Solarworld: Der Tag vor dem ersten Showdown
Bei Solarworld steht das nächste Etappenziel bei der Sanierung fest: Am 11. Juni wird der hoch verschuldete Bonner Konzern eine außerordentliche Hauptversammlung durchführen. Die war nötig geworden, weil das Solarenergieunternehmen einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Verlust in der AG von mehr als 38 Millionen Euro für das Jahr 2012 ausweisen wird. Noch ist die Bilanz für 2012 allerdings nicht endgültig fertiggestellt. Doch bereits jetzt steht fest, dass mit dem Jahresabschluss mehr als die Hälfte des Grundkapitals verloren ist. Auf der Hauptversammlung wird Solarworld dies anzeigen und Sanierungsmaßnahmen vorstellen.
Es ist die dritte wichtige Versammlung, die Solarworld in der nächsten Zeit durchführen wird. Zuvor hat man die Gläubiger der Anleihen zu zwei Zusammenkünften geladen, auf denen die geplante Restrukturierung der Schulden das Thema sein wird (wir berichteten). Diese werden am morgigen Mittwoch sowie am Donnerstag stattfinden. Für das Unternehmen ist die Zustimmung der Gläubiger zum Schuldenschnitt und den Tausch von Verbindlichkeiten in Aktien der Gesellschaft geradezu überlebenswichtig. Die Maßnahmen sollen die Verbindlichkeiten von Solarworld um etwa 60 Prozent reduzieren, zugleich würde allerdings die Zahl der Aktien des Konzerns enorm in die Höhe schießen und die derzeitigen Anteile so stark verwässern, dass die derzeitigen Aktionäre de facto aus dem Unternehmen gedrängt wären.
An der Börse hat die morgige Versammlung heute nicht zu großer Verunsicherung geführt. Im Gegenteil: Der Aktienkurs von Solarworld ist im heutigen Handelsverlauf bis auf 0,78 Euro geklettert und geht mit 0,75 Euro aus dem Handel. Grund sind Entspannungszeichen im internationalen Streit um Strafzölle für chinesische Solarenergieprodukte. An eine charttechnische Widerstandsmarke bei 0,80/0,83 Euro reichte das Papier heute aber nicht heran. Die hier liegende Barriere, die bei 0,87/0,90 Euro durch eine weitere Hürde ergänzt wird, ist als stark einzustufen.

