Nord LB – USA: Inflationsrate bei 0,2% Y/Y – vor dem morgigen „Münzwurf“ der Fed
Soeben wurden die Zahlen zu den US-Konsumentenpreisen (CPI) veröffentlicht. Demnach gingen im August die CPI um 0,1% M/M zurück, die vielbeachtete Inflationsrate legte dennoch leicht auf 0,2% zu. Dagegen wiesen die Konsumentenpreise exklusive Nahrung & Energie einen Anstieg um 0,1% M/M auf, so dass die Jahresveränderung der CPI-Kernrate bei 1,8% blieb.
Im Vorfeld der morgen Abend anstehenden Zinsentscheidung der Federal Reserve können die heutigen Daten natürlich noch einmal eine gewisse Rolle spielen. Zumindest die geldpolitischen Tauben im FOMC-Gremium werden die niedrige Inflationsrate als Argument heranziehen, um eine Zinsanhebung zu verschieben. Die Inflationsrate liegt schließlich weiterhin Meilen entfernt von der stark beachteten Marke von 2%. Rechnet man sogar den Preisauftrieb beim selbstgenutzten Eigenheim heraus (wie beispielsweise in der Eurozone üblich), stünde eine Jahresrate von nur -1,2% zu Buche. Dagegen dürften die geldpolitischen Falken auf die Tendenzen bei der um Nahrung und Energie bereinigten Kernrate verweisen, die allerdings mit 1,8% nicht den erwarteten pick-up in der Jahresrate aufwiesen. Weiterer Argumentationsstoff liegt damit auf dem Tisch.
Zu einem großen Teil ist die jetzige niedrige Preisbewegung dem Ölpreiseinbruch geschuldet, der vor ziemlich genau einem Jahr begann. Diese entlastenden Basispreiseffekte werden sich aber in den kommenden Monaten entsprechend umkehren. Sollte sich der Ölpreis nicht nennenswert bewegen, dürfte die Inflationsrate zum Jahreswechsel 2015/16 wieder über 2% liegen. Für vorausschauende Notenbanker wäre demnach jetzt der adäquate Zeitpunkt, mit einer sehr moderaten Zinsanhebung auf diese zu erwartende Entwicklung bei den CPI zu reagieren.
Als Implikation für die US-Geldpolitik bleibt zu konstatieren, dass die Headline-Daten Wasser auf die Mühlen der Personen gießen, die vor deflationären Tendenzen warnen. So können sich die geldpolitischen Tauben im FOMC darin bestätigt sehen, für eine Verlängerung der sehr expansiven Geldpolitik zu plädieren. Die Falken dagegen werden auf den Anstieg in der Kernrate sowie die zu bald erwartende Umkehrung des (bisher noch entlastenden) Basispreiseffektes verweisen.
Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung hat sich nach den heutigen Daten kaum verändert. Allerdings scheinen sich angesichts langsam steigender Renditen bei US-Treasuries die Marktteilnehmer auch für den Fall eines Rate Hikes zu positionieren.
Wir erwarten weiter einen Zinsschritt noch vor Dezember, der wahrscheinlichste der drei Termine bleibt übermorgen. In diesem Fall wird die Federal Reserve zur Marktberuhigung ankündigen, vorerst keinen weiteren Schritt vorzunehmen (One-and-Done). Denkbar ist auch eine Verschiebung verbunden mit der Andeutung, dass sie baldmöglichst agieren werde (demnach Oktober). Den Dezember-Termin halten wir (nicht zuletzt aufgrund der folgenden Feiertage) für weniger wahrscheinlich. Zudem möchte sich Janet Yellen sicher nicht als „Retter der Aktienmärkte“ aufspielen. Letztlich ist aber die Entscheidung offen – und die anschließenden Marktreaktionen vor allem von dem Statement und den Worten Yellens auf der Pressekonferenz abhängig.
Fazit: Die Inflationsrate in den USA bleibt mit 0,2% Y/Y auf niedrigem Niveau. Die Kernrate verharrte bei 1,8% Y/Y. Diese Zahlen dürften bei den heute beginnenden Diskussionen im FOMC sicher eine Rolle spielen, wobei beide geldpolitische Lager in diesem Bericht Argumentationshilfen finden werden. Ob sich die Tauben im FOMC überzeugen lassen, jetzt (vorausschauend) einen Schritt in Richtung Normalisierung der US-Geldpolitik zu gehen, ist fraglich. Es bleibt spannend – bis zum „Münzwurf“ morgen Abend um 20:00 Uhr!
