IVG: Es wird wild spekuliert
An der Börse verselbständigen sich manchmal die Dinge, so gestern bei der IVG-Aktie. Der Aktienkurs des finanziell schlingernden Immobilienkonzerns explodierte gestern im Handelsverlauf von 0,268 Euro auf 0,375 Euro und ging damit auf Tageshoch aus dem Handel. Gegenüber dem Vortag ist ein Gewinn von mehr als 40 Prozent notiert, am frühen Mittwochmorgen setzt sich die Aufwärtsbewegung zudem außerbörslich fort. Die Indikationen für die IVG-Aktie liegen zwischen 0,385 Euro und 0,405 Euro. Nachrichten, die diesen Gewinn untermauern, gibt es bislang nicht. Allerdings muss man das Plus ohnehin relativieren: Der IVG-Aktienkurs war noch am Montag bei 0,245 Euro auf ein neues Tief gefallen und notierte noch am 20. Februar bei 2,48 Euro.
Charttechnisch ist dies eine dieser typischen „Zuckungen“ einer extrem gefallenen Aktie, in der sich zudem einige Marktteilnehmer short engagiert haben dürften. Kommt es dann zu deutlichen Gewinnen, setzen schnell Deckungskäufe ein, ebenso Spekulationen, dass irgendeine Nachricht bevor steht. Bei IVG wartet der Markt tatsächlich auf Neuigkeiten aus den Verhandlungen, wie das Unternehmen seine milliardenschweren Schulden in den Griff bekommen will. Kommt hier nichts Erhellendes, könnte die Aufwärtsbewegung schnell wieder in sich zusammen fallen. Mit einer Trendwende darf man den gestrigen Anstieg also nicht gleich setzen, eher mit den Auswirkungen der Zockerei am Markt.
Ohnehin kommt für IVG nun ein starkes Hindernis in Sicht: Die charttechnisch relevante Zone bei 0,40/0,43 Euro. Wird diese übersprungen, könnte die Aktie nochmals einen Schub bekommen.
Kommt fundamental allerdings nichts, was den Anstieg untermauert, ist dieser auf Sand gebaut. Unverändert bestehen nämlich Pleitegefahren für den Immobilienkonzern. Kommt es zu einer Insolvenz, wäre die Marktkapitalisierung von knapp 78 Millionen Euro wahrscheinlich viel zu hoch.

