Nord LB – Chinesischer Aktienmarkt: Neuer Gegenwind aus dem Reich der Mitte?
Nachdem die unmittelbare Reaktion am chinesischen Aktienmarkt auf den unerwartet schwachen Caixin Flash PMI am vergangenen Freitag noch vergleichsweise unaufgeregt war, legte der Shanghai Composite zum Beginn der neuen Handelswoche einen derben Fehlstart hin. Der wohl bedeutendste Aktien-Index für Chinas Festlandmarkt brach heute um fast 8,5% ein und rutschte dabei deutlich unter die psychologisch wichtige Marke von 4.000 Zählern.
Wir gehen zwar davon aus, dass der jüngste Kursrutsch bei den chinesischen Dividendenpapieren auf die böse Überraschung beim wichtigen China Flash PMI zurückzuführen ist. Der Indikator notierte im Juli demnach nur noch bei vergleichsweise schwachen 48,2 Punkten. Auch die heute früh veröffentlichen Industrial Profits (Juni: -0,3% Y/Y) sowie die angezogenen Schweinefleischpreise, die nach Auffassung einiger Marktbeobachter einen weiteren Zinsschritt durch die PBOC gefährden, dürften die Kauflaune dämpfen.
Gleichwohl wäre es nach unserer Einschätzung doch deutlich zu kurz gegriffen, die trübe Stimmung am Aktienmarkt allein Konjunkturzahlen zuzuschreiben. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der Ereignisse der vergangenen Wochen. Peking hatte schließlich mit umfangreichen Stützungsmaßnahmen einen Aktiencrash abgewendet und letztlich den Shanghai Composite wieder über die Marke von 4.000 Punkten gehievt. Auch wenn die Maßnahmen – die u. a. auch Handelsaussetzungen und Verkaufsverbote einschlossen – Effektivität bewiesen, erntete die Zentralregierung für die Aushebelung der Marktkräfte viel Kritik. Einige Marktteilnehmer mögen in diesem Umfeld – auch aus Richtung des IWF kam gewisse Missbilligung an Pekings Gangart – einen unerwartet kurzfristigen Rückzieher der politischen Entscheidungsträger be-fürchten. Darüber hinaus darf die ausgeprägte Gegenbewegung im unmittelbaren Anschluss der durch die Zentralregierung verabreichten Beruhigungspillen nicht außer Acht gelassen werden, so dass einige Investoren zu Gewinnmitnahmen neigen, was durch die teilweise Lockerung der Handelsrestriktionen sukzessive möglich wird.
In Summe deutet sich an, dass der chinesische Aktienmarkt in eine Phase erhöhter Volatilität eingekehrt ist und es eine echte Verschnaufpause auch mit staatlicher Unterstützung nicht geben wird. Für Peking wird damit der Ausstieg aus den Hilfsmaßnahmen umso schwieriger. Das birgt auch innenpolitisch gewissen Sprengstoff, da auch in der Partei die Meinungen in Bezug auf die richtige Gangart weit auseinandergehen werden. Insofern dürften Meldungen aus dem Umfeld der wichtigen Sommerzusammenkunft der Führungselite in Beidaihe unter besonderer Beobachtung durch Marktteilnehmer stehen.
Auch außerhalb des chinesischen Festlandes drückte der neue Preisverfall beim Shanghai Composite auf die Stimmung. Neben dem Hang Seng Index in Hongkong gaben auch die Börsen in Tokio und Singapur nach. Und nicht zuletzt für den Dax rechnen wir heute mit Gegenwind aus dem Reich der Mitte.
Fazit: Der Shanghai Composite hat einen Fehlstart in die neue Handelswoche hingelegt. Neben schwachen Angaben zum Caixin Flash PMI drücken aber nach unserer Einschätzung insbesondere Fragen in Bezug auf Pekings weitere Gangart sowie Gewinnmitnahmen auf die Stimmung. Eine lang anhaltende Verschnaufpause haben die Beruhigungspillen der Zentralregierung damit jedenfalls nicht verschafft.
