese Komponente doch aus, dass die wirtschaftliche Aktivität noch immer hoch ist.
Interessant dürfte aufgrund der Dynamik bei den Lieferketten aktuell vor allem die leicht in die Zukunft schauende Auftragskomponente sein, welche sich im Dezember noch stark präsentierte. Die „Aufträge“ gingen ebenfalls um einige Punkte zurück; mit 51,3 Punkten füllen sich die Auftragsbücher aber weiter, nur eben nicht mehr ganz so zügig wie im Dezember. Zweifellos sollte diese Tatsache auf der Haben-Seite verbucht werden, gerade weil die Ungewissheit aufgrund der Zollthematik mitunter hoch ist. Die „Auslandsaufträge“ scheinen in dem Kontext besonders relevant zu sein, denn diese stiegen sogar um weitere 1,9 Punkte auf 52,0 Punkte an. Man könnte konstatieren, dass das „Re-Shoring“ oder das Locken ausländischer Unternehmen zu funktionieren scheint. Jedenfalls steigt die Nachfrage nach Dienstleistungen aus dem Ausland.
Wie auch Montag bei den Produzenten, so steigt auch bei den Dienstleistungsunternehmen die Nachfrage nach Personal. Diese arbeitsmarktrelevante Unterkomponente hat auf 52,3 Punkte angezogen und ist für den Arbeitsmarktbericht, welcher am kommenden Freitag veröffentlicht wird, von hoher Relevanz. Beide Einkaufsmanagerindizes werfen somit ihren Schatten voraus, weshalb davon auszugehen sein sollte, dass die Zahl der neu geschaffenen Stellen recht hoch ausfallen dürfte.
Obwohl den verbalen Rückmeldungen der befragten Teilnehmer zufolge das Thema „Zölle“ unterschwellig durchaus noch belastend wirken dürfte, so scheint man dies zumindest in den Komponenten nicht so recht wahrzunehmen. Die Lager scheinen sich jedenfalls mit noch größerer Dynamik zu leeren (-1,9 auf 47,5 Punkte bei „Inventories“). Die Welt scheint trotz des Damoklesschwertes aber nach wie vor in Ordnung zu sein, denn die Manager äußerten sich zu dem Thema sehr vage und wenn überhaupt würde sich dies zunächst nur auf die Preise niederschlagen. Dies suggeriert aber auch, dass die mitunter direkt betroffenen Unternehmen diesen Faktor – auch im Kontext der Daten – eher entspannt sehen.
Fazit: Die heute veröffentlichten Daten des Services PMI zeugen von einem positiven Blick in die Zukunft, statt dem Alarmismus des aktuellen Nachrichtengeschehens folgen zu wollen. Mit 52,8 Punkten sank die Headlinerate des Indexes zwar etwas ab, die Dynamik bleibt aber in den relevanten Komponenten hoch. Besonders erfreulich ist in dem Zusammenhang, dass die inländische stabil in der expansiven Zone liegt und die ausländische Nachfrage sogar anzog. Das laute Rasseln um Zölle und Handelsbeschränkungen scheint also bereits zu wirken. Diese müssen in der Folge nicht so hoch ausfallen, wie es die Trumpsche Regierung zunächst kommuniziert hat. Auch die Beschäftigungskomponente signalisiert, dass die befragten Unternehmen den Personalstock noch aufbauen möchten. Letzteres hat mitunter auch damit zu tun, dass die Bewerber offenbar eine zunehmend höhere fachliche Qualität aufweisen. Am kommenden Freitag wird sich zeigen, ob sich die positiven Beschäftigungskomponente der Dienstleister und der Produzenten auch im Arbeitsmarktbericht wiederfinden lassen.
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