Villeroy + Boch: Klares Versprechen an die AktionÀre - Exklusiv-Interview
In Frankfurt lĂ€uft in diesen Tagen die ISH, die internationale Leitmesse fĂŒr die SanitĂ€rbranche. Dort ist Villeroy + Boch mit einer Vielzahl von Produkten vertreten. Im Exklusivinterview mit der Redaktion von www.4investors de erlĂ€utert Finanzvorstand Markus Warncke, welche Erwartungen er an die Messe hat. Eine spezielle Rolle spielt dabei das neue Dusch-WC. Warncke geht in dem GesprĂ€ch auch auf den Jahresstart ein und spricht ĂŒber die Dividendenpolitik der Gesellschaft. Die Strategie von Villeroy + Boch, KapazitĂ€tsengpĂ€sse und geplante Investitionen sind weitere Themen im Interview mit CFO Markus Warncke.
www.4investors.de: Villeroy + Boch ist ĂŒber die Stammaktien und den Aufsichtsrat eng mit den GrĂŒnderfamilien verbunden. Wie stark sind die Familien tatsĂ€chlich in das operative GeschĂ€ft oder auch grundlegende Entscheidungen eingebunden? Wie werden die Interessen der vielen FamilienaktionĂ€re koordiniert?
Warncke: Mein Vorstandskollege Nicolas Luc Villeroy fĂŒhrt den Unternehmensbereich Tischkultur und ist damit natĂŒrlich voll ins operative GeschĂ€ft eingebunden. Die drei Familienmitglieder im Aufsichtsrat entscheiden mit uns zusammen ĂŒber die strategische Ausrichtung des Konzerns und ĂŒber bedeutende Investitionen â ĂŒber diese Personen werden im Wesentlichen auch die Meinungen der insgesamt mehr als 200 StammaktionĂ€re gebĂŒndelt. Man spĂŒrt, dass die Familie das Unternehmen finanziell gesund und mit einer vielversprechenden Zukunftsperspektive an die nĂ€chste Generation weitergeben will.
www.4investors.de: Villeroy + Boch schĂŒttet âtraditionellâ 50 Prozent der operativ erzielten Gewinne aus und gibt eine Garantiedividende fĂŒr die Vorzugsaktien. Welches Interesse haben die FamilienaktionĂ€re an einer solchen Dividendenpolitik, die in schwachen Jahren die Substanz der Gesellschaft belasten könnte?
Warncke: Wir denken nicht an schwache Jahre, sondern sind grundsĂ€tzlich optimistisch und gehen auch in den kommenden Jahren von einer positiven GeschĂ€ftsentwicklung aus. Sie dĂŒrfen nicht vergessen, dass die Familie in der Vergangenheit auch erhebliche finanzielle Mittel in das Unternehmens investiert hat und somit ĂŒber die Dividende eine angemessene Rendite auf das eingesetzte Kapital erhĂ€lt. Ich glaube, dass wir insgesamt eine gute Balance zwischen AusschĂŒttung, InvestitionstĂ€tigkeit und SubstanzstĂ€rkung gefunden haben.
www.4investors.de: FĂŒr viele Anleger an der Börse hat die Dividende aufgrund steigender Unsicherheiten und niedriger Zinsen wieder eine höhere Bedeutung bekommen. Gibt es bei ihnen vor diesem Hintergrund Ăberlegungen, an der Dividendenpolitik zu rĂŒtteln?
Warncke: Nein, wir fĂŒhlen uns mit unserer Politik wohl und lassen uns nicht von externen Rahmenbedingungen beeinflussen. FĂŒr unsere AktionĂ€re möchten wir auch gewissermaĂen berechenbar sein: Steigt das Konzernergebnis, sollen auch die Anteilseigner durch eine höhere Dividende am Erfolg teilhaben. Dieses Versprechen haben wir in den vergangenen Jahren stets gehalten.
www.4investors.de: FĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2016 wird die Dividende von 0,49 Euro fĂŒr 2015 auf 0,53 Euro je Aktie erhöht. Sie rechnen mit bis zu 10 Prozent EBIT-Plus im laufenden Jahr. Können sich ihre AktionĂ€re auch auf weiter steigende Dividenden einstellen?
Warncke: Man soll das Fell des BĂ€ren ja bekanntlich nicht verteilen, bevor er erlegt ist. Aber Sie haben Recht: Wir rechnen mit einem Umsatzanstieg von 3 Prozent bis 5 Prozent und einem EBIT-Plus von 5 Prozent bis 10 Prozent. Wenn wir diese Ziele erreichen, spricht auch vieles fĂŒr eine weitere Erhöhung der Dividende.
www.4investors.de: Das erste Quartal ist zu einem gröĂeren Teil bereits vorbei. Wie ist der Start ins neue GeschĂ€ftsjahr gelaufen und werden ihre Prognosen untermauert?
Warncke: Dazu werden wir uns konkret am 24. April Ă€uĂern, wenn wir die Zahlen fĂŒr das erste Quartal 2017 prĂ€sentieren. Aber so viel vorweg: Der Trend aus dem Vorjahr hĂ€lt grundsĂ€tzlich an, der Bereich Bad und Wellness entwickelt sich also besser als das Tischkultur-GeschĂ€ft.
www.4investors.de: Anfang des Jahres hat der EuropĂ€ische Gerichtshof ihre Rechtsmittel gegen eine Kartellstrafe in Höhe von 71,5 Millionen Euro zurĂŒckgewiesen. Gehen sie davon aus, zumindest Teile der Gelder ĂŒber SchadenersatzansprĂŒche gegenĂŒber frĂŒheren Managern wieder zurĂŒck zu erhalten?
Warncke: Ein Satz vorab: Das Urteil betrifft zunĂ€chst nur unser Unternehmen und trifft keine Aussage zur Schuld oder Unschuld einzelner Manager. Der Aufsichtsrat bewertet derzeit mit UnterstĂŒtzung externer Experten die Situation und leitet die rechtlich gebotenen MaĂnahmen ab. Mehr kann ich dazu nicht sagen.
www.4investors.de: Im vergangenen Jahr waren Sie im Bereich Bad und Wellness aufgrund der Nachfrage nach einzelnen Produkten mit Lieferschwierigkeiten konfrontiert. Sind die EngpÀsse mittlerweile behoben?
Warncke: Das PhĂ€nomen betraf speziell unsere spĂŒlrandlosen DirectFlush-WCs, die sich immer mehr zum Marktstandard entwickeln. Unser Vertrieb musste den Bedarf unterjĂ€hrig mehrfach nach oben korrigieren, aber irgendwann waren die KapazitĂ€ten unserer Produktionsstandorte einfach erschöpft. Wir haben Extraschichten eingelegt und durch zusĂ€tzliche Maschinen die StĂŒckzahl erhöht. Der KapazitĂ€tsausbau wird uns aber auch 2017 begleiten und das Investitionsprogramm im Bereich Bad und Wellness maĂgeblich prĂ€gen.
www.4investors.de: FĂŒr 2017 ist im Vergleich zum Vorjahr ein deutlich höheres Investitionsbudget angesetzt. Ist der angesprochene KapazitĂ€tsausbau auch der Hauptgrund dafĂŒr?
Warncke: Ja, in unserer SanitĂ€rfabrik Mettlach installieren wir derzeit zum Beispiel eine neue Druckgussanlage fĂŒr die DirectFlush-WCs. Auch in Ungarn und RumĂ€nien stehen Ă€hnliche Investitionen an. Wir passen unsere Infrastruktur nun dem nachhaltigen Nachfrageanstieg an.
www.4investors.de: In diesen Tagen findet in Frankfurt mit der ISH die internationale Leitmesse fĂŒr die SanitĂ€rbranche statt. Werden die Neuheiten fĂŒr einen zusĂ€tzlichen Schub sorgen?
Warncke: Das hoffen wir! Unsere PrĂ€sentation steht in diesem Jahr ganz im Zeichen der Premium-Kollektionen. Mein persönlicher Favorit ist die Serie Finion mit Waschtischen aus unserem innovativen Werkstoff TitanCeram, der besonders filigrane Designs ermöglicht, hochwertigen Möbeln und einer Badewanne mit einem edlen Beleuchtungskonzept. Ein sehr gutes GefĂŒhl habe ich auch bei unserem neuen Dusch-WC, das von auĂen gar nicht als solches zu erkennen ist. Glauben Sie mir: In zehn Jahren werden deutlich mehr deutsche Haushalte ĂŒber solch ein Dusch-WC verfĂŒgen, als man heute vermutet.
www.4investors.de: In der Sparte Tischkultur fiel im Jahr 2016 der Umsatz, das EBIT hat sich aber verbessert, weil sie sich etwas anders aufgestellt haben, zum Beispiel mit Rabattaktionen vorsichtiger sind. Bleibt es bei der Strategie, oder besteht weiterer Anpassungsbedarf?
Warncke: Das Marktumfeld im Bereich Tischkultur ist sicherlich herausfordernd, auch wenn wir uns im Vergleich zum Wettbewerb noch ganz gut schlagen, wie ich finde. Als Management muss man sich manchmal die Frage stellen, ob Wachstum um jeden Preis sinnvoll ist, beispielsweise durch spezielle Rabattaktionen, die dann aber zu Lasten der Marge gehen. Wir haben uns entschieden, mehr auf margenstÀrkere HandelskanÀle zu setzen. Das steigert auch die Anziehungskraft unserer Marke.
www.4investors.de: Noch ein Wort zur Strategie, bitte.
Warncke: Es wĂ€re unverantwortlich, wenn wir unsere Strategie nicht regelmĂ€Ăig hinterfragen und schĂ€rfen wĂŒrden. Bieten wir die richtigen Produkte an? Haben wir die richtigen AbsatzkanĂ€le im Fokus? Ich persönlich bin der festen Ăberzeugung, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir haben mit cleveren Produkten zu Food Trends wie Pizza, Pasta, Barbecue oder Suppe das Angebot an kleineren Sets gestĂ€rkt, weil auf der anderen Seite der Bedarf an Komplett-Services sinkt. AuĂerdem bauen wir unser Geschenkartikelsortiment aus. Das wird sich mittelfristig auszahlen.
www.4investors.de: Welche Ziele haben sie sich fĂŒr die kommenden Jahre in ihrer E-Commerce-Sparte gesetzt? Welche Herausforderung ist hierbei die Logistik, gerade bei ihrem Produktsortiment mit eher empfindlichen Waren?
Warncke: Das Thema E-Commerce spielt bislang nur im Bereich Tischkultur eine Rolle. Die Logistik haben wir dabei wirklich gut im Griff und erfreulicherweise sind auch die Retourenquoten â insbesondere im Vergleich zur Mode-Industrie â relativ niedrig. Im vergangenen Jahr haben wir rund 37 Millionen Euro bzw. 12 Prozent des Umsatzes online erwirtschaftet, davon der etwas gröĂere Teil im externen E-Commerce, also mit Online-Handelsplattformen. In diesem Bereich sehen wir auch die gröĂeren Wachstumschancen. Insgesamt halten wir eine Steigerung des E-Commerce-Umsatzes auf mehr als 75 Millionen Euro fĂŒr möglich.
