Darum sollten Unternehmen auf Àltere Arbeitnehmer setzen - AXA IM Kolumne
Die Gesellschaft wird immer Ă€lter â schon heute betrĂ€gt die Lebenserwartung der HĂ€lfte aller Kinder, die in 2007 geboren wurden, mehr als 100 Jahre.1 Gleichzeitig sinkt die Geburtenrate in vielen LĂ€ndern. Der Anteil der Ăber-60-JĂ€hrigen steigt entsprechend: Bereits 2017 betrug er weltweit 13 Prozent, bis 2050 wird er vermutlich auf 25 Prozent gewachsen sein. âEine höhere Lebenserwartung in Kombination mit einer sinkenden Bevölkerung im erwerbstĂ€tigen Alter stellt eine ernstzunehmende Herausforderung fĂŒr das bestehende Arbeits- und Rentensystem darâ, sagt Marie Fromaget, Human Capital und Diversity Analyst bei AXA Investment Managers. Denn: Die Zahl der Arbeitnehmer pro Rentner nimmt ab. Der Altenquotient â also das VerhĂ€ltnis der Personen im Rentenalter zu Personen im erwerbsfĂ€higen Alter â wird im Jahr 2050 weltweit auf 4:1 geschĂ€tzt.2
Eine höhere Lebenserwartung hat einen lĂ€ngeren Ruhestand zur Folge. âDas setzt die staatlich finanzierten Rentensysteme unter Druck. Viele Menschen werden auĂerdem nicht in der Lage sein, wĂ€hrend ihres Arbeitslebens genug zu sparen, um sich fĂŒr wahrscheinlich mehr als 30 Jahre im Ruhestand zu versorgen. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass die Weltbevölkerung lĂ€nger arbeiten muss, um ihre gestiegene Lebensdauer finanzieren zu könnenâ, schlussfolgert Fromaget.
Ăltere Arbeitnehmer halten
Unternehmen könnten die Folgen des Demografiewandels abmildern, indem sie den Markt fĂŒr reifere Arbeitnehmer erschlieĂen. âEinerseits entlastet dies die Rentensysteme, andererseits bietet dieser zusĂ€tzliche Pool von ArbeitskrĂ€ften den Unternehmen die Möglichkeit, die ProduktivitĂ€t und das Wachstum in hart umkĂ€mpften MĂ€rkten aufrecht zu erhalten, die insbesondere durch den Mangel an NachwuchskrĂ€ften in wissensintensiven Berufen und schwer zu haltende Millennials belastet sindâ, so Fromaget weiter.
Angesichts des technologischen und kulturellen Wandels sei es fĂŒr Ă€ltere Arbeitnehmer allerdings zunehmend schwieriger, die Erwartungen der Unternehmen zu erfĂŒllen. Einige LĂ€nder hĂ€tten dies bereits erkannt und Strategien entwickelt, um Arbeitnehmer lĂ€nger am Arbeitsplatz zu halten. Das Vereinigte Königreich beispielsweise ermutigt Arbeitgeber mittels der âFuller Working Livesâ-Strategie, Ă€ltere Arbeitnehmer zu halten, umzuschulen und einzustellen. Ein Ă€hnliches Angebot gibt es in Deutschland: Die âInitiative 50 Plusâ ermöglicht Ă€lteren Arbeitnehmern die Teilnahme an Fortbildungen und Schulungen, um den Ruhestand hinauszuzögern. Ein groĂzĂŒgiger Rabatt auf StudiengebĂŒhren an der Hanazono UniversitĂ€t soll Ăber-50-JĂ€hrige in Japan ermuntern, sich auch im höheren Alter fortzubilden. Daneben helfen Silver Center Workshops Rentnern dabei, Nebenjobs zu finden.
Altersgerechte Personalpolitik als Wachstumstreiber
Bislang sei die Mehrheit der GroĂunternehmen allerdings nicht bereit, sich mit einer alternden Belegschaft auseinander zusetzen, da neue Generationen typischerweise flexibler, technisch versierter und kostengĂŒnstiger sind. âDie Bedeutung des Pools an Ă€lteren Arbeitnehmern darf angesichts des Wettbewerbsvorteils fĂŒr Unternehmen, den diese Generation mit sich bringen kann, jedoch nicht unterschĂ€tzt werden. Die âOne Size fits allâ- Personalpolitik gehört der Vergangenheit an, und wir sehen bereits Anzeichen dafĂŒr, dass neuere Generationen die Verantwortung fĂŒr den Wandel der Gesellschaft ĂŒbernehmenâ, so die Expertin weiter.
Zukunftsorientierte Unternehmen sollten die Gelegenheit nutzen, um ihr gesamtes Humankapitalmanagement und ihre Prozesse zu ĂŒberarbeiten, um eine altersgerechte Personalpolitik zu schaffen, die sowohl Ă€ltere als auch jĂŒngere Generationen nicht vernachlĂ€ssigt. Unternehmen wie Barclays, Westpac, Mercedes, SAP und Michelin gingen bereits mit gutem Beispiel voran, Ă€ltere Arbeitnehmer einzustellen, fortzubilden und zu halten. âUnserer Meinung nach kann eine generationenĂŒbergreifende Belegschaft ein solider Wachstumstreiber sein, ebenso wie Gender Diversity und kulturelle Vielfaltâ, schlieĂt die Expertin.
