Deutschland: ifo-Geschäftsklima - Wirtschaftsstimmung hellt sich etwas auf - Nord LB
Heute Vormittag hat das Münchner ifo-Institut aktuelle Ergebnisse seiner monatlichen Konjunkturumfrage veröffentlicht. Die Unternehmensstimmung hat sich im Januar etwas aufgehellt und scheint sich auf niedrigem Niveau allmählich zu stabilisieren. Der ifo-Geschäftsklimaindex legte leicht auf 85,1 Punkte zu, dank einer verbesserten Einschätzung der aktuellen Geschäftslage. Die Lagekomponente kletterte auf 86,1 Punkte und damit den besten Wert seit August. Die Geschäftserwartungen sanken hingegen noch einmal minimal auf nur noch 84,2 Punkte. Zuletzt waren die Zukunftsaussichten der Unternehmen vor einem Jahr noch pessimistischer.
Auf sektoraler Ebene zeigt sich, dass die Stimmungsaufhellung von den Dienstleistungsunternehmen getragen wird, die optimistischer ins Jahr gestartet sind. Demgegenüber hat sich das Sentiment in der Industrie und im Bauhauptgewerbe sogar noch etwas weiter eingetrübt. Im Handel blieb die Stimmung unverändert schlecht. Die Enttäuschung über das Weihnachtsgeschäft hallt somit noch nach und wurde offenbar auch nicht in der fünften Saison nachgeholt.
Die heutigen Zahlen liegen in der Summe leicht über den Erwartungen der zuvor befragten Analysten und Volkswirte. Vor allem der Start ins Jahr 2025 scheint aus konjunktureller Sicht etwas besser gelaufen zu sein als befürchtet. Allerdings sehen die Unternehmen derzeit keine Verbesserung in den kommenden sechs Monaten. Der Hauptbelastungsfaktor hat einen Namen: Donald Trump. Mit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus hat sich gerade für Deutschland die wirtschaftspolitische Unsicherheit nochmals deutlich erhöht. Seit seiner Amtsübernahme werden die Konturen der neuen US-Politik immer sichtbarer. Die Sorgen vor Belastungen insbesondere durch die neue US-Handelspolitik sind vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus Trumps erster Amtszeit und den verbalen Attacken vor und nach den US-Wahlen groß. Aber auch in anderen Politikfeldern wie der internationalen Klimapolitik, der Außen- und Sicherheitspolitik drohen neue Belastungen für Europa und speziell Deutschland.
So kurz vor der anstehenden Bundestagswahl ist zudem die Unsicherheit über Zusammensetzung und Kurs der nächsten Bundesregierung sowie eine Lösung der aktuellen konjunkturellen und strukturellen Herausforderungen groß. Umfragen zeigen jedoch, dass die deutschen Unternehmen ganz überwiegend keine wirtschaftspolitische Alternative am rechten Rand sehen oder gar suchen. Vielmehr bewerten die meisten Unternehmen die AfD angesichts hoher Zustimmungswerte in aktuellen Meinungsumfragen zunehmend als Standortrisiko. Der Auftrieb für Populisten dürfte somit ein zusätzlicher Grund für die im europäischen Vergleich aktuell sehr pessimistischen Geschäftserwartungen in Deutschland sein.
Die hohe Ungewissheit lastet auf dem Konjunkturausblick. Insofern wäre eine schnelle Klärung offener Punkte mit der Trump-Administration hilfreich, selbst wenn im Ergebnis moderate Zusatzlasten stünden. In einer Zeit, in der Europa geeint volle politische Handlungsfähigkeit demonstrieren müsste, sind jedoch viele europäische Staaten derzeit vor allem mit sich selbst beschäftigt. Die Wirtschaftsperspektiven hängen derzeit in einem fast ungekannten Ausmaß von den weiteren politischen Entwicklungen ab. In diesem Umfeld ist die EZB gut beraten, ihren Kurs der graduellen Lockerung fortzusetzen.
Fazit: Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich zum Jahresauftakt etwas aufgehellt. Der ifo-Geschäftsklimaindex kletterte leicht auf 85,1 Punkte. Vor allem die aktuelle Lage kletterte, immerhin auf den besten Wert seit August, während die Erwartungen angesichts großer Unwägbarkeiten pessimistisch bleiben. Die Rückkehr von Donald Trump, die anstehenden Neuwahlen in Deutschland, die hohe Zustimmung in Meinungsumfragen für vor allem Rechtspopulisten – die deutschen Unternehmen leiden weiterhin vor allem unter der hohen Unsicherheit und machen sich Sorgen um den Standort Deutschland. Es spricht viel dafür, dass Deutschland vorerst in der Stagnation gefangen bleibt, für 2025 erwarten wir nur ein leichtes BIP-Wachstum von 0,2%.
Fazit: Das soeben veröffentlichte Stimmungsbild des NAHB-Bauklimaindex offenbart, dass die private Immobilienbranche im wahrsten Sinne des Wortes mit einer Hypothek ins neue Jahr startet. Mit 47 Punkten stieg der Index um nur einen Punkt im Vergleich zum Dezember. Belastend wirkt wieder verstärkt das Finanzierungsniveau, welches mit Konditionen um die 7% bei den durchschnittlichen 30-jährigen Hypotheken eine wichtige psychologische Marke erreicht hat. Bauen wird somit wieder deutlich teurer. Impulse aus Washington würden dieser Branche wirklich helfen, auch wenn die Hypothekenzinsen zunächst nicht immer gleich dem Trend der Fed Funds Target Rate folgen.
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