Im Blickpunkt: Wohin mit den Öl-Assets? - Commerzbank

Die OPEC schätzt, dass Länder wie China und Indien den Ölverbrauch von 2019-2045 um 43% nach oben treiben werden. Bild und Copyright: Avigator Fortuner / shutterstock.com.

Die OPEC schätzt, dass Länder wie China und Indien den Ölverbrauch von 2019-2045 um 43% nach oben treiben werden. Bild und Copyright: Avigator Fortuner / shutterstock.com.

22.06.2021 09:21 Uhr - Autor: Kolumnist  Kolumnist auf Twitter auf Twitter 

Obwohl im Öl- und Gas-Sektor immer mehr Unternehmen die Transformation ihres Konzerns – weg von fossilen Rohstoffen und hin zu mehr Erneuerbaren Energien – in Angriff genommen haben, gibt es doch eine Reihe von Playern, die darauf setzen, dass mit Öl- und Gas-Assets über eine lange Zeit noch viel Geld zu verdienen ist. Allerdings gibt es wegen der Klimaerwärmung sowohl Druck von der Politik als auch von den Investoren, die ein nachhaltiges Geschäftsmodell einfordern, um ein Unternehmen überhaupt noch als investierbar einstufen zu können.

Der Verkauf von Öl-, Gas- oder auch Kohle-Assets bedeutet aber nicht, dass diese Projekte und deren Emissionen verschwinden. Die Käufer dieser ungeliebten Assets sind zumeist kleinere Gesellschaften, die umweltpolitisch oft weniger kontrolliert werden, oder auf die Investorensicht keine Rücksicht nehmen müssen (z.B. Staatsunternehmen, nicht-börsennotierte Unternehmen). Außerdem kalkulieren sie, dass der allgemeine Trend wohl in Richtung Erneuerbare Energien geht, die fossilen Rohstoffe aber noch in den kommenden Jahrzehnten gebraucht werden. Zwar erwartet die IEA (International Energy Agency), dass im Rahmen des Energie-Mix der Anteil von Öl, Gas und Kohle von 81% (2019) auf 76% (2030) sinken wird, die absolute Nachfrage nach fossiler Energie (v.a. in den Emerging Markets) aber steigt. Die OPEC schätzt, dass Länder wie China und Indien den Ölverbrauch von 2019-2045 um 43% nach oben treiben werden.

Die letzten Ölpreiskrisen sowie die Finanzierung der Energiewende haben dazu geführt, dass die Öl- und Gasunternehmen ihre Investitionen in E&P-Projekte (Exploration & Produktion) heruntergefahren haben, was die zukünftige Produktion mindert und die Aussicht auf steigende Ölpreise erhöht. Einen Mangel an Kaufinteressenten für Öl-, Gas- und Kohle-Assets gibt es derzeit jedenfalls nicht. Zu sehr locken die Erholung der Weltkonjunktur und damit die stark gestiegenen Rohstoffpreise.

Anleihen
USA: Verkäufe bestehender Häuser (Mai), 16:00 Uhr

Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen überraschten gestern zu Handelsbeginn mit einem vorübergehenden Rückgang von 1,44% auf 1,35%. Im weiteren Handelsverlauf wurde dieser „Renditetaucher“ aber wieder vollständig egalisiert (Schluss 1,50%). Bundrenditen vollzogen die Bewegung in abgeschwächter Form nach. Die Inflationserwartungen, gemessen an der sogenannten Breakevenrate inflationsindexierter Staatsanleihen, sind seit der Sitzung der US-Notenbank Fed massiv zurückgegangen und zwar sowohl in den USA als auch im Euroraum. Lag die Inflationserwartung der inflationsindexierten zehnjährigen US-Staatsanleihe im Mai noch bei knapp 2,60%, sank sie kurzfristig auf 2,20% im Tief. In ihrem gestern veröffentlichten Juni-Monatsbericht beschreibt die Deutsche Bundesbank eine kräftige konjunkturelle Aufhellung der deutschen Wirtschaft ab dem zweiten Quartal. Die Coronainfektionen gehen aufgrund einer erfolgreichen Impfkampagne rasch und nachhaltig zurück und ermöglichen es, die Schutzmaßnahmen zügig zu verringern. Damit eröffnen sich den privaten Haushalten zuvor verschlossene Konsummöglichkeiten, und der private Verbrauch wird vor allem im Rest dieses Jahres und 2022 außerordentlich stark expandieren. Zusätzlichen Schwung erhält er dadurch, dass ein Teil der während der Coronakrise unfreiwillig gebildeten Ersparnisse ausgegeben wird. Daneben wird der Aufschwung von den Exporten angetrieben. Die Bundesbank prognostiziert für dieses Jahr ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 3,7% und für 2022 sogar von 5,2%. Dabei bleibt der private Konsum die maßgebliche Triebfeder des starken Aufschwungs. Die weltweiten Lieferengpässe bei einigen Vorprodukten dürften jedoch das Verarbeitende Gewerbe auch in den kommenden Monaten noch dämpfen. Insgesamt könnte das BIP sein Vorkrisenniveau bereits im dritten Quartal 2021 wieder erreichen.

Aktien
Heute keine relevanten Unternehmenstermine

Am Freitag hatte der Präsident der Federal Reserve Bank von St. Louis, James Bullard, mit seinen Aussagen zu einer US-Zinserhöhung bereits im Jahr 2022 die Aktienkurse weltweit auf Talfahrt geschickt. Zum Wochenauftakt konnten sich die europäischen Aktienbörsen, wenn auch anfangs nur zögerlich, sukzessive erholen. Spitzenreiter im Dax 30 waren unter der Führung von VW Vorzüge (+3,8%) vornehmlich Automobiltitel. Lediglich die Aktien des Chemiekonzerns Covestro (+2,7%) mischten sich unter die Phalanx der PKW-Produzenten. Dagegen standen Gesundheitswerte wie FMC (-1,0%), Bayer (-1,1%) und Fresenius (-2,2%) geschlossen am Ende des Auswahlindex. Im MDax konnten die Aktien von Auto1 (-0,1%) nicht von ihrem Aufstieg in den Index für mittelgroße Werte profitieren. Eine Achterbahnfahrt vollzogen die Anteilscheine von Varta (+1,5%), die wegen widersprüchlicher Meldungen um die Belieferung von Porsche mit Hochleistungs-Batterien zwischenzeitlich um 4% gefallen waren. Neben Automobilen (+3,0%) konnten sich im Euroraum vor allem die Sektoren Chemie (+1,7%) und Grundstoffe (+1,2%) erholen. Schwächer tendierte neben Gesundheit (-0,4%) einzig die Branche Reise & Freizeit (-0,2%). An der Wall Street konnten die Leitindizes Dow Jones und S&P 500 nach den deutlicheren Verlusten der Vorwoche eine deutliche Kehrtwende einleiten. Der Nasdaq 100, der in der letzten Woche sogar mit einem leichten Plus geschlossen hatte, hinkte dieser Entwicklung allerdings hinterher. Stärkste Branche war angesichts weiter steigender Ölpreise Energie (+4,3%). Aber auch die anderen zyklischen Sektoren konnten sich eindeutig erholen. Im allgemeinen Stimmungswechsel gab es keine Verlierer. Auch die asiatischen Börsen erholten sich heute Morgen von ihren jüngsten Kursverlusten. Insbesondere der Nikkei 225 machte den gestrigen Absturz wieder wett. Die europäischen Märkte werden ebenfalls etwas fester eröffnen.

Daten zum Wertpapier: Öl - Rohstoffe
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Disclaimer: Der Text ist eine Kolumne der Commerzbank. Der Inhalt der Kolumne wird von 4investors nicht verantwortet und muss daher nicht zwingend mit der Meinung der 4investors-Redaktion übereinstimmen. Jegliche Haftung und Ansprüche werden daher von 4investors ausdrücklich ausgeschlossen!
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