Einkaufsmanagerindizes: Dienstleistungssektor im freien Fall, Industrie hÀlt sich besser - VP Bank Kolumne
Der Einkaufsmanagerindex fĂŒr die Eurozone fĂŒr das verarbeitende Gewerbe schlĂ€gt sich in Anbetracht der widrigen UmstĂ€nde verhĂ€ltnismĂ€ssig gut. Der RĂŒckgang im MĂ€rz von 49.2 auf 44.8 fĂ€llt weniger stark aus als die Konsensprognose dies voraussagte. Die Dienstleistungsbranche erwischt es hingegen massiv. Der entsprechende Einkaufsmanagerindex fĂ€llt von 52.6 auf 28.4. Der Einbruch im Servicesektor ist damit deutlich stĂ€rker als prognostiziert wurde.
In den vergangenen Tagen haben sich Auguren mit wirtschaftlichen Horrorszenarien ĂŒberboten. Doch die Einkaufsmanagerindizes zeigen, wie schwer es derzeit ist, vernĂŒnftige Prognosen zu erstellen.
Vielerorts mag das im Vergleich zur KonsensschĂ€tzung deutlich bessere Abschneiden des Einkaufsmanagerindex fĂŒr das verarbeitende Gewerbe ĂŒberrascht haben, doch konnte die Industrieproduktion bis weit in den MĂ€rz hinein relativ gut aufrechterhalten werden. Es hat vor allem das Dienstleistungsgewerbe hart erwischt. Wegen des Stillstands des öffentlichen Lebens kann das aber nicht weiter ĂŒberraschen.
FĂŒrs Erste gilt deshalb: Volkswirtschaften mit einem hohen Anteil an produzierender Industrie sind zunĂ€chst weniger hart von den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus betroffen. Je bedeutender jedoch der Dienstleistungssektor, desto grösser ist der konjunkturelle Schaden. LĂ€nder wie Deutschland kommen also vermutlich besser weg als beispielsweise die USA.
Das verarbeitende Gewerbe wird in den kommenden Wochen ebenfalls noch unter die RĂ€der kommen â aber weniger stark als die Dienstleistungsbranche. Die grossen Automobilhersteller, die Chemieindustrie und auch der Maschinenbausektor helfen sich derzeit mit Zwangsurlaub und Abbau von Ăberstunden ĂŒber den Stillstand hinweg. Die grosse Welle an Kurzarbeit dĂŒrfte im April zu erwarten sein. Die Schmerzen fĂŒr die produzierende Wirtschaft setzen in weiten Teilen also erst im kommenden Monat richtig ein. Vielen kleineren Betrieben dĂŒrfte hingegen jetzt schon das Wasser bis zum Hals stehen. Die staatlichen Gelder können hier jedoch â zumindest ĂŒber eine gewisse Zeit hinweg - eine grössere Insolvenzwelle verhindern.
Die Dienstleistungsbranche erwischt es jetzt schon knĂŒppeldick. Das öffentliche Leben steht still. Vermutlich muss hier der Staat trotz milliardenschwerer Finanzhilfen noch nachbessern.
