Euroboden: „Das Jahr 2020 ist ein kompletter Sonderfall für den gesamten Kapitalmarkt“

Euroboden-Geschäftsführer Martin Moll. Bild und Copyright: Euroboden.

Euroboden-Geschäftsführer Martin Moll. Bild und Copyright: Euroboden.

20.11.2020 08:00 Uhr - Autor: Johannes Stoffels  Johannes Stoffels auf Twitter auf Twitter 

Euroboden hat die jüngste Anleihe nicht vollständig am Markt platzieren können. Hereingeholt hat man 25,5 Millionen Euro, erhofft hatte man sich 75 Millionen Euro. Oft ziehen sich Vorstände nach einem solchen Teilerfolg zurück. In diesem Fall haben die Verantwortlichen jedoch aktiv die Öffentlichkeit gesucht. Man hat Redebedarf und will die Situation erklären. Das machen Euroboden-Geschäftsführer Martin Moll und Kai Jordan, Vorstand der die Emission begleitenden mwb Wertpapierhandelsbank, im Interview mit unserer Redaktion sehr deutlich. Sie nehmen kein Blatt vor den Mund und analysieren ausführlich die Lage. Man will glaubwürdig bleiben und verbreitet zugleich eine gehörige Portion Optimismus.


www.4investors.de: Die neue Anleihe von Euroboden sollte bis zu 75 Millionen Euro in die Kasse bringen, letztlich sind es aber „nur“ 25,5 Millionen Euro geworden. Sind Sie enttäuscht?

Moll:
Vor dem Hintergrund des Umfeldes sind wir nicht unzufrieden. Im letzten Monat sind Emissionen komplett gescheitert oder haben noch deutlich weniger platzieren können als Euroboden. Unser Zeichnungsstart fiel genau mit dem Lockdownbeginn zusammen. Insofern sind die 25,5 Millionen Euro ein Vertrauensbeweis für Euroboden.

Jordan: Fast 26 Millionen Euro zu platzieren, erscheint uns in diesem Umfeld ein gutes Ergebnis. Wir sind von Euroboden und der Anleihe überzeugt. Deswegen sagen wir, aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Das Umfeld wird sich wieder verbessern. Dann wird auch das Interesse der Investoren an guten und stabilen Emissionen wieder zunehmen. Bis zum Jahreswechsel ist nun aber erstmal Schluss und dann werden wir in aller Ruhe mit der Emittentin abstimmen, was zu tun ist. Hierbei legen wir ausdrücklich besonderes Augenmerk auf die Entwicklung im Sekundärmarkt und haben mit Euroboden auch eine entsprechende Marktschutzklausel vereinbart. Die Zeichner, die bei 100 im schwierigen Umfeld gezeichnet haben, können sich darauf verlassen, dass wir den Kurs nicht mit Nachplatzierungen herunterdrücken.

www.4investors.de: Ist die Anleihe zum falschen Zeitpunkt emittiert worden?

Jordan:
Das Momentum ist immer wichtig. Es lässt sich leider nicht immer vorherbestimmen. Es gibt gewisse formale Abläufe, die bei einer Emission einzuhalten sind. Sie bedürfen einer Planung über Monate im Voraus. Gerade auch, wenn eine Emission eine so hohe Transparenz, wie die Euroboden-Anleihe hat. Die Billigung des Prospekts zieht sich immer über Wochen hin und lässt sich nicht beschleunigen. Das freiwillig von Euroboden in Auftrag gegebene Rating durch Scope benötigt auch seine Zeit. Der Umtausch ist ebenfalls der eigentlichen Anleiheemission vorgelagert und muss langfristig gesteuert werden. Insofern ist das Timing einer Emission immer fragil – aber natürlich ganz besonders zu Zeiten einer Jahrhundert-Pandemie. Der Start des Projektes Anleihe war im Frühsommer 2020. Da wurde der detaillierte Zeitplan mit verschiedenen Milestones, die nicht öffentlichkeitsrelevant sind, festgelegt. Zielfoto: Umtausch im Oktober und Zeichnungsfristbeginn am 2. November.

www.4investors.de: Gab es zwischenzeitlich den Gedanken, die Emission abzusagen?

Jordan:
Nein, zu keiner Zeit. Die Anleihen der Euroboden sind ein Spitzen-Produkt im Segment für KMU-Anleihen. Das wissen wir und es wird uns auch von vielen Investoren so immer wieder zurückgegeben. Zudem war bis zum 30. Oktober doch so gut wie Niemanden klar, dass Deutschland ab dem 2. November wieder in einen Lockdown rutschen würde. Die Stimmung bei den Investoren ist über das Wochenende komplett gekippt.

www.4investors.de: Wenn Sie das Zeitrad noch mal drehen könnten: Was würden Sie anders machen?

Moll:
Eine gute Frage, die wir uns sicherlich mit der mwb zusammen auch gestellt haben. Eine Emission klappt nicht von heute auf Morgen. Euroboden hat sich im Frühsommer entschieden, eine neue Anleihe zu emittieren und dann ein Team aufgestellt, mit dem zusammen man das Projekt durchführen möchte. Nach den Mandatierungen wurde ein detaillierter Zeitplan erarbeitet und Dinge direkt angestoßen, wie z.B. die Beauftragung von Scope für die Erstellung der Ratings. Ich möchte den zeitlichen Ablauf einer Emission an einem Beispiel aufzeigen. Ein Wertpapierprospekt wird nicht nur von den Anwälten und Euroboden über mehrere Wochen geschrieben und dann bei der Aufsichtsbehörde zur Genehmigung eingereicht. Es ist üblich, dass die Aufsichtsbehörden an verschiedenen Teilen Nachfragen haben. Das nicht nur einmal, sondern eben mehrfach. Insofern zieht sich eine Genehmigung des Wertpapierprospektes eben auch hin. Sie sehen, ein Zeitrad lässt sich leider nicht so einfach drehen.

www.4investors.de: Welchen Einfluss hatte die Hängepartie bei der US-Wahl auf die Emission?

Jordan:
Auf Euroboden als Emittentin hatte die US-Wahl keinen Einfluss. Die Qualität der Anleihe war und ist unbestritten. Auf das allgemeine Sentiment und dem damit verbundenen Zeichnungsverhalten der Anleger – in Kombination mit dem Lockdown – hatte die Wahl einen großen Einfluss. Es gab keine Leitplanken, die dem Anleger Sicherheit geben könnten.

www.4investors.de: Wie haben sich Privatinvestoren bei der Zeichnung verhalten?

Jordan:
Auch wenn die Gesamtnachfrage deutlich geringer war als bei den vorangegangenen Emissionen, so sind wir recht zufrieden. Es haben eine große Anzahl von Anlegern im Rahmen des Umtauschangebotes und des Mehrbezugs der Euroboden die Treue gehalten und erkannt, dass das Produkt stimmt. Vor diesem Hintergrund war die Retailnachfrage durchaus beachtlich. Wir halten grundsätzlich einen angemessenen Anteil von Privatanlegern für jede Emission für sehr wünschenswert.

Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank. Bild und Copyright: mwb Wertpapierhandelsbank.

Kai Jordan, Vorstand der mwb Wertpapierhandelsbank. Bild und Copyright: mwb Wertpapierhandelsbank.

www.4investors.de: Welches Feedback gab es im Nachhinein von den verschiedenen Marktteilnehmern?

Jordan:
Bisher nur positives. Die Anleihe notiert zwischen 100 und 101. Es stehen zahlreiche institutionelle Investoren in Wartestellung, deren Kaufinteresse für eine Emission unter 30 Millionen Euro zu groß ist und die mit steigendem Volumen hier auch mitgehen würden. Ein Henne-Ei-Thema, das eine gewisse Eigendynamik in beide Richtungen hat.

www.4investors.de: Welchen Einfluss hat der geringere Erlös auf die künftigen Pläne bei Euroboden?

Moll:
Euroboden verfügt über rund 50 Millionen Euro freie Liquidität und ist nicht auf die zusätzlichen Mittel aus der Anleiheemission angewiesen. Wir haben ein sehr gutes Ergebnis im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/2020 erzielt. Wir gehen davon aus, dass wir die Anleihe in den nächsten 12 bis 24 Monaten platziert bekommen. Falls das nicht funktioniert, würde es im schlimmsten Fall das Wachstum von Euroboden etwas verlangsamen. Außerdem stellen die Anleihen nur einen Teil unseres Finanzierungsmixes dar. Es bestehen theoretisch auch immer die Möglichkeiten von höheren Bankfinanzierungen, Eigenkapitalmaßnahmen, Schuldscheindarlehen oder die Aufnahme von Mezzaninekapital. Aber festzuhalten bleibt: Wir haben aktuell keinen zusätzlichen Kapitalbedarf.

www.4investors.de: Müssen Projekte nun verschoben oder abgesagt werden?

Moll:
Nein, alle Projekte sind voll finanziert. Unsere aktuell freien Mittel reichen aus, um unsere Pipeline deutlich auszubauen. Wir generieren aus der Umsetzung unserer Projekte laufend Liquiditätsüberschüsse. Mit der Anleiheemission wollten wir eine maximale Flexibilität im Einkauf erreichen und das auf den Zeitraum von fünf Jahren. Dazu gehört aus unserer Sicht, dass wir auch mal zwei oder drei Projektankäufe parallel tätigen können. Wie ich schon häufiger beschrieben habe, ist der Einkauf für Euroboden ein ganz zentraler Bestandteil. Insbesondere die Geschwindigkeit, mit der unser Unternehmen Projektkäufe abwickeln kann, verschafft uns einen Wettbewerbsvorteil bei den Verkäufern und das ist nach wie vor gegeben.

www.4investors.de: Bleiben Sie dem Anleihemarkt erhalten?

Moll:
Ja, sicherlich. Euroboden ist mit ihren Anleihen ein Teil des Kapitalmarkts im KMU-Segment und kann auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken. Ich bin mir sicher, dass zukünftig der Markt auch wieder funktionieren wird. Das Jahr 2020 – insbesondere im Frühjahr und jetzt ab Ende Oktober – ist ein kompletter Sonderfall für den gesamten Kapitalmarkt und auch für die gesamte Gesellschaft. Unsicherheit ist für Anleger totales Gift. Wahrscheinlich werden wir noch bis März Verunsicherung spüren, aber dann werden wir im Frühjahr 2021 sicherlich wieder mehr Optimismus im Markt erleben. Wie erwähnt, spielt die Anleihe im Finanzierungsmix von Euroboden eine gute Rolle und ist eine priorisierte Alternative.

www.4investors.de: Gibt es eine Nachplatzierung?

Jordan:
Ganz klar – Ja. Eine Platzierung wird marktschonend durchgeführt. Es wird darauf geachtet, dass die Anleihe nicht unter 100 verkauft wird. Das ist wichtig, um im Markt glaubwürdig zu bleiben. Euroboden hat sich über Jahre eine vertrauensvolle und transparente Basis bei den Anlegern geschaffen und wird diese - wie bisher – auch nicht enttäuschen.

www.4investors.de: Wie funktioniert das Zusammenspiel zwischen Euroboden und mwb?

Moll:
Zusammen mit der mwb hat Euroboden die dritte Anleihe in Folge emittiert. Das sich die handelnden Personen gut kennen und komplexe Abläufe bekannt sind, hat sicherlich mit dazu beigetragen, dass fast 26 Millionen Euro in diesem extrem herausfordernden Umfeld platziert werden konnten. Das zeigt, dass das Zusammenspiel zwischen Euroboden und mwb ohne Reibungsverlust funktioniert.
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